Männer schächten Schaf: Wittlicher Amtsgericht verhängt Geldstrafen

Justiz : Männer schächten Schaf: Amtsrichterin verhängt Geldstrafen

Wegen Diebstahls und Tierquälerei hat das Amtsgericht Wittlich zwei 24-Jährige zu Geldstrafen verurteilt. Sie hatten im Mai 2018 ein Schaf von einer Weide gestohlen, geschlachtet und es dann gegrillt.

Ein teurer Grillabend für die beiden Angeklagten – dies ist das Fazit am Ende des zweiten Verhandlungstages vor dem Wittlicher Amtsgericht. Wegen gemeinschaftlich begangenen Diebstahls und Vergehens nach dem Tierschutzgesetz werden die beiden zu deutlichen Geldstrafen verurteilt. Das Gericht sieht es als erwiesen an, dass die Männer im Mai 2018 auf einer Weide ein Jungschaf gestohlen, es geschächtet und in einem Schuppen zerlegt hatten. Danach diente die Beute zur Gestaltung eines Grillabends mit Freunden und Bekannten. Die Reste des Tieres seien am nächsten Tag in einen Müllsack gesteckt und in einen nahen Teich geworfen worden.

Allerdings wurde der blaue Plastiksack dort entdeckt und samt Inhalt der Polizei übergeben. Wichtige Requisiten des Dramas sind der Motorroller von A., mit dem die Beute transportiert worden sein soll und zwei Wollmützen, mit denen sich die Täter versucht hatten zu tarnen. Ein Mütze wurde in Tatortnähe gefunden, die andere bei den Überresten des Schafs.

Ursprünglich hatte der Prozess schon am ersten Tag (der TV berichtete) enden sollen, doch Verteidiger Kissel bestand auf der Vernehmung einer weiteren Zeugin, die sich im August noch im Urlaub befunden haben soll. Richterin Silke Köhler hatte deshalb am ersten Tag vorgeschlagen, ersatzweise das polizeiliche Vernehmungsprotokoll der Zeugin zu verlesen, doch das lehnte Verteidiger Kissel ab, denn „in dem Verfahren gibt es ständig Widersprüche zwischen den Zeugenaussagen hier und den früheren Vernehmungsprotokollen“. So wurde extra ein zweiter Sitzungstag angesetzt, allerdings war Zeugin erneut abwesend.

Der Angeklagte A. will von seiner Tante gehört haben, dass die Frau gar nicht im Urlaub sei, sondern im Ausland arbeite.

Also wird das Protokoll doch verlesen. Viel Neues gibt es aus dem Protokoll nicht: A. und L. hätten am fraglichen Abend erst von „Schaf klauen“ geredet, dann sei A. mit dem Roller weggewesen und mit der Information zurückgekommen: „Vier große und zwei junge Tiere auf der Weide.“ Dann seien beide mit dem Roller inklusive Wollmützen verschwunden.

Ein totes Schaf habe die Zeugin am Abend nicht gesehen. Allerdings habe sie mit anderen später die Plastiktüte aus dem Weiher geangelt und der Polizei übergeben.

Die Beweisaufnahme wird geschlossen. Staatsanwältin Laura Lorenz sieht alle Anklagepunkte nach der Beweisaufnahme als erwiesen an. Für den mehrfach vorbestraften A. beantragt sie acht Monate Haft, die auf Bewährung ausgesetzt werden könnten, und für L. eine Geld­strafe von 120 Tagessätzen.

Verteidiger Marco Kissel beantragt für seinen Mandanten L. Freispruch aus Mangel an Beweisen. Kissel: „Alle Zeugenaussagen in diesem Verfahren standen im Widerspruch zu deren Aussagen vor der Polizei.“ Und: „Die Angaben gehen doch alle durcheinander. Wer hat wen, wann und wo auf dem Roller gesehen? Wieso fanden sich keine DNA-Spuren an der einen Mütze?“

Dann das Urteil: Für A. gibt es 120 Tagessätze zu 30 Euro und für L. 60 Tagessätze zu 25 Euro. Erschwerend ins Gewicht fällt bei A. dessen beachtliches Bündel an vorangegangenen Jugendstrafen, während L. bisher noch keine Bekanntschaft mit der Justiz gemacht hatte.

Das Urteil ist rechtskräftig.

Mehr von Volksfreund