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Männer sind in der Politik (noch) unersetzlich

Männer sind in der Politik (noch) unersetzlich

Politik ist Männersache. Das gilt immer noch für den Kreis Bernkastel-Wittlich. Einige Politiker haben oder hatten ihre Ämter mehr als 20 Jahre inne. In diese Phalanx stieß nur Beate-Läsch-Weber so richtig vor. Derzeit ist allerdings keine Frau in Amt und Würden.

Bernkastel-Wittlich. Herbert Grönemeyer spricht es in seinem Lied "Männer" unmissverständlich aus: "Männer sind auf dieser Welt einfach unersetzlich." Viele Frauen werden dies anders sehen, und deshalb tobt der Geschlechterkampf auch noch im 21. Jahrhundert. Auf einem Feld dominieren die Herren der Schöpfung aber weiterhin: in der Politik. In ländlichen Regionen wie dem Kreis Bernkastel-Wittlich dürfte dies noch stärker der Fall sein als in einer Großstadt. Der Blick auf die Dauer der Amtszeiten der Landräte sowie der hauptamtlichen Amts- und Verbandsbürgermeister zeigt dies deutlich: Männer, wohin man auch schaut.
Den Vogel schießt Theo Breidbach ab. Er war vom 1. Oktober 1968 bis zum 28. Februar 1995 und damit mehr als 26 Jahre Bürgermeister der Verbandsgemeinde (VG) Kröv-Bausendorf. Er war ein Mann, der im Gegensatz zu manch anderen Politikern die Öffentlichkeit eher scheute. Im Archiv des TV findet sich nicht ein Bild von ihm. Gut, dass es eine Chronik gibt, die ein Foto beinhaltet.
Wer im Kröver Reich regiert, scheint sich wohlzufühlen. Breidbachs Nachfolger Otto Maria Bastgen ist auch schon 17 Jahre im Amt, schafft es aber noch nicht in die Liste der besten Zehn.

Auf Platz zwei der Rangliste folgt mit Helmut Gestrich jemand, der die Region besonders prägte und in dessen Amtszeit die Entwicklung des Kreises Bernkastel-Wittlich ihren Höhepunkte hatte. Damals waren im Gegensatz zu heute aber auch noch die Kassen gut gefüllt und manche Wohltat möglich.
Gestrich war vom 27. Juni 1969 bis zum 31. März 1993 der erste Landrat des Kreises Bernkastel-Wittlich. Vorher, vom 2. Juni 1966 bis zum 6. Juni 1969, stand er dem Kreis Bernkastel vor, der dann im Zuge der damaligen Kommunalreform aufgelöst wurde und mit dem Kreis Wittlich zum Landkreis verschmolz.

Platz drei geht an Johannes Everz. Er war 25 Jahre, vom 1. April 1956 bis zum 30. April 1981 Amtsbürgermeister beziehungsweise Bürgermeister der Verbandsgemeinde Neumagen-Dhron.

Dahinter folgt mit Hans-Dieter Dellwo der erste Verwaltungschef in dieser Reihe, der noch im Amt ist. Am 23. Juni 1989 trat er das Amt des Bürgermeisters der Verbandsgemeinde Thalfang an. Gewählt ist er noch bis 2015. Anfang dieser Woche hat er allerdings aus gesundheitlichen Gründen seinen Rückzug zum 1. März 2013 angekündigt (der TV berichtete).

Ähnlich lange, von 1948 bis Ende April 1971, war Peter Boeck im Amt. Zuerst als Bürgermeister des Amtes Lieser, dann noch kurz als "gesetzlich Beauftragter" für die Fusion der Ämter Bernkastel-Land und Lieser. Da fühlt man sich unweigerlich an die derzeit laufenden Diskussionen um die Kommunalreform erinnert.

Mit der musste sich in den vergangenen Monaten Christoph Holkenbrink rumschlagen. Seit dem 1. Oktober 1991 führt er die Verbandsgemeinde Wittlich-Land. Die Fusion seiner großen VG mit der kleinen VG Manderscheid scheiterte überraschend kurz vor Fristablauf am Veto aus Manderscheid. Da schob auch der erfahrene und eher introvertierte Politiker viel Frust (der TV berichtete).

Ob Johannes Hieronymus in ähnlichen Situationen war, ist nicht überliefert. Er war vom 20. Mai 1948 bis zum 7. Juni 1969 als Landrat des Kreises Wittlich in Amt und Würden und dürfte nur noch den Älteren bekannt sein.
Zwei Jahrzehnte standen drei Männer an der Spitze von Kommunen: Karl Becker von 1971 bis 1991 in Wittlich-Land, Ferdinand Zenzen von 1981 bis 2001 in Neumagen-Dhron und ErwinLieser von 1977 bis 1997 in Morbach.
Auch danach geht es erst einmal mit Männern weiter. Deshalb, und das ist kein Aprilscherz, ist der 1. April 1993 für den Kreis Bernkastel-Wittlich ein historischer Tag.

Mit Landrätin Beate Läsch-Weber zog erstmals eine Frau an die Spitze einer Verwaltung. Argwöhnisch beäugt von vielen Männern, vielleicht sogar von manchen Frauen. Ein neuer Stil fand Einzug. Läsch-Weber konnte gut mit den Leuten. Sie wäre wahrscheinlich bis zum Pensionsalter Landrätin geblieben. Doch da sie noch etwas Neues erleben wollte, zog es sie im Frühjahr 2011 an die bis dahin von Männern regierte Spitze des Sparkassenverbandes Rheinland-Pfalz.
Frauen machen sich also weiterhin rar. Ein kurzes Intermezzo gab Christiane Horsch, die Ende April 2007 im Triumphzug in das Verwaltungsgebäude der VG Neumagen-Dhron einzog. Doch das Ende ihres Amtes war durch die drohende Kommunalreform programmiert. Schließlich gehörte Neumagen-Dhron mit vier Orten zu den kleinsten Verbandsgemeinden in Rheinland. Folglich gingen Bestrebungen für eine Fusion von ihr aus. Mit dem Hintergedanken in der Freiwilligkeitsphase möglichst viel herauszuschlagen. Christiane Horsch selbst blieb auch nicht auf der Strecke. Sie ist Bürgermeisterin der VG Schweich. Viele Männer und nur zwei Frauen: Männer scheinen in der Politik doch noch unersetzlich zu sein.