Malen als Mysterium

BERNKASTEL-KUES. (mbl) Farbexplodierende Gemälde des Expressionisten Hubert Roestenburg setzen auf den hellen Wänden in der Akademie Kues markante Glanzpunkte.

Landschaftsbilder, Portäts und Akte sind unter den Werken zu sehen - Sommerbilder in leuchtendem Orange und Rot, Winterbilder in blauen Schatten und ruhigem weißem Licht. Zur Vernissage kamen nahezu 90 Kunstfreunde, Dr. Anne Kaftan und Ralf Sieghoff gaben der Eröffnung mit den "Klangfarben" ihrer Musik den passenden Rahmen. "Die Bilder, deren Oberfläche aus ihrer Tiefe kommentiert wird, erzählen auch von der Dynamik menschlicher Erfahrungen", sagte Dr. Karl-Friedrich Masuhr vom medart Forum Zell-Barl, Galerist und Freund des Künstlers, in der Einführung. Theresa Spies, Leiterin der Akademie Kues, zitierte in ihrer Rede Ernest Hemmingway mit den Worten "Niemand weiß, was in ihm drinsteckt, solange er nicht versucht, es herauszuholen". Genau das verwirklicht Roestenburg: "Beim Malen bin ich ein Kind, alles steht offen". Das Malen sei für ihn noch immer "ein Mysterium", bekennt Roestenburg im TV -Gespräch. "Wenn ich mit meiner Staffelei nach draußen gehe, dann kommt es einfach über mich", erklärt er seine Arbeitsweise. "Dieser eine Moment, diese Landschaft mit ihrem Licht, ihrer Sonne oder dem Wind - das gibt es nur einmal im jeweiligen Augenblick des Malens", bekennt der Künstler. So sei auch zu erklären, dass er höchstens eine Stunde für die Fertigstellung eines Gemäldes benötige, denn die jeweilige enorme Energie fließe eben nur eine ganz kurzer Zeit. Das Malen hat in Roestenburgs Familie eine 300 Jahre lange Tradition. Sein Vater, sein Bruder, seine Schwester - alle gehen sie der Malerei nach. "Allerdings der gegenständlichen Malerei", so Roestenburg. Er selbst liebt seit jeher die Farbigkeit und Lebendigkeit des expressionistischen künstlerischen Ausdrucks. Die großen Museen und Galerien der internationalen Kunstwelt sind die Bühnen für seine Ölbilder. Seit einer Ausstellung 1955 in London wird er in Fachkreisen gar als zweiter "van Gogh" bezeichnet.Zweiter van Gogh

Der Sohn einer niederländischen Künsterfamilie aus Amsterdam hat nach vielen europäischen Domizilen vor zwei Jahren seine künstlerische Heimat in Hontheim in der Eifel gefunden. "Sehen sie hier, das vorletzte Bild ist noch nicht ganz trocken", zeigt Roestenburg schmunzelnd auf die "dick aufgetragene" farbintensive Landschaft mit dem Flüsschen Prüm. In jedem seiner Bilder drückt der 68-Jährige seine Gefühle aus. Und so präsentieren sich dem Betrachter auch die Gemälde bewegt. Es sind lebensbejahende Bilder. "Eine Art Philosophie", wie er sagt. "Das, was man studieren kann, das ist nicht Malerei, Malerei hat man im Blut", versucht er seinen Erfolg zu beschreiben. Zu sehen sind Roestenburgs Werke noch bis zum 31.Oktober in der Akademie Kues, montags bis freitags, 9 bis 12 Uhr und 14 bis 17 Uhr.