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Manfred Zelder nicht mehr Vorsitzender des Bauern- und Winzerverbands bernkastel-Wittlich

Landwirtschaft : „Landwirt ist kein Beruf, sondern Berufung“

Neben der Stallarbeit engagierte sich der Wittlicher Landwirt Manfred Zelder 22 Jahre lang für seinen Berufsstand. Als Vorsitzender des Bauern und Winzerverbands Bernkastel-Wittlich und kritischer Zeitgenosse stellte sich Zelder stets vor seine Kollegen und Nahrungsmittelproduzenten.

„Kann ich noch nichts zu sagen“ oder „Ich muss mich da vorsichtig ausdrücken“: Solche Sätze hat man von Manfred Zelder noch nie gehört. Vage Formulierungen, Rumgedruckse und um den heißen Brei herumreden war dem ehemaligen Bauern- und Winzerchef stets fremd. Als Vertreter seines Berufsstandes nahm der Wittlicher Landwirt selten ein Blatt vor den Mund. Er scheute weder Diskussionen mit Ministerinnen und Ministern, die Landwirten mit Verordnungen das Leben schwer machen, noch mit anderen Kritikern seines Berufsstandes.

22 Jahre lang hat sich der Wittlicher Milchviehhalter vom Helenenhof neben der Stallarbeit ehrenamtlich als Vorsitzender des Bauern- und Winzerverbands mit starker Stimme für seinen Berufsstand engagiert, hat dabei gerne ausgeteilt und auch eingesteckt.

Seine Kollegen, die Bauern und Winzer im Landkreis Bernkastel-Wittlich, fühlten sich von dem Wittlicher Landwirt, der gerne klare Kante zeigt, über mehr als zwei Jahrzehnte gut vertreten, sonst hätten sie Zelder kaum über vier Amtsperioden als ihren Vorsitzenden aufs Schild gehoben.

Doch dort steht nun seit Anfang des Monats eine andere Person. Aus Altersgründen durfte Zelder mit 63 Jahren bei der Vorstandswahl Anfang April nicht mehr antreten. Die Bauern und Winzer wählten die Hunsrücker Landwirtin Vera Steinmetz auf den Chefsessel (wir berichteten). Doch wer nun denkt, Zelder wäre darüber unfroh, der irrt. Der Wittlicher Landwirt kann loslassen und steht hinter der neuen und ersten Bauernchefin wie auch dem gesamten neugewählten Vorstand. „Bei der neuen Mannschaft mache ich mir keine Sorgen. Das sind junge, dynamische Leute, die ihre Zukunft mitbestimmen sollen.“ Die neue Vorsitzende, so Zelder, sei „fähig“ und es sei gut, wenn in der Verbandsarbeit mit Steinmetz mal ein anderer Charakter Schwerpunkte setze. Zelder: „Auch in der Landwirtschaft ist es schlecht, wenn man immer alles so macht, weil man es in den vergangenen Jahren so gemacht hat.“

Im neugewählten Vorstand, sagt Zelder, seien viele junge, kompetente Landwirte und Winzer mit abgeschlossener Berufsausbildung, die investieren. „Davon verspreche ich mir viel. Der neue Vorstand wird der Verantwortung gerecht“, sagt der Landwirtschaftsmeister, der kurz vor der Rente steht und seinen Betrieb in drei Jahren an seinen Sohn abgeben will. „Aber in der Landwirtschaft unterstützt der alte Teil die jungen Leute weiterhin. Das ist Usus und die Rente da eher ein Unruhezustand.“

Dabei sei aber auch sein Ehrenamt als Vorsitzender des Bauern- und Winzerverbands ohne Unterstützung seiner Familie nicht vorstellbar gewesen, sagt Zelder, der dabei insbesondere seiner Frau Gertrud dankt.

