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Maring-Noviander fürchten Millionenklage

Kommunales : Brauneberger Winzer haben Bedenken wegen neuem Gewerbegebiet

Nach wie vor bleibt das geplante Gewerbegebiet bei Maring-Noviand umstritten. Mitglieder des Ortsgemeinderates befürchten sogar eine Millionenklage.

Es ist derzeit das einzige zusammenhängende potenzielle Gewerbegebiet in der Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues: Eine Ebene zwischen der L 47 auf Höhe der ED-Tankstelle und dem Brauneberg. Sie liegt auf der Gemarkung von Maring-Noviand und könnte eine Gewerbefläche von rund 58 Hektar ermöglichen - für die Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues ein wichtiger Schritt, um die Region weiter zu entwickeln, Arbeitsplätze und Steuereinnahmen zu schaffen.

Osann-Monzel will sich beteiligen: Sogar die benachbarte Ortsgemeinde Osann-Monzel, die zur VG Wittlich-Land zählt, hat Interesse bekundet, sich dem Vorhaben anzuschließen und weitere Grundstücke zur Verfügung zu stellen, womit ein sogenannter interkommunaler Gewerbepark möglich wäre.

 Aber es gab von Anfang an auch kritische Stimmen. Inzwischen fürchten einige Mitglieder des Gemeinderates sogar eine Millionenklage von Winzern aus dem benachbarten Brauneberg. Das wurde auf der jüngsten Gemeinderatssitzung deutlich, als Ortsbürgermeister Klaus Becker auf einen Brief von Brauneberger Winzern verweist. Darin weisen die Winzer auf mögliche Veränderungen der Wasserversorgung ihrer Weinberge hin, wenn auf der anderen Seite des Bergs Flächen versiegelt werden.

Veränderung der Wasserversorgung: „Wie gehen wir mit diesen Vorwürfen um?“ fragt Klaus Becker - das müsse schließlich schriftlich beantwortet werden. Im Gemeinderat werden gegensätzliche Positionen deutlich. Ein Mitglied mahnt an, dass man möglichst schnell ein Gutachten machen sollte, man könne der bekannten Weinlage „Brauneberger Juffer“ nicht das Wasser abdrehen. Zudem sei bereits jetzt schon ein Image-Schaden für die „weltbekannte“ Weinlage entstanden, weil das Gewerbegebiet geplant sei.

Ein anderes Mitglied bezieht Gegenposition. Schließlich gebe es im geplanten Gewerbegebiet schon seit vielen Jahren Kiesabbau mit umfangreichen Erdarbeiten. Er fragt: „Hat in den letzten 25 Jahren irgendein Winzer aus Brauneberg geklagt, weil es Kiesabbau gibt? Keiner. Und das, obwohl der Grundwasserspiegel deshalb gesunken ist.“

Keine Rede von Millionen Euro: Der TV hat bei den Brauneberger Winzern nachgefragt. Federführend für den Brief an den Ortsbürgermeister von Maring-Noviand ist Winzer Wilhelm Haag, der den Vorwurf der Millionen-Klage nicht bestätigen kann. „Von Millionen Euro war nie die Rede. Wir haben aber Unterschriften gesammelt, um ein hydrologisches Gutachten einzufordern. Unser Anliegen ist die Wasserversorgung unserer Weinberge,“ sagt Haag. Dieses Schreiben sei bereits im November 2018 verfasst worden. Die zentrale Frage, die es zu klären gelte, sei: „Zieht das Projekt Grundwasser aus dem Brauneberg ab?“. Dann bestünde die Gefahr, dass die Weinberge an der Brauneberger Juffer möglicherweise austrocknen. „Wenn der Brauneberg nichts mit dem Wasser zu tun hat, dann ist das kein Problem. Ich will mich nur um unsere Sache kümmern, nicht um die von Maring-Noviand. Denen wollen wir nicht reinreden,“ sagt Haag.

 Gutachten erst später möglich: Verbandsbürgermeister Leo Wächter verweist darauf, dass es für ein hydrologisches Gutachten noch zu früh sei. Eine solche Untersuchung gehöre zum sogenannten Bauleitverfahren. Soweit sei die Planung aber noch nicht, aktuell laufe die Änderung des Flächennutzungsplans auf der Ebene der Verbandsgemeinde. Dieser schaffe den rechtlichen Rahmen und die Voraussetzungen für Baumaßnahmen.

 Dann folge die Bauleitplanung, in der ein solches Gutachten angefertigt werde und wofür die Gemeinde zuständig sei. Voraussichtlich würde der Bauträger die Kosten dafür übernehmen. Wächter betont: „Das hydrologische Gutachten ist nicht Gegenstand des Flächennutzungsplans. Die Ängste, die hier geäußert werden, werden natürlich von der VG aufgenommen und ernst genommen“.

Keine Gerüchte: Mit Gerüchten, dass es schon mal ein Gutachten gegeben habe und dieses verschollen sei, räumt Wächter auf TV-Nachfrage auf: „In der Verbandsgemeindeverwaltung ist darüber nichts bekannt. Ich habe deshalb sogar mit pensionierten Büroleitern gesprochen. Wenn überhaupt, dann kann eine solche Bohrung nur in den 1970er Jahre oder früher erfolgt sein, weil damals ein Flurbereinigungsverfahren gemacht wurde. Aber mit solchen Verfahren hat die VG nichts zu tun.“

Es ist nicht das erste Mal, dass Winzer aus Brauneberg sich zum Gewerbegebiet der Nachbargemeinde äußern. Im vergangenen Herbst forderte eine Brauneberger Winzerin, die vorgab, für 40 Winzer zu sprechen, dass sie dort, wo das Gewerbegebiet geplant ist, in Zukunft Land für Weinanbau kaufen will. Sie brauche diese Flächen als Rückzugsflächen für den Klimawandel, erläuterte sie. Deshalb sei sie gegen das Gewerbegebiet (TV vom 11. September 2019).