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Mais schmeckt Säuen und schreckt Pächter

Mais schmeckt Säuen und schreckt Pächter

Es wird immer schwieriger, Jagdreviere zu verpachten. Grund dafür sind oft ausgedehnte Maisfelder für Biogas-Anlagen. Die Felder dienen als Unterschlupf und Fressplatz. Verwüsten Wildschweine die Mais-Anpflanzungen, müssen die Jagdpächter hohe Summen als Schadensersatz zahlen.

Wittlich. (har) Jäger haben nahezu die freie Auswahl: 614 Hektar rund um Karl, 423 Hektar rund um Olkenbach, 431 Hektar rund um Morbach-Wederath oder 907 Hektar rund um Kinheim. Für diese und weitere Reviere im Landkreis Bernkastel-Wittlich werden Pächter gesucht. Für Kreisjagdmeister Günter Vanck belegt die wachsende Zahl nicht verpachteter Revieren einen Trend. Lieber nach Polen fliegen als Schadenersatz zahlen

Die bisherigen Revierinhaber sind oft nicht mehr bereit, sich unter den bisherigen Konditionen weiter zu binden. Mit ein Grund dafür sei der Maisanbau. Diese Pflanze wird oft zur Energiegewinnung in Biogas-Anlagen genutzt. Deshalb ist die Anbaufläche für Mais drastisch angestiegen (der TV berichtete). "Die Wildschweine sitzen in den großen Feldern und sind da nicht aufzuspüren", sagt Vanck. Wenn die Schwarzkittel dann auch noch richtig die "Sau rauslassen", wird es teuer. Bis zu 1600 Euro pro Hektar muss der Jagdpächter an den Landwirt zahlen, wenn die Tiere ein Feld verwüstet haben. "Dazu haben viele Pächter keine Lust mehr", sagt Vanck. Da sei es einfacher, sich für weniger Geld ins Flugzeug zu setzen und in Polen auf die Jagd zu gehen. Bürgermeister Gregor Eibes weiß als Morbacher Jagdvorstand mit insgesamt 17 Jagdbögen, dass die Suche nach Jagdpächtern immer schwieriger wird. "Vermutlich werden die Pachtpreise in den kommenden Jahren sinken", sagt Eibes. Und damit eben die Geldmittel, die in die Wegeunterhaltung innerhalb der Reviere investiert werden.Für den Bürgermeister ist der Mais ebenfalls der Grund für die Misere. Er berichtet von Bestrebungen für ein Sonder-Kündigungsrecht bei zu großen Schäden und dem Vorschlag, Mais als Sonderkultur zu behandeln. In diesem Fall müsste kein Schadenersatz mehr gezahlt werden.Von der Sonderbehandlung bei Mais hält Manfred Zelder, Vorsitzender des Bernkastel-Wittlicher Bauern- und Winzerverbands, nichts. Mais sei ein landwirtschaftliches Erzeugnis wie alle anderen auch. Er sieht zudem die Jäger in der Pflicht, den Bestand an Wildschweinen auf ein bis zwei auf 100 Hektar Wald zu verringern.Landesjagdverband fordert mehr Entgegenkommen

Für den Landesjagdverband fordert hingegen der stellvertretende Kreisvorsitzende Edmund Monzel mehr Entgegenkommen der Landwirte ein. Schussbahnen in großen Maisfeldern seinen beispielsweise vonnöten. "Wir müssen wieder die Jäger in der Region stärker mobilisieren", sagt Monzel. Dies gelinge jedoch nur mit niedrigeren Pachtpreisen. Meinung Landbesitzer sind die Verlierer Als Nicht-Landwirt und Nicht-Jäger könnte man sich beruhigt zurücklehnen, wenn Jagden beispielsweise wegen zuviel Mais im Revier unverpachtet bleiben. Man sollte sich jedoch nicht zurücklehnen. Die Jagdpacht ist in vielen Orten eine wichtige Einnahmequelle für die Gemeinde. Der finanzielle Spielraum für Investitionen wird ohne Jagdpacht dann gegen Nnull tendieren. Auch wird es der Normalbürger merken, dass die Säue bis in den heimischen Garten kommen, wenn der Wildbestand nicht konsequent bejagt und dezimiert wird. Die Hauptverlierer der sich andeutenden Entwicklung werden die Landwirte sein. Wenn keine Jagdpächter mehr da sind, wird die Jagdgenossenschaft für Schäden auf den Feldern zahlen können. Zudem werden die Landbesitzer für die Unterhaltung der Wirtschaftswege zahlen müssen. Angesichts dieser Aussichten sind die Landwirte gefordert. Sie könnten die Misere leicht lösen, indem sie den Mais-Anbau zurückfahren würden. Ohne Mais die Biogas-Anlagen wirtschaftlich zu betreiben, dürfte sich aber als sehr anspruchsvolle Aufgabe erweisen. h.jansen@volksfreund.de