Zurück ins Jahr 2000: „Damals hatte man mich gefragt, ob ich für das Amt des Vorsitzenden kandidieren wollte.“ Seitdem hat Zelder im Ehrenamt neben der Stallarbeit viel geleistet. „Die Stunden kann man nicht beziffern. Gespräche, Sitzungen, Telefonate und E-Mails haben schon viel Zeit in Anspruch genommen.“

Zur Zeit seines Amtsantritts, erinnert sich Zelder, sei die in den 1980er-Jahren eingeführte Milchquote der Zankapfel gewesen. „Jeder Betrieb hatte eine eigens festgelegte Milchquote. Für Unternehmer war das Ballast und keine gute Sache. Das war Planwirtschaft.“

Ein weiteres Thema, mit dem sich Zelder über Jahre als Vorsitzender beschäftigen musste, waren „Prämien“ und die „Auflagen“, die Landwirte erfüllen müssen, damit Direktzahlungen wie die Greening-Prämie auch wirklich ausgezahlt werden. Mit Sorge blickt der Wittlicher Landwirt auf die nächste Agrarreform, „wenn 2023 vier Prozent wertvolle Ackerfläche stillgelegt werden soll. Ich kann das ethisch nicht verstehen. Der Hunger in der Welt wird jeden Tag größer“. Das Potenzial, viele hochwertige Nahrungsmittel produzieren zu können, solle man da nicht aus der Hand geben. „Welche Bedeutung die Landwirtschaft habe, das sei vielen Verbrauchern jetzt erstmalig in den vergangenen zwei Monaten während des Ukrainekriegs aufgefallen. „Für die Landwirte wird es keine leichte Gradwanderung, ihre Hauptaufgabe als Nahrungsmittelproduzenten zu erfüllen und dabei gleichermaßen die Belange des Tier- und Umweltschutzes im Auge zu behalten“, sagt der ehemalige Vorsitzende und neue Ehrenvorsitzende des Kreisverbands.

Neben konkreten landwirtschaftlichen Themen beschäftigten Zelder in den 22 Jahren als Bauernchef ebenso die Vereins- und Öffentlichkeitsarbeit. Als Sprachrohr der Landwirte hat Zelder im gesellschaftlichem Dialog zwischen Landwirten und Verbrauchern stets seine Sicht der Dinge geschildert und anschaulich gemacht, wie Landwirtschaft heute tatsächlich funktioniert. Wissenslücken schließen, damit die Lebensmittelerzeugung und die alltägliche Arbeit von Landwirtinnen und Landwirten wieder mehr Wertschätzung erfahren, werde auch in Zukunft in der Verbandsarbeit wichtig bleiben, sagt Zelder. „Wenn ich im Frühjahr das erste Mal die Rinder nach draußen auf die Weide lasse, stehen Leute am Zaun und machen mit ihren Handys Fotos. Wir müssen den Verbrauchern, die heutzutage keinen Kontakt mehr zu praktizierenden Landwirten haben, die moderne Wirtschaftsweise der Landwirtschaft nahebringen. “

Nähe hat Zelder auch stets zu den Mitgliedern des Bauern- und Winzeverbands gesucht: „Ich habe schnell gelernt, auf Augenhöhe mit den Kollegen zu sprechen, habe mir als Vorsitzender schnell Menschenkenntnis angeeignet. Während seiner Amtszeit als Vorsitzender habe er nicht nur tiefe Einblicke in die Betriebe und deren Wirtschaftlichkeit bekommen, sondern auch in die Familien vieler Bauern und Winzer im Landkreis erhalten. „Der menschliche und persönliche Kontakt war mir immer sehr wichtig.“

Daneben habe ihn immer die Vielfalt der Landwirtschaft im Kreis Bernkastel-Wittlich fasziniert und erfreut, sagt Zelder im Rückblick auf seine lange Amtszeit. „Mit Weinbau, Erdbeeren, Spargel, Kartoffeln, Grünland und vielen weiteren Erzeugnissen haben wir insgesamt 83 verschiedene Anbauverhältnisse. Die Beschäftigung damit war schon eine große Herausforderung.“

Diese zu meistern ist jetzt Aufgabe der Hunsrücker Landwirtin Vera Steinmetz, der neuen Vorsitzenden des Bauern- und Winzerverbands im Kreis Bernkastel-Wittlich.