Mädchen erobern Jugendzentrum

Junge Frauen haben spezielle Bedürfnisse für ihre Freizeitgestaltung. Das Haus der Jugend in Wittlich hat darauf reagiert. So gibt es zum Beispiel eine Disco, die nur Mädchen besuchen dürfen.

Wittlich. Steigende Besucherzahlen und eine steigende Mädchenquote meldet Hans Floter vom Haus der Jugend in Wittlich. Sein gerade vorgestellter Jahresbericht zeigt, dass im vergangenen Jahr 58 Jugendliche pro Tag ins Haus gekommen sind. 2010 waren es nur 49.
Zudem ist der Mädchenanteil im offenen Bereich von 25 Prozent im Jahr 2010 auf 31 Prozent im vergangenen Jahr gestiegen. Floter: "Überwiegend werden solche Einrichtungen von Jungs besucht. Ein Viertel Mädchenanteil gilt unter Sozialarbeitern schon als Erfolg. Wir liegen sogar höher."
Das bestätigt ein Vergleich mit anderen Einrichtungen in der Region: Im offenen Bereich im Bitburger Haus der Jugend liege die Mädchenquote bei geschätzten 20 Prozent, sagt Torsten Hauer, Sozialpädagoge und stellvertretender Leiter der Bitburger Einrichtung. Bei Ferienangeboten hingegen liege die Mädchenquote stellenweise bei 50 Prozent. In Bitburg sei die Teilnahme im offenen Bereich des Jugendzentrums rückläufig. Hauer erklärt das mit der Zunahme von Ganztagsschulen. Deshalb schließe der offene Bereich auch schon um 18 Uhr.
Ein Blick nach Trier: Hier liegt die Mädchenquote zum Beispiel im Jugendzentrum Exzellenzhaus deutlich unter den Wittlicher Zahlen. Der Leiter des Zentrums, Hilger Hoffmann, kann das erklären: "Wir liegen deutlich unter 25 Prozent. Das liegt auch daran, dass wir derzeit keine Frau beschäftigt haben. Wenn es spezielle Angebote für Mädchen gibt, dann kommen auch welche, vor allem wenn die Jugendarbeiterin selbst eine Frau ist."
In Wittlich ist tatsächlich eine Erzieherin angestellt, zu deren Schwerpunkt Mädchenarbeit gehört. Auch Hans Floter sieht darin eine Erklärung für den höheren Mädchenanteil. Seine Kollegin Sigrid Beek hat zum Beispiel auf Wunsch vieler türkischer Mädchen eine spezielle "Ladies Night" entwickelt. "Das ist ein Fest von Frauen für Frauen," erzählt Beek. "Da legt eine DJane Discomusik, aber auch türkische Tänze auf. Premiere war im vergangenen Jahr. Bei der letzten Ladies Night kamen 85 Mädchen, zum Teil aus Bullay und Cochem."
Neben der Ladies Night runden weitere Aktionen die Angebotspalette für Mädchen ab. Großen Zulauf habe ein Filzworkshop gehabt. Dabei konnten Handytaschen, Kleider, Hausschuhe oder Filzblumen gebastelt werden.
Das Haus der Jugend hatte im vergangenen Jahr ein breit gefächertes Angebot: Jugendliche können zum Beispiel Instrumente erlernen, in Theatergruppen mitspielen oder Rollenspiele machen. Neu sind der Polit-Talk "Wittlicher Gespräche" und "Elis Filmabend". Und mit dem "Tri-Ball-Kontest", bei dem Streetball, Fußball und Kicker gespielt werden, geht das Haus der Jugend in diesem Jahr erstmals in die neue Veranstaltungshalle Eventum. Termin ist der 20. April.50 Veranstaltungen

Extra

Neben dem Offenen Bereich, der montags bis freitags von 12 bis 20 Uhr geöffnet ist, hat das Haus der Jugend mit drei hauptamtlichen Mitarbeitern und ehrenamtlichen Helfern im vergangenen Jahr 50 Veranstaltungen geboten, vom Workshop Lichttechnik über Konzerte, Infoveranstaltungen, Theatertreffs bis hin zu Ferienfreizeiten. Diese Veranstaltungen werden auch 2013 fortgeführt. Besondere Höhepunkte in diesem Jahr werden der Poetry-Slam, der im Rahmen der Wittlicher Kulturtage stattfindet (19. April), das Benefizkonzert "HipHop gegen rechts" (21. Juni) und die Premiere des HipHop-Musicals "Rap-o-Nauten", für das die Theatergruppe seit mehreren Monaten probt. Der Etat des Hauses liegt seit 2004 bei etwa 200 000 Euro pro Jahr. Das Haus der Jugend befindet sich in der Trägerschaft des Arbeiterwohlfahrt-Bezirksverbands Rheinland. Kontakt: Haus der Jugend, Kurfürstenstraße 3, Wittlich, Telefon 06571/29160, Internet: www.hdj-wittlich.de

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