Longkamper Friedmunt Sonnemann hat jahrelang gegen den Hochmoselübergang gekämpft

Kostenpflichtiger Inhalt: Widerstand gegen den Hochmoselübergang : Brücken-Gegner Sonnemann: „Ich kämpfe nicht gegen Windmühlen“

Der Saatgutvermehrer Friedmunt Sonnemann will im Einklang mit der Natur leben. Doch genau das wird ihm nach seiner Aussage durch den Bau der B 50 neu verwehrt, die in der Nähe seines Hofes bei Longkamp  verläuft. Der Volksfreund besucht ihn, kurz bevor die Straße eröffnet wird.

Die Königsfarm bei Longkamp ist nicht leicht zu finden. Immerhin führt die Wegstrecke an dem neuen Straßenbauwerk der B 50 neu, die Bestandteil des Hochmoselübergangs ist,  entlang und einmal sogar unter der noch nicht eröffneten Bundesstraße hindurch. Und ganz am Schluss „müssen Sie links abbiegen und einen Schotterweg herunterfahren, von dem Sie nicht glauben, dass hier noch etwas kommt“, sagt Friedmunt Sonnemann im Vorgespräch am Telefon. Stimmt, steht man an der letzten Abbiegung auf dem Weg zur Wirkungsstätte von Friedmunt Sonnemann, glaubt man tatsächlich, in die Irre gefahren zu sein. Doch fährt man weiter, ist plötzlich ein Holzgebäude zu sehen, an dem ein Schild befestigt ist, auf dem steht: „Friedmunt Sonnemann, Longkamp“. Zwei Lehmhäuser, mehrere Nebengebäude und und einige Gärten befinden sich auf dem Anwesen.

Auf dem Hof lebt der  Pflanzenzüchter, der zur Symbolfigur des Widerstands gegen den Hochmoselübergangs unklusive der B 50 neu geworden ist, derzeit mit vier weiteren Personen: einem Paar und zwei Menschen, die ein Freiwilliges Ökologisches Jahr ableisten. Auch internationale Workcamps finden dort statt – rund 500 Meter entfernt von der  B 50 neu, auf der Autofahrer künftig inklusive Hochmoselbrücke von diesem Donnerstag, 21. November, an deutlich schneller als bisher vom Hunsrück in die Eifel und umgekehrt fahren können.

So beginnt alles Die Königsfarm nahe Longkamp, die bereits in den 1930er Jahren von einer Winzerfamilie aus Bernkastel-Kues namens König gegründet wurde, liegt mitten im Wald. Dorthin ist der gebürtige Bonner 1990 gezogen. Zunächst pachtete er das Anwesen, inzwischen gehört es ihm. Was er damals vorfindet, hat wenig mit dem gemeinsam, was die Gäste heute antreffen. Er spricht heute von einer „Spukschloss-Atmosphäre“. „Unter den Eichen gab es nur eine sehr provisorische Notunterkunft“, schildert Sonnemann, „in einem Zustand, den man sich kaum vorstellen kann“. Es habe nur wenige Stellen gegeben, an denen man aufrecht stehen konnte. Die Hütte habe auf dünnen Pfosten gestanden, die von unten wegfaulten. Sonnemann baute um die Hütte herum ein Haus in Lehmbauweise  Der 53-Jährige hat zwar Telefon, auf der Farm aber keinen Strom und lediglich Quelle. Besucher müssen das Handy ausmachen. Darauf besteht er.

Das ist seine Berufung Als Sonnemann in den Hunsrück kam, war sein wichtigstes Ziel: im Einklang mit der Natur zu leben. Er gewinnt und vermehr Saatgut – das tut er bis heute, vor allem von alten und ungewöhnliche Kulturpflanzen, um die biologische Vielfalt zu erhalten. Zum Beispiel eine Sorte Hunsrücker Mangold, den er von einer alten Frau aus Laufersweiler (Rhein-Hunsrück-Kreis) bekam. Diese Sorte ist winterfest. Während andere Mangoldarten bei Minusgraden erfrieren, können Gärtner diese Sorte bis ins Frühjahr ernten. Traditionellerweise wird diese Sorte an Gründonnerstag zum letzten Mal geerntet.

Anfangs sei er ein Einzelkämpfer gewesen und wurde für sein Engagement belächelt. Inzwischen sind Begriffe wie Artenvielfalt und Biodiversität positiv besetzt. Und Sonnemann wird nicht mehr belächelt, sondern ist ein gefragter Gesprächspartner. Erst kürzlich war er bei einem Symposium zum Thema Kulturpflanzenvielfalt. Und während er lange von der Hand in den Mund lebte, hat er in der Zwischenzeit nach eigenen Angaben inzwischen durchaus sein Auskommen.

Dann kommt die Straße Leben mit der Natur, das war das Ziel Sonnemanns. Lange konnte der Rheinländer nach seinen eigenen Vorstellungen leben. Doch dann nimmt die autobahnähnliche Bundesstraße, deren planerische Ursprünge in den 1970er Jahren liegen, langsam Formen an. Ende des Jahres 2000 sind die Pläne fertig. Gemeinden, Naturschutzverbände und Privatleute selbst klagen, darunter auch Friedmunt Sonnemann. Er zieht vors Bundesverfassungsgericht. Der Biobauer fürchtet den Schadstoffeintrag von den Autoabgasen. Seine Sorge galt und gilt auch Schwermetallen im Boden, die aus seiner Sicht durch die Bauarbeiten  freigesetzt werden können. Der Kampf ist letztlich vergeblich. 2008 besteht Baurecht. Ein Jahr später beginnen beginnen die Bauarbeiten zwischen Platten und Longkamp. Bis heute ist Sonnemann davon überzeugt, dass der Hang ins Rutschen kommt – „irgendwann“. Denn schon früh gab es Zweifel an der Stabilität des Eifelhangs. Immerhin hat das Bauwerk auf der Eifelseite nachträglich Anker erhalten, die tief in den Berg hineinragen.

Der Weg zur Königsfarm. Foto: Ilse Rosenschild
Der Saatgutvermehrer lebt in einem der beiden Lehmhäuser auf dem Areal der Königsfarm. Foto: Ilse Rosenschild

Und jetzt? An diesem Donnerstag, 21. November, wird  der Streckenabschnitt inklusive der Hochmoselbrücke eröffnet. Ein Datum, dem Sonnemann mit Skepsis gegenüber steht. „Ich weiß nicht, wie es wird, wenn hier die Autos fahren“, sagt er selbst und blickt in die Höhe Richtung B 50 neu, die er von seiner Farm aus allerdings nicht sehen kann. Jedenfalls, sagt er, werde es „sehr unvorteilhaft“. Was wird Sonnemann tun? „Ich bleibe hier“, sagt er. Und: „Ich kann meine Farm nicht auf den Rücken packen und weggehen.“ Er sei jetzt 53 Jahre alt. 25 Jahre lang habe er die Farm aufgebaut. Wenn er das anderswo noch einmal machen würde, sei er 78. „Es macht keinen Sinn, gegen Windmühlen zu kämpfen.“