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Lustig, lecker und herrlich improvisiert

Lustig, lecker und herrlich improvisiert

Das ehemalige Franziskanerinnenkloster im Brauneberger Ortsteil Filzen hat Mundart-Freunden erneut eine stimmungsvolle Kulisse geboten. Die seit 1988 dort stattfindenden geselligen Weinproben sind dauerausverkauft.

Brauneberg. Ein gedrucktes Programm gibt es nicht, dafür aber ein jährliches Motto wie nun "Me hät dauernd Balaver" (Dauernd gibt es Ärger). Moderator Christoph Licht fiel dazu die Geschichte vom Nachtwächter ein, der einst pfeifend durchs Dorf zog, bis der Branntwein ihn die Uhrzeit vergessen ließ. Der Ärger des damaligen Bürgermeisters über den "spektakelnden" Mann, ist verbrieft.
Ebenso wie die Beschwerde des Pfarrers, der über Filzener Katholiken schimpfte, die ihren "katholischen Glauben verraten und protestantisch geheiratet haben". Zum Besten gab sie Udo Schiffmann, evangelischer Ortsbürgermeister von Brauneberg. Mit Licht verbinden ihn die humoristische Ader und das Interesse an der Dorfgeschichte. Urgestein Paul Mentges, Experte für "de Kopp" samt Haaren, riskierte mutig Ärger mit Frauen, als er behauptete, die schönsten seien die auf alten Fotografien.
Das drei Generationen repräsentierende Trio spielte sich locker die Bälle zu bei der abwechslungsreichen Mundart-Weinprobe (siehe Extra) im früheren Filzener Kloster. "Unser Programm ist, dass wir keines haben", lobt Schiffmann Christoph Licht, der das super meistere.
Besucher können immer auf einen langen, sehr lustigen und leckeren Abend vertrauen. Zu heimischen Weinen, eingeschenkt von jungen Leuten, gab es Leckerbissen des für seine geschmacksverstärkerfreie Wurst bekannten örtlichen Metzgers. Besucher aus Graach und der Schäferei sind seit 14 Jahren dabei: "Das ist ein Muss", sagte Roswitha Miesen. Alles sei gut, Wein, Essen und Vorträge, stimmte Ehemann Edwin zu. Ute und Herbert Gessinger lieben die Geselligkeit und Friedhelm und Gisela Schuler, dass sie immer "herzlich aufgenommen" werden - und Redner wie Mentges: "Wenn er mal nicht mehr dabei ist, wird etwas fehlen." urs
Extra

In der zweiten Halbzeit hatten Frauen das Wort. Yvonne Treis las aus ihrem Buch "Kaffee zum Mitholen", eine Liebeserklärung an den moselfränkischen Dialekt und die Menschen, die ihn sprechen. Außerdem begeistertn seit Jahren Ursula Hacker aus Kleinich und die Braunebergerin Christiane Heiden. Zwischen den Vorträgen spielte das Wintricher Mundart-Quartett "Spontis" auf. Schifferklavierspieler Hans-Otto Linden und die Gitarristen Daniel Gräff, Eduard und Martin Franzen fanden spontan zusammen. urs