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Männerchor Wittlich gibt sein letztes Konzert und löst sich auf

Musik : Der Schlussakkord wird angestimmt

Ende des Jahres ist Schluss: Der Männerchor Wittlich gibt auf. 1995 aus dem Männerquartett 06 und dem Männergesangverein 1952 entstanden, gibt der Chor am Sonntag sein letztes Konzert in der Synagoge.

Die Probe des Männerchors Wittlich ist an diesem Mittwoch gut besucht. Chorleiter Reinhold Schneck steht, wie in den vergangenen 42 Jahren am Klavier und gibt die Einsätze. Bis auf Kleinigkeiten ist er zufrieden mit seinen 28 Sängern, von denen die Hälfte 80 Jahre und älter sind. Das Alter hört man ihnen aber nicht an, ihr Gesang hat immer noch einen vollen Klang, es sind sehr gute Stimmen darunter und die Töne und Akzente sind an den richtigen Stellen.

Dennoch haben sich die Herren entschlossen aufzuhören. Reinhold Schneck: „Es hat alles seine Zeit, es ist der Lauf der Dinge“. Die Männer sind miteinander älter geworden, Bindungen und Freundschaften sind entstanden, deshalb fällt es allen nicht leicht, dass die gemeinsamen Chorproben und Auftritte bald ein Ende haben werden.

Paul Schulz, erster Vorsitzender erklärt: „Ich war 35 Jahre Vorsitzender, erst im Männerquartett 06, dann im Männerchor Wittlich und es ist für mich schon schwer, den Verein aufzulösen. Mir wird das fehlen.“

Für das Ende des Vereins gibt es verschiedene Gründe, zum einen die Altersstruktur, zum anderen hört der Chorleiter auf, weil er in Altersteilzeit geht und es fehlt an Geld. „Unsere finanzielle Substanz ist zum Ende des Jahres aufgebraucht. Wir können dann nicht mehr weitermachen, denn wir könnten einen neuen Chorleiter nicht bezahlen und auch keine Literatur“, sagt Hermann-Josef  Wagner. Eine wichtige Einnahmequelle war über Jahrzehnte der Stand an der Säubrennerkirmes, den sie bis vor fünf Jahren hatten. „Wir konnten die Dienste nicht mehr stellen,“ sagt Theo Ostermeier, aktiver Sänger. „Es wäre auch eine Neustrukturierung notwendig, im Vorstand und in der musikalischen Leitung, das können wir nicht mehr stemmen“, so Hermann-Josef Wagner, aktiver Sänger. In den vergangenen Jahrzehnten gab es im Verein viel Kontinuität. Wenn auch der Nachwuchs nicht so kam, wie man es sich gewünscht hätte, hat sich die Energie für die Musik gesteigert. Das bestätigt der Chorleiter: „Es war immer eine tolle Sache, die Proben zu leiten, denn die Männer waren immer mit Einsatz und Konzentration bei der Sache.“

Paul Schulz ergänzt: „Bei der vergangenen Jahreshauptversammlung haben wir darüber gesprochen, ob wir uns noch ein Konzert zutrauen, und die Chormitglieder waren sich schnell einig, dass es eins geben soll, „denn sonst haben wir doch kein Ziel“, haben sie gesagt. Die Konzerte, die der Männerchor veranstaltet hat, kamen immer gut an. „Wir hatten in der Synagoge immer volles Haus mit über 200 Besuchern“, sagt der erste Vorsitzende und ergänzt: „sogar in dem Jahr, als unser Konzert zeitgleich mit einem des Sängers Heino war.“ Bei der Programmauswahl, bei der Vereinsvorstand und Chorleiter zusammengearbeitet haben, wurde immer auf Abwechslung und Originalität geachtet. Die Konzerte standen beispielsweise unter dem Motto „Chanson d`amour“, „Männer mag man eben“ oder „700 Jahre Chorgeschichte“, im Jahr als Wittlich 700 Jahre Stadtrechte feierte. Gäste, wie ein Celloquartett, sechs Hände am Klavier oder Instrumentalisten haben sie sich dazu eingeladen. Gesungen hat der Chor Volkslieder, Operetten oder Kantaten. An „Oh, wie schön ist deine Welt“  von Schubert erinnert sich Theo Ostermeier sehr gern, und Paul Schulz mochte Mozart und Volkslieder besonders. Jetzt beim letzten Konzert unter dem Motto „Schlussakkord“, wird noch einmal ein Querschnitt aus Volksliedern, Evergreens und Musicals aus dem Repertoire zu hören sein.

Das letzte Konzert des Männerchors Wittlich findet am Sonntag, 28. April, um 17 Uhr in der Synagoge Wittlich statt. Chorleiter ist Reinhold Schneck, Gäste sind Christopher Schmitt am Klavier und Ingrid Wagner (Gesang). Karten gibt es im alten Rathaus für zehn Euro.