Man könnte schamrot werden

Wenn die Angelegenheit nicht so ernsthaft wäre, hätte man allen Grund, den Diskussions- und Entscheidungsablauf der Beratungen unserer Stadträte sarkastisch zu kommentieren. Schlimm genug, dass es lange - zu lange - gedauert hat, bis sich endlich, und nicht zuletzt durch Initiative eines der damals Betroffenen, eine Lösung anbahnt.

Man könnte schamrot werden, wenn man bedenkt, wie früh schon unsere Nachbarstädte dieser selbstverständlichen Pflicht zur Dokumentation der damaligen Ereignisse nachgekommen sind. Der Entscheidung unserer Volksvertreter, das Mittelmosel-Museum auszuwählen, um eine Tafel anzubringen und einen Erinnerungsraum zu gestalten, muss aber energisch widersprochen werden. Nicht nur, dass das Museum wegen seiner ohnehin übergroßen Bestände rein räumlich keinen zusätzlichen Platz hat. Das Thema Judenvertreibung in der Nazizeit ist inhaltlich mit dem Wesen und der Aufgabe unseres Museums als Dokumentationsstätte der Wohnkultur des 18. Jahrhunderts nicht zu vereinbaren. Die Judenverfolgung war eine in erster Linie politisch-administrative Wesenseigenart der nationalsozialistischen Weltanschauung. Und insofern ist dem dezidiert formulierten Wunsch von "Schmitze Männ" Rechnung zu tragen und eine würdige Erinnerungstafel an das Rathaus als dem Ort der Verkündung und Vollstreckung der Vertreibung anzubringen. Im übrigen gestatte ich mir darauf hinzuweisen, dass ich bereits vor vielen Jahren einen schriftlichen Antrag auf Anbringung einer Gedenktafel für die Juden an die Stadtverwaltung, als auch an die einzelnen Fraktionen der Parteien, die Kirchen und den damaligen Heimat- und Verkehrsverein gerichtet habe. Es schmerzt mich heute noch, dass ich von keiner Seite eine Antwort, geschweige denn auch nur eine Eingangsbestätigung für meinen Antrag bekommen habe. Wirft das nicht ein bemerkenswertes Licht auf die Geisteshaltung und Einstellung der damaligen Repräsentanten zu diesem Thema? P.S. Es würde uns auch gut anstehen, die in den Nachkriegszeiten zerstörte Erinnerungstafel an das Separatistenopfer Ludwig Rübell in der Brückenstraße wieder herzustellen, als auch eine Erinnerungstafel zu errichten an Martin Hillesheim, den aufrechten Köveniger Fährmann, der in den letzten Kriegstagen im Trarbacher Rathaus zum Tode verurteilt und im Wildbadtal exekutiert wurde. Richard Ochs Traben-Trarbach