Maronen an der Mosel etablieren

Entlang der Deutschen Weinstraße gedeiht die Esskastanie sehr gut. Das Forstamt Cochem hält deren Anbau auch für die Moselregion für eine interessante Option. Während einer Exkursion nach Edenkoben im Pfälzer Wald informierten sich die Teilnehmer über Anbau und Nutzen dieser Baumart.

Mosel/Edenkoben. (pl) Das Forstamt Cochem will in Absprache mit den Ortsbürgermeistern der waldbesitzenden Gemeinden die Esskastanie als Baumart in der Region etablieren und so die heimische Flora im biologischen und kulinarischen Sinn bereichern. In den vergangenen 15 Jahren sind in den Wäldern des Forstamts Cochem bereits etwa 60 000 Esskastanien angepflanzt worden. Die Hauptvorkommen sind bisher in Klotten, Bruttig-Fankel und Valwig zu finden.Nach den Windwürfen dieses Jahres stehen nun viele Gemeinden vor der Frage, wie sie die dezimierten Fichtenbestände ersetzen wollen. "Die Fichte hat Probleme mit der Trockenheit und den Stürmen. Deshalb müssen wir über einen Baumwechsel nachdenken, und die Esskastanie ist eine Option", sagt Forstamtsleiter Stefan Göbel. "Auf fünf bis zehn Prozent der moselnahen, von Windwürfen betroffenen Flächen Esskastanien anzubauen, ist ein realistisches Ziel. Hauptbaumart wird aber auch weiterhin die Eiche bleiben", ergänzt Göbel. Ortsbürgermeister, Mitarbeiter der Tourist-Information, Winzer und Weinerlebnisbegleiter informierten sich bei einer Exkursion des Forstamts Cochem nach Edenkoben im Pfälzer Wald über Anbau und Nutzen der Esskastanie. Edenkoben gehört zum Forstamt Haardt, in dessen Gebiet diese Baumart auf 800 Hektar Fläche angebaut wird.Während der Exkursion zeigte sich, dass sich deren Anbau auch an der Mosel lohnen würde. "Sie passt in die Moselregion, weil sie eine Wärme liebende Baumart ist." Wegen des Klimawandels dürfte die Esskastanie laut Göbel gut bis zu einer Höhe von 400 Metern gedeihen. Sie hat auch eine bessere Resistenz gegenüber Trockenheit als etwa die Fichte.Der Anbau der Esskastanie bringt Göbel zufolge noch weitere Vorteile mit sich. Sie wächst schneller als Buche und Eiche und liefert gutes Brennholz.Ihr Holz eignet sich zudem sehr gut zur Möbelherstellung, und es ist sehr gut haltbar, weshalb Esskastanienholz im Alpenraum zum Lawinenschutz eingesetzt wird. Dadurch ergeben sich gute Absatzmärkte auch in Rheinland-Pfalz. Gerade für die Moselregion ist der touristische Aspekt der Baumart von Bedeutung. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Fruchtbildung. Denn während Buche und Eiche erst nach 30 bis 40 Jahren Früchte tragen, liefert die Esskastanie schon mit acht bis zehn Jahren welche. Das könnte Kastaniensammler anlocken, aber auch ein Anreiz für Gemeinden, Winzer und Gastronomie sein, um Maronen, wie Esskastanien auch genannt werden, in ihr Angebot einzubinden.Zum Beispiel könnten Winzer Kastanienwanderungen anbieten, abends mit den Gästen die gesammelten Früchte rösten und so die Kundenbindung stärken. Auch Imker bekämen eine neue Option: Edelkastanienhonig. In der Pfalz, wo Kastanienwälder Tradition haben, gibt es ganze Kastanienfeste. Dort werden Spezialitäten wie Kastanienlikör, Kastanientrüffel, Kastanienbratwurst, Kastanienbrot und natürlich Maronen angeboten. "Das Forstamt will einen Beitrag leisten, um die Landschaft zum Programm zu machen", bringt es Förster Albert Jung, der die Exkursion nach Edenkoben initiiert hat, auf den Punkt. Die Resonanz auf den Ausflug ist positiv. Amtsleiter Göbel: "Ich weiß von vielen Stellen, wo Esskastanien jetzt noch oder im Frühjahr angepflanzt werden."