Luis und Lexa erhalten auf dem "Lebenshof" ihr Gnadenbrot

Der Hof Hild am Ortsausgang von Irmenach ist kein gewöhnlicher Bauernhof. Zwar gibt dort auch Schweine, Kühe und Gänse - doch sie werden nicht geschlachtet. Auf dem "Lebenshof" dürfen die Tiere so lange leben, bis sie eines natürlichen Todes sterben. Vor wenigen Tagen hat der Hof zwei Ponys aufgenommen, die offenbar für Tierversuche benutzt werden sollten.

 Vor Tierversuchen gerettet: Die beiden Shetland-Ponys Luis und Lexa wurden am Dienstag nach Irmenach gebracht. Christiane Baumgartl-Simons vom Bundesverband „Menschen für Tierrechte“ (links) und Ruth Wirtz vom Hof Hild in Irmenach nahmen die Tiere in ihre Obhut. TV-Foto: Winfried Simon

Vor Tierversuchen gerettet: Die beiden Shetland-Ponys Luis und Lexa wurden am Dienstag nach Irmenach gebracht. Christiane Baumgartl-Simons vom Bundesverband „Menschen für Tierrechte“ (links) und Ruth Wirtz vom Hof Hild in Irmenach nahmen die Tiere in ihre Obhut. TV-Foto: Winfried Simon

Irmenach. (sim) Das wenige Wochen alte Schweinchen Betty freut sich seines Lebens. Und dieses Leben wird voraussichtlich noch lange andauern. Normalerweise würde es, wenn es sechs Monate alt ist, zur Schlachtbank geführt und zu Steaks, Wurst und Braten "verarbeitet". Wenn es Glück hat, wird es auf dem Hof Hild vielleicht zehn Jahre alt, denn so alt kann ein Hausschwein etwa werden. Seine Artgenossen Willy, Jakob und Lisa haben bereits vier Jahre auf dem Buckel, und sie erfreuen sich bester Gesundheit.

Am Dienstag erhielt der Lebenshof Zuwachs. Der Bundesverband "Menschen für Tierrechte" hat die beiden Shetlandponys Luis und Lexa aus dem Friedrich-Löffler-Institut in Jena freibekommen und nach Irmenach transportiert. Laut Christiane Baumgartl-Simons, die den Transport begleitete, sollten die Ponys zu Versuchszwecken mit Erregern der "Beschälseuche" infiziert werden. Baumgartl-Simons: "Solche Versuche haben keinen konkreten Nutzen für die Pferde in Deutschland. Für diese jungen und kerngesunden Ponys hätte am Ende der Versuche der Tod gestanden." Der Verband fordert, dass gesunde Tiere nicht mit dem Erreger infiziert werden dürfen. Wenn überhaupt an Pferden geforscht werde, so könne dies ausschließlich an bereits erkrankten und nicht an künstlich infizierten Tieren geschehen. Ruth Wirtz, die zusammen mit ihrem Lebensgefährten Peter Hild den Hof führt, ist der gleichen Meinung. Sie sagt: "Tiere sind leidensfähige Geschöpfe, die man nicht benutzen darf - weder für die Ernährung noch für die Herstellung von Kleidung oder gar für Tierversuche." Die 47-Jährige ernährt sich seit ihrem 18. Lebensjahr vegetarisch. Seit einem Jahr ist sie gar "Veganerin", das heißt, sie verzichtet auch auf Eier, Milch und aus Leder hergestellte Kleidung. Auf ihrem Hof leben derzeit fünf Schweine, fünf Kühe, vier Pferde, sieben Hasen, zwei Gänse, eine Katze und 15 Hunde.

Ruth Wirtz kam vor sieben Jahren erstmals nach Irmenach. Mitgebracht hatte die gebürtige Aachenerin das Kälbchen "Lena", das geschlachtet werden sollte. Seit viereinhalb Jahren lebt sie nun mit Peter Hild, der sein Geld als Autoverkäufer verdient, auf dem Hof. Sie ist im Verein "free animal" aktiv, der sich zum Ziel gesetzt hat, die wirtschaftliche Existenz von Lebenshöfen über Patenschaften zu sichern. Dabei stehe, so Rutz Wirtz, der Gedanke im Mittelpunkt, vom Menschen verfolgte Tiere aufzunehmen, zu beschützen und ihnen bis an ihr natürliches Lebensende das "Gnadenbrot” zu geben.