Mal zu kalt und mal zu heiß

TRABEN-TRARBACH/BERNKASTEL-KUES. Grau, nass und kalt: Noch im Frühjahr zitterten Hoteliers und Gastronomen zum Start der Tourismussaison an der Mosel ob der trüben Aussichten. Doch der furiose Sommereinbruch vor zwei Monaten hat die Wende gebracht. Zeit, eine erste Bilanz für diese Saison zu ziehen. Der TV hat die Touristiker der Region befragt.

Achim Nehrenberg, Chef des Verkehrsamts in Traben-Trarbach , ist viel unterwegs. Er besucht jede Woche mehrere Hotels und Restaurants. "Ich bin ja erst vier Wochen im Amt, da will ich mich bei den Betrieben vorstellen und diese in Augenschein nehmen", erklärt Nehrenberg. Und was der Tourismusmanager vor Ort zu hören bekommt, gefällt ihm: "Auch wenn ich keine Zahlen habe, bekomme ich bei den Gesprächen den Eindruck, dass es sowohl bei den Buchungen als auch Vorabreservierungen in meinem Bereich wirklich sehr gut aussieht", freut sich Nehrenberg. Dass ihm Hoteliers berichten, auch wieder mehr junge Gäste an der Mosel zu begrüßen, überrascht ihn. "Das läuft erfreulicherweise gegen den bisherigen Trend", so Nehrenberg. Erstaunlich sei auch, dass sich bereits eine deutliche Belebung des ansonsten mauen Novembergeschäfts abzeichne und die Zahl der Langzeitaufenthalte zuzunehmen scheine. "Die Hoteliers haben ihre Hausaufgaben gemacht und sich auf die Ansprüche der Gäste besser eingestellt. Wir sind im europäischen Vergleich - auch was die Preise angeht - wieder konkurrenzfähig", erklärt sich Nehrenberg das positive Stimmungsbild. Etliche Kilometer moselaufwärts in Neumagen-Dhron ergibt sich ein völlig anderes Bild: "Bei uns ist es ziemlich eindeutig: Der Trend zu kurzfristigen Aufenthalten - in erster Linie im Rahmen von Radtouren und Tagesausflügen - setzt sich fort", sagt Claus Dürrmann von der Tourist-information in Neumagen-DHRON . Der tolle Sommer und die WM hätten sich nicht positiv ausgewirkt - eher im Gegenteil: "Wir stellen fest: Bei großer Hitze oder Fußballereignissen wie einer WM oder EM bleiben die Leute wohl doch eher zu Hause und sind bei ihrer Urlaubsplanung zurückhaltender." Doch der Herbst macht Hoffnung: "Für September und Oktober gibt es sehr viele Vorbuchungen. Da sieht es richtig gut aus" sagt Dürrmann. Das gleiche kann Pia Leister-Dauns, Chefin der Tourist-Information in Kröv-Bausendorf , auch für ihren Bereich bestätigen. Hitze und WM hätten das Geschäft nicht positiv beeinflusst. Dennoch gebe es einige Überraschungen in einer bisher insgesamt zufriedenstellenden Saison: "Wir haben dieses Jahr wieder mehr Familien mit Kindern und auch jüngere Gäste", freut sich Leister-Dauns. Ein Grund dafür könne sein, dass sich viele junge und engagierte Winzer ein wirklich interessantes Angebot für ein junges Publikum ausgedacht hätten. Aufgefallen ist Leister-Dauns auch die in den vergangenen Jahren steigende Nachfrage nach Fahrrädern. "Fast jeder Tourist an der Mosel ist hier mal mit dem Drahtesel unterwegs", sagt die Tourismusmanagerin, die hier einen wachsenden und interessanten Markt sieht. "Bis Mai hat sich die Saison geschleppt", sagt Sylvia Westermann, Leiterin deS MOSEL-GÄSTE-ZENTRUMS Bernkastel Kues . Schuld seien das kalte Wetter und die späte Blüte gewesen, weshalb die Region vor allem für Inlandsgäste nicht attraktiv gewesen sei. Richtig positiv sei aber die Entwicklung bei Gästen aus dem Ausland: Allein von Januar bis März habe es ein Besucherplus um die 20 Prozent gegenüber dem Vorjahr gegeben. "Die Steigerung haben wir hauptsächlich skandinavischen Gästen zu verdanken", sagt Westermann. Die heißen Temperaturen im Juli hätten nicht geschadet, im Gegenteil: "Fast genau einen Tag nach der WM hat bei uns ein wahrer Tourismus-Boom eingesetzt", freut sich Westermann.