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Märchen und knallharte Analysen - Winzer werden ist gar nicht so einfach

FOTO: Christina Bents (chb) ("TV-Upload Bents"
Bernkastel-Kues. Ein Fass nachfüllen, Bodenproben analysieren und einen Kundenbrief schreiben. Im Berufswettbewerb der Winzer-Auszubildenden gilt es ganz unterschiedliche Aufgaben zu bewältigen. Christina Bents

Angestrengt sitzt eine Gruppe von Schülern über einem Arbeitsblatt. Sie bearbeiten gerade den Teil "Allgemeinbildung" beim Berufswettbewerb der Winzer-Auszubildenden und sollen verschiedene Sätze einem Märchen zuordnen. Da wird beispielsweise gefragt: Handwerker tötet Fliegen? Die korrekte Antwort ist hier "Das tapfere Schneiderlein". Dazu kommen Fragen zu Mathematik, Geschichte, Geografie und Chemie. In einem weiteren Teil wird berufsspezifisches Wissen abgefragt.

Die Weinanbaugebiete, die gesetzlichen Voraussetzungen zur Kennzeichnung eines Weines, oder die Beschreibung von fünf regelmäßig anfallenden Wartungs- und Pflegemaßnahmen an einem Arbeitsgerät. Doch die 42 angehenden Winzer und vier Weintechnologen, so lautet die Berufsbezeichnung für die früheren Weinküfer seit zwei Jahren, sollten auch in der Praxis zeigen was sie können. So mussten sie eine Präsentation über ihren Beruf erstellen, einen Kundenbrief schreiben und ihre Fertigkeiten bei alltäglichen Arbeiten belegen. Bodenproben wurden analysiert, beispielsweise auf ihren Nährstoffgehalt hin, die Sensorik getestet, eine Probe aus einem Fass für eine Analyse vorbereitet. Außerdem sollte ein Fass sollte spundvoll nachgefüllt werden.

Rotraud Weber, Geschäftsführerin der Landjugend Rheinland-Nassau erklärt: "Das Fass nachfüllen ist so einfach gar nicht. Man braucht den richtigen Schlauch, muss mit der Pumpe umgehen können. Heute ist hier schon der ein oder andere geduscht worden, bei dem es nicht so ganz geklappt hat", berichtet sie lächelnd. Insgesamt ist Eric Lentes, stellvertretender Schulleiter der Berufsbildenden Schule Weinbau in Bernkastel-Kues mit dem Niveau der Veranstaltung zufrieden, enttäuscht ist er aber von der Teilnehmerzahl. Er sagt: "Es sind jetzt 46 Teilnehmer hier, ich hätte aber mit 90 gerechnet. Das ist sehr schade." Weiter führt er an: "Vielleicht sind einige von ihren Betrieben nicht freigestellt worden oder haben die Chance, sich hier außerhalb der Prüfungen ausprobieren zu können, nicht gesehen."

Dem stimmt auch Rotraud Weber zu, die dazu folgende Meinung vertritt: "Die Schüler haben hier die Möglichkeit ihren Leistungsstand zu sehen, bekommen Rückmeldung von unseren Fachleuten und können vor allem über den Tellerrand hinaus schauen, indem sie sich mit anderen über ihren Beruf austauschen." Neben den Teilnehmern waren Fachlehrer der Weinbauschule dabei und 20 ehrenamtliche Winzermeister oder Personen aus der Landjugend, die für einen reibungslosen Ablauf der Veranstaltung gesorgt haben.

Den ersten Platz belegte Lukas Bollig aus Neumagen-Dhron, der im Weingut Sektgut Laurentius in Leiwen lernt. Den zweiten Platz hat Nico Zens aus Palzem, dessen Ausbildungsbetrieb die Domäne Viticole Kohll-Leyck in Ehnen in Luxemburg ist, erreicht. Der dritte Platz geht an Barbara Steffes aus Ayl. Ihr Ausbildungsbetrieb ist ebenfalls in Luxemburg, in der Domaine Viticole Krier-Bisenius in Bech-Kleinmacher. Alle drei können sich über einen Buchpreis und ein Refraktometer freuen. Lukas Bollig bekommt zudem einen Gutschein der Raiffeisenwarenzentrale im Wert von 250 Euro.
Die ersten beiden werden im Juni beim Bundesentscheid in Güstrow (Mecklenburg-Vorpommern) auf andere angehende Winzer treffen.

 Angehende Winzer auf dem Prüfstand: Benedikt Römer bei einer der praktischen Aufgaben des Wettbewerbs. Ihm schaut Karl-Josef Thul über die Schulter. Michael Metzger bei der Sensorikprüfung. Foto: privat
Angehende Winzer auf dem Prüfstand: Benedikt Römer bei einer der praktischen Aufgaben des Wettbewerbs. Ihm schaut Karl-Josef Thul über die Schulter. Michael Metzger bei der Sensorikprüfung. Foto: privat FOTO: Christina Bents (chb) ("TV-Upload Bents"