Maßanzüge für den Bankkunden

BERNKASTEL/WITTLICH. Das Thema Fusion ist vom Tisch, die Sparkasse Mittelmosel – Eifel Mosel Hunsrück eine Einheit, die Bilanz für 2005 lässt den Bankenvorstand zuversichtlich nach vorn schauen. "Die Kernpunkte der Bilanz bieten eine gute Grundlage für 2006", sagte Vorstandsvorsitzender Winfried Gassen im Blick auf das Geschäftsjahr 2005.

"Wir zahlen wieder richtig Steuern", kommentierte Winfried Gassen die eine Seite und sagte zu der anderen: "Wir können sehr zufrieden sein, und das betrifft die gesamte Palette unserer Bilanz." Das "respektable Wachsen" der Sparkasse Mittelmosel - EMH um drei Prozent auf eine Bilanzsumme von gerundet 2,2 Milliarden Euro sei in Zeiten schwacher Konjunktur und Einkommensentwicklung nicht selbstverständlich. Um ebenfalls drei Prozent sind die Kundenersparnisse auf 1,55 Milliarden Euro gewachsen. Laut Bank sind "eindeutige Wachstumsträger die Geldmarktkonten". Hier sei der Bestand auf 230 Millionen gesteigert worden. Auch die Wertpapierumsätze seien auf 250 Millionen Euro gestiegen, und hier werden weiter gute Geschäfte gewittert. "Die Hälfte ist Psychologie. Man liest nur Positives, und die Börse nimmt diesen Trend voraus und hat gute Schritte nach vorne getan", sagte Winfried Gassen. Eine traditionellere Geldanlage, nämlich die ins Eigenheim, stimme ebenfalls zuversichtlich. "Es gab zwar einen Vorzieheffekt wegen der Eigenheimzulage im Herbst, aber der Drang zum eigenen Haus ist nach wie vor sehr stark", sagte Edmund Schermann. Man wolle sich für die Zukunft "vom Kuchen der Wohnungsbaufinanzierung einen größeren Teil herausschneiden". Traditionelle Geldanlage stimmt positiv

Dabei setze man auch auf das Thema Energieeinsparung, das künftig den Verkehrswert der Gebäude beeinflussen werde. Die gelte auch für den gewerblichen Bereich, in dem man allgemein darauf setzt, dass die bisherige Investitionszurückhaltung umschlage. "Der Knoten müsste sich so langsam lösen, weil sich das Stimmungsbild verbessert hat", kommentierte Lothar Künzer. Eine problematische Sparte sei immer noch der Bereich Einzelhandel, dessen Umsatzerlöse sich weiter verringert hätten. Bei den Finanzierungsformen sieht die Bank einen sprunghaften Anstieg im Bereich Leasing. Wichtig sei für die Sparkasse auch die Umstellung der elektronischen Datenverarbeitung auf die "Gesamtbanklösung der Sparkassen- Informatik" gewesen, der sich 230 Sparkassen angeschlossen haben. Dadurch seien Freiräume aufgedeckt worden, die man jetzt im Vertrieb einsetzen könne. "Es ist mehr Zeit für den Kunden da", sagte Edmund Schermann, "und wir wollen uns durch eine ganzheitliche Kundenbetreuung von den Direktbanken unterscheiden. Das sind keine neuen Dinge. Aber das wird systematischer und effizienter." Sowohl den Privat- wie den Vermögens- oder Firmenkunden wolle man über die verschiedenen Lebensphasen hinweg betreuen. "Wie ein Arzt, der sich ein Gesamtbild macht, um eine Diagnose zu stellen, wollen wir mit unseren Beratungen zu einer vernünftigen Vermögensstruktur kommen", erklärte Winfried Gassen. "Was hat er, was braucht er, was plant er" seien Leitfragen rund um den individuellen Kunden, die jedermann so zu einer Art finanziellem Maßanzug verhelfen sollen. Die Bank selbst hat wohl derzeit ihren Maßanzug gefunden. Weitere Fusionen in Richtung Trier oder Koblenz seien derzeit kein Thema. Größer heißt nicht immer besser

"Eventuell sind nach der Landtagswahl, sollte eine kommunale Gebietsreform kommen, Verschiebungen denkbar", meinte Winfried Gassen. "Aber aus unserer Sicht ist eine Fusion auf keinen Fall geboten. Denn es gilt nicht, je größer die Sparkasse ist, je besser sind die Ergebnisse. Ich denke aber, eine Mindestgröße ist notwendig, um in die Zukunft zu steuern. Und wir sind aus eigener Kraft in der Lage, die Dinge zu regeln."