Losglück: Tanz mit einem Mädchen oder einem Hexenbesen

Losglück: Tanz mit einem Mädchen oder einem Hexenbesen

Mit dem Schöffenfest lässt die Dorfjugend in Kinheim einen alten Brauch wieder aufleben. Dabei sind am kommenden Samstag, 16. Januar, um 20 Uhr in der Sucellushalle alle Unverheirateten des Dorfes zu einem Tanzabend eingeladen, bei dem das Los die Tanzpaare zusammenwürfelt.

Kinheim. (zad) Wer von den Junggesellen in Kinheim am Samstagabend beim Schöffenfest ein Mädchen auf die Tanzfläche geleiten darf - dem war das Losglück hold. Diejenigen, die eine Niete ziehen, müssen mit einem Besen tanzen.

Nach 2004 hat die Dorfjugend in Kinheim den alten Brauch des Schöffenfestes wieder Leben eingehaucht und bittet alle Unverheirateten ab 16 Jahren zum Tanz. Hintergrund des Tanzfestes ist eine alte Tradition, die 1979 jedoch eingeschlafen war.

In früheren Jahren war es Brauch, nach den Wahlen des Ortsgemeinderates den gewählten Schöffen (siehe Extra) einen Schöffenbaum zu überreichen - eine geschmückte Tanne. Anschließend versammelte sich das Dorf zum Tanz. Dabei spendeten die Schöffen den Wein für den Abend, an dem ledigen Mädchen unverheiratete Burschen des Ortes als Tanzpartner zugelost wurden. Wer dabei leer ausging, musste mit einem Hexenbesen vorlieb nehmen. Denn meist standen den Junggesellen nicht ebenso viele Tanzpartnerinnen zur Verfügung, sodass das Los über Maid oder Besen entschied. "Wer dabei eine Niete zieht, der bekommt einen Hexenbesen, mit dem er tanzen muss", sagt Stefan Jakoby, von der Dorfjugend Kinheim, die das Schöffenfest organisiert. Heute sponsern Ortsgemeinderat und die Beigeordneten das Fest - ganz im Sinne des Schöffenfest-Brauchs.

Nach alter Sitte lud das Mädchen den Tanzpartner nach Hause zum Essen ein. "Das haben wir ein wenig modernisiert", meint Jakoby, "das machen wir heute gemeinsam. Da gehen wir gemeinsam Essen - mit Mädchen und Besen."

Das Schöffenfest sorgte ehemals in den tristen Wintermonaten für Abwechslung und hatte auch ein wenig etwas von einer Partnerbörse. Nur eine nette Gaudi? Vielleicht findet sich doch das eine oder andere Pärchen für eine gemeinsame Zukunft. Extra Schöffen sind Laienrichter, die als Urteilsfinder dem Richter zur Seite stehen. Sie beurteilen das Strafmaß. Heute sind sie noch in den sogenannten Schöffengerichten vertreten. In früheren Zeiten bekleideten die Schöffen in Städten und Ortsgemeinderäten die Ämter der heutigen Beigeordneten. (zad)

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