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Medizin: Lösungen für den Ärztemangel?

Medizin : Lösungen für den Ärztemangel?

Die Zahl der Hausärzte auf dem Land wird bis 2022 dramatisch abnehmen. Stephan von St. Vith informiert über Pläne und Ideen des Kreises Bernkastel-Wittlich, um dem Mangel entgegenzuwirken.

In den kommenden Jahren wird sich die hausärztliche Versorgung insbesondere im ländlichen Bereich verschärfen. Schon heute ist es teilweise schwierig, in einer Arztpraxis als Neupatient aufgenommen zu werden. Mehr als 60 Prozent der niedergelassenen Hausärzte sind im Kreis Bernkastel-Wittlich älter als 55 Jahre. 42 Prozent stehen mit mehr als 60 Jahren kurz vor der Rente. Nachfolger für die frei werdenden Stellen sind zumeist nicht in Sicht. „Gerade einmal 25 bis 35 Prozent der Hausärzte finden einen passenden Nachfolger“, erläutert Stephan von St. Vith, der für die Kreisentwicklung tätig ist, bei einem Vortrag zur ärztlichen Versorgung im Landkreis Bernkastel-Wittlich vor dem Beirat für Senioren.

Die Gründe dafür seien vielfältig. Unter anderem möchten viele Medizinstudenten nach ihrer langen Ausbildung lieber als Facharzt mit besseren Verdienstmöglichkeiten weitermachen. Gerade einmal zehn Prozent wollen als Allgemeinmediziner praktizieren und die ziehe es eher in die Stadt und in Ballungszentren als aufs Land. „Daneben scheuen viele die Selbstständigkeit, eher wünschen sie sich ein Angestellten-Verhältnis mit Teilzeitmodellen und flexiblen Arbeitszeiten“ meint von St. Vith.

Was besonders im Kreis auffällt: In 22 Gemeinden gibt es zwar Hausärzte, doch für Menschen aus kleineren Orten ist immer eine gewisse Fahrtzeit bis zur nächsten Praxis zurückzulegen, wie man den Ausführungen von St. Vith entnehmen kann. Besonders in der Verbandsgemeinde Thalfang und der Einheitsgemeinde Morbach sind alle Ärzte in den beiden Zentren niedergelassen – ein logistischer Aufwand, insbesondere für Senioren.

Nach Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) ist momentan nur im Mittelbereich Wittlich der Planungsbedarf für Hausärzte geöffnet. Von St. Vith erklärt: „Solange ein niedergelassener Arzt noch praktiziert, darf kein neuer Arzt im gleichen Gebiet eine neue Praxis eröffnen.“ Diese sogenannte Bedarfsplanung stammt aus dem Jahr 1992 und der Feder des damaligen Gesundheitsministers Horst Seehofer und sollte ein Überangebot an Ärzten verhindern. Heutzutage bremst es jedoch die durchgehende Versorgung insbesondere auf dem Land in Hinblick auf die Zukunft.

Entsprechend stellt sich nun die Frage danach, wie die Kommunen dagegen steuern und junge Ärzte in die Region locken können. Eine Möglichkeit wird in Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) gesehen. Konkrete Planungen stehen diesbezüglich bald in Morbach an. Die Vorteile liegen klar auf der Hand: Unter einem Dach gibt es mehrere Ärzte, oft auch Fachärzte, die Räume und Geräte in Teilen gemeinsam nutzen können. Weitere Ärzte können angestellt und damit das angestrebte Arbeitsmodell umgesetzt werden. Gleichzeitig kann man mit mehreren Medizinern die Sprechstundenzeiten erweitern. Auch für Weiterbildungen oder als Ein- und Ausstiegsmodell ist diese Form der Niederlassung zuträglich. Außerdem kann man an diesem Ort zusätzliche Angebote wie Apotheken oder Physiotherapeuten unterbringen.

Auch mit Regional-Marketing, einer guten Infrastruktur und Förderung für Ärzte soll der Zuzug aufs Land und die damit verbundene Niederlassung attraktiver gestaltet werden. Damit möchte man bereits beim studentischen Nachwuchs, der Praktika machen muss, starten. Im Zuge dessen soll Anfang 2019 ein Weiterbildungsverbund gegründet werden. Diese Praxis wird bereits von einigen Landkreisen umgesetzt. Angehende Ärzte müssen nach ihrem Studium in verschiedenen Praxen und Kliniken Erfahrungen sammeln und sich auf eine Fachrichtung spezialisieren. Um dies einfacher zu gestalten, gebe es die Verbünde, die bei der mehrjährigen Weiterbildung auch eine gewisse Planungssicherheit böten, so von St. Vith: “Umzüge und viele Bewerbungen fallen weg, es gibt feste Ansprechpartner und Vergütungen und eine strukturierte Weiterbildung in den eingebundenen Kliniken und Praxen“, zählt der Kreismitarbeiter die Vorteile des Verbundes auf.