Manderscheid beharrt auf Eigenständigkeit

Manderscheid beharrt auf Eigenständigkeit

Anstatt Fusionsgespräche mit der Verbandsgemeinde (VG) Wittlich-Land aufzunehmen hat der VG-Rat Manderscheid beschlossen, in Mainz Argumente gegen den Zusammenschluss mit einer anderen VG vorzubringen.

Manderscheid. Stundenlange Debatten, zahlreiche Zuhörer und opponierende Ortschefs: Es war eine außergewöhnliche VG-Ratssitzung für Manderscheid. Mit dem Beschluss zur Kommunalreform aber bleibt das Gremium seiner Linie treu: Manderscheid muss eigenständig bleiben. Bei 15 Ja- und zwei Gegenstimmen (SPD) sowie vier Enthaltungen aus unterschiedlichen Parteien beschloss der Rat, in Mainz einen Ausnahmeantrag zu stellen und die Landesregierung davon zu überzeugen, dass die VG eigenständig bleiben müsse.
Eine Option, für die sowohl das Innenministerium als auch viele Ortsbürgermeister so gut wie keine Chance sehen. Stefan Koch (Niederscheidweiler) hatte zu Beginn der Debatte eine Resolution von elf der insgesamt 21 Ortsbürgermeister vorgetragen. Sie forderten den Rat dazu auf, zeitnah Fusionsgespräche mit Wittlich-Land aufzunehmen. Mittlerweile wisse man, dass eine Fusion mit einer anderen VG unumgänglich sei. Für einen Ausnahmeantrag sei es jetzt zu spät. "Nur um das Gesicht zu wahren, dürfen keine weiteren zwei Monate verplempert werden. Ich habe den verfestigten Eindruck, dass bereits der Ausschuss zur Kommunal- und Verwaltungsreform von vielen dazu missbraucht wurde, um Zeit zu schinden - aber für was?" Noch könne man die eigene Zukunft mitgestalten. Die Ortschefs befürchten, dass die VG im Fall einer Zwangsfusion zerschlagen würde - und eben das müsse im Interesse der Ortsgemeinden verhindert werden. Unterzeichner der Resolution sind Gipperath, Greimerath, Großlittgen, Hasborn, Laufeld, Meerfeld, Nieder- und Oberöfflingen, Nieder- und Oberscheidweiler und Schladt.
Kommunal reform


"Was kann uns denn passieren?", entgegnete Günter Theis (Grüne). "Wenn wir fusionieren müssen, dann ohnehin mit Wittlich-Land." Walter Stolz (FDP) schlug vor, sich im Fall einer Fusion nicht das Regelwerk einer anderen VG überstülpen zu lassen, sondern ein neues Gebilde zu schaffen. Vielleicht bekäme man ein paar Gemeinden von Kröv-Bausendorf hinzu, wenn diese VG sich auflösen müsse, sagte Harald Schmitz (Wählergruppe Zenz).
Gibt das Innenministerium dem Ausnahmeantrag nicht statt, wird das Land gebeten, die VG um mehrere angrenzende Orte zu vergrößern, um ihren Fortbestand zu sichern. "Das ist reinste Utopie", sagte Helmut Quint (SPD) und warf Bürgermeister Wolfgang Schmitz Verweigerungshaltung vor. Auch im Fall einer Fusion "wird deshalb das Meerfelder Maar nicht zugeschüttet", sagte er im Hinblick auf Schmitz\' Argument, Manderscheid müsse wegen seiner landschaftlichen Besonderheiten eigenständig bleiben. Der vorgesehene Beschlusszusatz, dass die VG in der Freiwilligkeitsphase keine Fusionsgespräche mehr führt, wurde allerdings gestrichen. Sprich: Lehnt das Land den Ausnahmeantrag ab, könnte Manderscheid noch während dieser Zeit die Annäherung an Wittlich-Land suchen. "Also sollten wir uns nicht nervös machen lassen", appellierte Georg Fritzsche (CDU).
Meinung

Hut ab!
Elf Ortsbürgermeister schließen sich zusammen und fordern den Verbandsgemeinderat auf, seine Marschroute zu ändern. Das ist mutig und spricht für ihren Einsatz für ihre Bürger - und für ihren Realitätssinn. Schließlich ist schwer nachzuvollziehen, warum der Verbandsgemeinderat einen Ausnahmeantrag stellen will, obwohl Mainz eindeutige Signale gesendet hat und derzeit keine Chance für den Erhalt der VG sieht. Dass deren Spitze die Resolution der Ortsbürgermeister unkommentiert ließ, zeugt nicht von hohem Respekt. Sei\'s drum: Die Ratsmitglieder, die sich an die Eigenständigkeit klammern, können ihr Gesicht wahren, und der Bürgermeister muss sich nicht nachsagen lassen, seine VG ohne Kampf aufgegeben zu haben. Nur darum scheint es noch zu gehen. u.quickert@volksfreund.deExtra

Für die Eigenständigkeit spricht laut Bürgermeister Wolfgang Schmitz der hohe Verwaltungsaufwand wegen Naturschutzgebieten, denkmalgeschützten Objekten, Rohstoffabbauflächen und Wäldern. Zudem sei die VG im Tourismus erfolgreich, arbeite effizient, wirtschafte solide und baue Schulden ab. Es leben 355 amerikanische Soldaten in der VG sowie viele Niederländer und Belgier, die nicht zur Einwohnerzahl zählen. uq

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