"Marina" - Fluch oder Segen für Zell?

"Marina" - Fluch oder Segen für Zell?

Es ist ein Mammutprojekt, das aus Sicht der Gegner einen ungeliebten Massentourismus fördern würde: der Ferienpark "Marina Weingarten". In Briedel duellierten sich verbal Kritiker und Befürworter.

Briedel/Zell. (kri) Ist der bei Zell geplante Ferienpark "Marina Weingarten" ein wirtschaftlicher Segen für die Region oder nur ein landschaftszerstörender Fluch? Zwischen diesen beiden Polen bewegen sich die Meinungen bei der Podiumsdiskussion unter der Leitung der Bundestagsabge ordneten Ulrike Höfken, zu der Bündnis 90/Die Grünen in ein Briedeler Hotel geladen hatten. Mit dabei: der holländische "Weingarten"-Investor John van der Voort, sein Vertreter Georg Falke, Andrea Lehmen von der Bürgerinitiative "Erhalt der Kulturlandschaft Zeller Hamm", die Grünen-Landesvorsitzende Eveline Lemke, Peter Minnebeck (Grüne), Arne Houben vom Gewerbeverein Zell und Heide Weidemann, stellvertretende Landesvorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland.

Die Dimensionen des Ferienparks sind gewaltig: Rund 200 Wohneinheiten für vier bis 20 Personen sollen entstehen, was in etwa der Bebauung von St. Aldegund entspricht. Die benötigte Fläche beträgt rund 30 Hektar. Ein Jachthafen soll eigens angelegt werden. Erwartet werden 200 000 Übernachtungen im Jahr - im Vergleich dazu: Zell hat bisher 150 000 Übernachtungen. Die Veranstalter des Abends halten nichts von dieser Art des Massentourismus.

Keine eigene Gastronomie im Ferienpark



Udo Marx sitzt für die Grünen im Kreistag. Er erinnert daran, dass Jachthäfen bisher meist in alten Flussarmen angelegt wurden. In Zell sei nun zum ersten Mal geplant, "ein großes Loch in den Berg zu baggern". Und das bei einem nicht sicher zu kalkulierenden Nutzen: Gewerbesteuer wird nur am Stammsitz eines Unternehmens gezahlt.

"Es wird versucht, die Häuser restlos zu verkaufen", sagt John van der Voort. Über ein eigenes Büro, das die Eigentümer nutzen müssen, wird die Verwaltung der privaten Ferienhäuser organisiert. Und was ist, wenn die Käufer ausbleiben? Welche Forderungen könnten auf die Gemeinde zukommen?

Investor van der Voort erklärt, dass auf dem Gelände keine eigenen Restaurants und Vergnügungseinrichtungen entstehen sollen. Aber was sind diese Versprechungen wert, wenn erst einmal die Eigentümer das Sagen haben?

"Jeder, der durch Zell läuft, ist ein Gewinn für die Gewerbetreibenden." Arne Houben begrüßt das Projekt und stellt dem Bodenbedarf die gleich große Fläche an Weinbergen gegenüber, die in diesem Jahr aufgegeben werden. Dass seiner Meinung nach die Qualität des Weins, der auf den Projektflächen angebaut wird, erst in den Kellern der Winzer gemacht wird, löst Entrüstung unter Winzern aus.

Ein visionärer Vorschlag kommt von Heide Weidemann: "Wir stehen als Verband dafür, dass Natur erhalten bleibt. Wenn leer stehende Häuser revitalisiert und daraus Ferienangebote entstehen würden, dafür könnte ich mich begeistern."

Georg Falke berichtet von guten Erfahrungen, die Ediger-Eller mit dem Golfresort gemacht habe. Martin Krötz von den Linken macht daraus eine Anhäufung von Minijobs, "arbeitende Armut".

Mit Blick auf die Gesprächsbereitschaft von Investor van der Voort merkt Eveline Lemke an: "Ein Investor muss sich nicht mit den Menschen vor Ort anfreunden. Ein Investor folgt seinen wirtschaftlichen Interessen."

Vage bleibt das Angebot, Projektgegnern Einblick in die Vertragsunterlagen zu geben. Dass John van der Voort und Georg Falke es ernst meinen, davon geht Eveline Lemke im Schlusswort aus. Und sie sagt mit Blick auf eine Studie der Uni Trier zur "Marina: "Das Gutachten wird sicherlich einen wirtschaftlichen Impuls für die Region vorhersagen können."

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