Maibowle und kurze Hosen

ENKIRCH. Strahlender Sonnenschein und kostenloser Wein bescherten dem Enkircher Jubiläums-Karnevalsumzug einen regen Besucherstrom. An die 2000 Menschen waren zu dem närrischen Treiben gekommen.

Das Wetter meinte es gut mit den Enkirchern. Bei sommerlichen Temperaturen säumten an die 2000 Menschen die Straßen, als sich der Jubiläumsumzug der Karnevalsgesellschaft 1884 Enkirch am Pfingstsonntag in Bewegung setzte. Fliegende Teppiche und die Blumentopfmännchen der so genannten "Debbe-Grupp" machten sich auf den Weg durch den Zauberwald. Dahinter zogen zwischen Ägyptern, Ritterburg und Piratenschiff die LKW-Maut und die Dschungel-Show die Blicke auf sich. Neben närrischen Gleichgesinnten von der Mosel hatte das ungewöhnliche Sommervergnügen Fastnachtsfreunde aus Eifel und Hunsrück sowie aus befreundeten Ferienregionen in die engen Gassen des malerischen Ortes gelockt. Aus Köln war beispielsweise die "Nippeser Bürgerwehr" zum 120. Geburtstag der moselländischen Jecken angereist. Und von der Bergstraße der Musikzug Heppenheim, der sich mit schwungvollen Rhythmen und gekonnten Aufmarschformationen den Jubel der Zuschauer sicherte.Wein für die Zaungäste

Die voran gegangene Wartezeit hatte dem närrischen Volk, das sich vor allem in der Ortsmitte sowie am Zielpunkt des Umzugs drängte, der ausgeschenkte Wein versüßt. Den gab es kostenlos beim Kauf eines Motivglases. Während des dreistündigen Treibens konnten sich die Zaungäste darüber hinaus an weiteren Getränken wie etwa der Maibowle erfrischen. Mit einem ordentlichen Helau taten sich viele Karnevalisten - sowohl auf Seiten der 750 Teilnehmer wie der Zuschauer - dann doch etwas schwer. Angesichts einer leicht bekleideten Narrenschar wie den römischen Neuerburgern oder den Herren der KG Briedel, die in kurzen Hosen vorbei defilierten, scheint dies, bei klirrenden Temperaturen leichter über die Lippen zu kommen. Was der Stimmung jedoch keinen Abbruch tat. Eine Gruppe Urlauber hatte zum Beispiel auf dem hoch oben auf einer Mauer gesicherten Sitzplatz ihren Spaß. "Das lässt sich nicht steigern", meinten Lars und Wolfgang zu dem Umzug. Dabei waren die Gäste aus Celle vollkommen unerwartet in diesen Genuss gekommen. Denn ihren Pfingsturlaub verbringen sie schon seit 15 Jahren in Enkirch, wo sie im Herbst auch immer zum Höfefest vorbei schauen. Ein bisschen wie zu Hause durfte sich dagegen Alois Six fühlen. "Juut is dat - das ist mal was anderes", begrüßte der gebürtige Kölner, den der Beruf in den Hunsrück verschlagen hat, die Idee des Sommer-Umzugs."Ein bisschen ungewöhnlich"

In den engen Gassen von Enkirch würde sich ein solcher Umzug ja geradezu anzubieten, meinte Six, der sich freute, dass so viele Aktive zusammen gekommen waren. Das sah Gattin Marlene nicht anders. Außerdem mundete ihr der gereichte Wein bestens, wie sie versicherte: "Super, sehr gut." Neben ihr gestand Heinz Wahlke aber dennoch ein, dass er den Karnevalsumzug etwas "überraschend" fände. "Es ist ein bisschen ungewöhnlich, dass er im Sommer ist", meinte er, wandte sich danach aber rasch wieder der nächsten Fußgruppe zu.

Mehr von Volksfreund