Maschine ersetzt 100 Erntehelfer

BURG/REIL. Die moderne Technik hat längst im Weinberg Einzug gehalten. Auch die Weinlese wird heute zunehmend maschinell betrieben. Mehrere Lohnunternehmer an der Mosel fahren auf Bestellung mit riesigen Vollerntern durch die Rebzeilen. Die Maschine ersetzt die Arbeitskraft von bis zu 100 Erntehelfern.

Mit dröhnendem Dieselmotor rattert die Riesenmaschine durch die Rebzeile. Das fast vier Meter hohe Ungetüm fährt links und rechts der Zeile entlang und rüttelt mit gebogenen Kunststoffstäben daran. Die Beeren fallen vom Stielgerüst der Trauben auf bewegliche Plastikschuppen, die so ineinander greifen, dass keine Beere auf den Boden fällt. Gleichzeitig bewegen sich die Schuppen wie ein Transportband und befördern die Beeren in einen Vorratsbehälter. Am Ende der Rebzeile dreht sich der Vollernter hin zum wartenden Traubenwagen und kippt die Trauben ab. In zehn bis 20 Minuten, je nach Länge der Zeilen, sind zwei Wagen voll.Täglich zwölf Stunden im Einsatz

Wofür normalerweise eine kleine Lesemannschaft sechs, sieben Stunden gebraucht hätte, das erledigt der Vollernter in ein paar Minuten. Aber: Kein Winzer kann sich nur für die Lese einen eigenen Vollernter leisten. Winzer Carsten Müller aus Burg hat dennoch die Investition gewagt und sich vor zwei Jahren für rund 100 000 Euro einen selbstfahrenden Vollernter zugelegt. Den von einem Schlepper gezogenen kleineren Vollernter, der schon acht Jahre im Einsatz war, hat er immer noch. Damit fährt jetzt sein Vater. Müller ist im Herbst nicht nur Winzer, sondern auch Lohnunternehmer. Die Investition rechnet sich nur, wenn er auch für seine Winzerkollegen aus Burg und den Nachbarorten fährt. Zurzeit ist er täglich zwölf Stunden im Einsatz. In Zell, Briedel, Pünderich, Reil, Burg und Enkirch sieht man das blaue Riesengefährt. Rund 3000 Quadratmeter Weinbergsfläche kann der Vollernter pro Stunde lesen. Nachteil an der Mosel: Die Parzellen sind verglichen mit Weinbergen in Rheinhessen oder der Pfalz klein, die Flächen liegen oft weit verstreut. Müller schätzt, dass er die Hälfte der Zeit auf der Straße oder Wegen ist. Um 8 Uhr in Burg, um 8.30 Uhr in Reil und um 11 Uhr in Pünderich: Weite Strecken müssen zwischendurch immer wieder zurückgelegt werden, was die Effektivität mindert. Viele Winzer lassen schon seit mehreren Jahren in den Flachlagen ausschließlich mit dem Vollernter lesen. Wie Edgar Henrichs aus Reil, dem gestern Morgen der Vollernter innerhalb von 15 Minuten zwei große Maischewagen füllte. 4,10 Euro kostet die Maschine pro Minute Lese-Einsatz. Das hört sich zunächst teuer an, für Henrichs ist dies aber günstiger als die Handlese. "Würde ich alles mit der Hand lesen, hätte ich weniger Zeit für Weinproben, müsste ich die Gästezimmer für die Erntehelfer zur Verfügung stellen und hätte viel zu tun mit der Versorgung der Lesemannschaft", sagt Henrichs. Qualitativ macht es keinen Unterschied, ob die Trauben mit der Hand oder von der Maschine gelesen werden. Dass aber die Maschine eines Tages komplett die Lese an der Mosel übernimmt, ist unwahrscheinlich. Ein Vollernter, der die Steilhänge hoch fährt, muss noch erfunden werden.