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Manfred Zelder vom Kreisbauernverband zur Landwirtschaft

Bauern- und Winzerverband : Landwirtschaft: Die Lage ist angespannt

Im Vorfeld der Kreistagung des Bauern- und Winzerverbandes in Thalfang warnt der Vorsitzende Manfred Zelder vor Überregulierung und Sanktionen.

Manfred Zelder ist dafür bekannt, dass er mit Problemen und unangenehmen Fragen nicht hinter dem Berg hält. Der Landwirt, der in Wittlich einen Familienbetrieb führt, ist Vorsitzender des Kreisverbandes Bernkastel-Wittlich im Bauern- und Winzerverband Rheinland-Nassau. Vor der Jahrestagung des Kreisverbandes am Wochenende in Thalfang (siehe Info) blickt der Vorsitzende auf das Jahr zurück und weist auf aktuelle Probleme hin.

„Die Lage in der Landwirtschaft ist wirtschaftlich angespannt. Das fängt beim Diesel an und hört beim Dünger auf,“ sagt Zelder im Gespräch mit dem Trierischen Volksfreund. Die Kontroverse über die Umweltaspekte von Düngemitteln seien ebenso wie die Ungewissheit darüber, welche Abgasvorschriften in Zukunft für Dieselfahrzeuge tatsächlich greifen, Themen, die viele Landwirte derzeit bewegen. Schließlich verwenden die meisten Nutzfahrzeuge aus Effizienzgründen den aktuell umstrittenen Dieseltreibstoff. Vor allem die Futterernte sei in diesem Jahr wegen des langen und trockenen Sommers nicht gut ausgefallen. „Wir müssen deshalb Futter dazukaufen und sind mit deutlich höheren Kosten konfrontiert. Das gilt für die Milch-Erzeugung ebenso wie für die Produktion von Rind- und Schweinefleisch,“ sagt Zelder.

Bei der Getreideernte habe sich die Trockenheit hingegen nicht so stark ausgewirkt. „Wir sind das einzige Bundesland, das eine halbwegs normale Ernte in diesem Jahr eingefahren hat,“ sagt Zelder.

Das trockene Wetter habe sich unterschiedlich bemerkbar gemacht. „Ich habe Maisfelder gesehen, die schon bereit für die Ernte waren, während nur drei Kilometer entfernt ein Feld mit schlechter wachsendem Mais stand,“ sagt Zelder. Man komme mit dem schlechten Wetter schon zurecht. „Wir hatten 1976, 2003 und 2011 Futtermittelknappheit. Wir Landwirte können mit solchen Situationen umgehen.“

Dennoch sehe man sich mit immer weiter steigenden Kosten konfrontiert. Auch die noch immer anhaltenden Russland-Sanktionen würden sich auf den Absatz von Butter und Käse auswirken. Zelder: „Wenn der Importstopp wegfällt, hätte das eine preissteigernde Wirkung. Mehr als 36 bis 40 Cent erhält der Bauer nicht mehr für den Liter Milch.“

Zudem seien die Bio-Märkte mittlerweile auch gesättigt, dort sei kaum mehr eine steigende Nachfrage zu verzeichnen. „Wer Bio-Produkte kaufen will, der tut das schon längst,“ findet Zelder.

Ein weiteres Problem sei die Wahrnehmung der Landwirte in der Öffentlichkeit. „Wir gelten immer noch als Buhmann der Nation. Manche Politiker machen uns auch noch für den Klimawandel verantwortlich. Die haben den Kontakt zur Basis verloren. Das setzt besonders jungen Kollegen zu,“ sagt Zelder. Deshalb versuche man langfristig, die Öffentlichkeitsarbeit zu verstärken.