Lohnt für Biomüll eine eigene Tonne?

Lohnt für Biomüll eine eigene Tonne?

Werden auch die Cochem-Zeller organische Abfälle bald in eine Biotonne werfen? Oder landet der Biomüll weiter auf Komposthaufen beziehungsweise bei den Reststoffen? Diese Fragen spielen in die Thematik herein, mit der sich der Kreistag bald befassen wird. Denkanstöße dazu sollen aus Münster kommen.

Cochem-Zell. (red) An einer Machbarkeitsstudie über die optimale Nutzung von Bioabfällen beteiligt sich der Kreis Cochem-Zell mit neun weiteren Kreisen im nördlichen Rheinland-Pfalz sowie mit den Städten Bonn und Koblenz. Mit der Rhein-Hunsrück-Entsorgung (RHE) hat ein kommunaler Abfallentsorger die Studie bei der Fachhochschule Münster in Auftrag gegeben. Ziel ist es der Cochem-Zeller Kreisverwaltung zufolge, die "grundsätzlichen Möglichkeiten einer gemeinsamen Erfassung und anschließenden Verwertung von organischen Abfällen" auszuloten. Dazu gehören sowohl die Bioabfälle aus den privaten Haushalten im Kreis als auch der Baum- und Strauchschnitt.

Baum- und Strauchschnitt sorgt für Wärme in Schulen



Schon in diesem Jahr soll im Rhein-Hunsrück-Kreis der gesammelte Baum- und Strauchschnitt die Schulen in Simmern und Kirchberg mit Wärme versorgen. Für dieses Konzept wurde die RHE mit dem Umweltpreis des Landes ausgezeichnet. Seit 1993 werden im Cochem-Zeller Nachbarkreis Küchen- und Gartenabfälle über Biotonnen gesammelt und der Vergärungsanlage in Wüschheim zugeführt. Das entstehende Methangas wird in einem Blockheizkraftwerk in Wärme und elektrische Energie verwandelt.

Mit dem Betreiber der Vergärungsanlage wurden Verträge unterzeichnet, die 2013 auslaufen.

"Wir stellen uns jetzt natürlich die Frage, ob man die Energieausbeute erhöhen und durch kommunale Kooperationen vielleicht auch günstiger produzieren kann", so die RHE-Chefs.

Die Wüschheimer Anlage hat nämlich ein Manko: ihre zu geringe Kapazität. Im Kreis Cochem-Zell fielen im Jahr 2008 satte 8307 Tonnen Grünabfall an - ohne den Biomüll, den die Cochem-Zeller bei sich daheim kompostieren oder über den Restmüll entsorgen. In den Grünabfällen steckt eine Menge Bioenergie. Also schaut der Kreis unter dem Schlagwort "Bioenergie-Region" auch über die Machbarkeitsstudie hinaus, wie sich diese Abfälle sinnvoll verwerten ließen.

Die FH-Studie soll Aufschluss über die Wirtschaftlichkeit bei der Verwertung von Bioabfällen geben, ökologische Standards vorgeben und mögliche Synergieeffekte einer kommunalen Kooperation aufzeigen. An der Studie nehmen außer Cochem-Zell auch die Kreise Ahrweiler, Altenkirchen, Neuwied, Mayen-Koblenz, Rhein-Hunsrück, Rhein-Lahn, Rhein-Sieg und Westerwald teil.

Wegen der vielen Beteiligten halten sich die Kosten für den Kreis in Grenzen, liegen "in der Größenordnung von ein paar Tausend Euro", so Bernd Heimes, bei der Kreisverwaltung für Abfallentsorgung zuständig. Mit einer kreisübergreifenden Kooperation in Sachen Müll hat Cochem-Zell gute Erfahrungen gesammelt, so die Verwaltung. Ob es auch bei der Biomüllverwertung zu einer Kooperation kommt, entscheidet letztlich der Cochem-Zeller Kreistag. Durch die FH-Studie möchten die RHE-Chefs "erfahren, was überhaupt technisch machbar ist, ob die Bürger mitziehen und in welchen Bereichen die Energie aus Bioabfall regional sinnvoll genutzt werden kann". Ergebnisse sollen im Frühjahr vorliegen.

Vielleicht können erste Erkenntnisse ja sogar schon am 1. Februar in die Beratungen der Cochem-Zeller Kreistagsmitglieder einfließen. Die werden dann unter anderem über ein neues "Abfallwirtschaftskonzept 2012" beraten. Das wird nötig, weil Verträge mit einem Entsorgungsunternehmen auslaufen. So ist es auch in einigen anderen Kreisen, die sich an der FH-Studie beteiligen.

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