Medizinische Versorgung: Es gibt erste Erfolge - Projektgruppe des Landkreises startet erste Kooperationen

Medizin : Junge Ärzte sollen im Kreis „kleben“ bleiben

Eine Projektgruppe entwickelt eine Strategie, die medizinische Versorgung im Kreis stabil zu erhalten. Sie ist dabei erfinderisch.

Es gibt immer weniger Landarztpraxen, die nachrückenden Mediziner wollen häufig keine Vollzeitstelle übernehmen, ein Drittel der Ärzte im Landkreis sind aber schon im rentenfähigen Alter, 70 Prozent der Medizinstudenten sind Frauen. Man nimmt an, dass diese eher im Angestelltenverhältnis praktizieren wollen. 82 Prozent der niedergelassenen Ärzte sind laut den Kreisdaten der kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz in einem Alter von 55 Jahren und aufwärts. Daher werden viele Ärzte in einem zeitlich engen Zeitraum Nachfolger für ihre Einzelpraxen suchen müssen.

Zu diesem Schluss kam im vergangenen Jahr eine Untersuchung des Fachbereichs Kreisentwicklung der Kreisverwaltung in Wittlich (der TV berichtete am 5. September 2018). Noch sei die ärztliche Versorgung im Landkreis gegeben. Allerdings sei die Versorgung regional unterschiedlich. Der Lösungsansatz war es, sogenannte Medizinische Versorgungszentren (MVZ) zu entwickeln und zu fördern. Dort arbeiten Ärzte in einem Angestelltenverhältnis bei einem übergeordneten Träger, der das Gebäude anmietet oder kauft. Anders sei die flächendeckende Versorgung mit Ärzten im Landkreis kaum zu bewerkstelligen, hieß es. Deshalb hatte die Kreisverwaltung eine Projektgruppe gegründet.

Mittlerweile gibt es auch Bewegung in der Thematik. In Thalfang übernahmen zwei junge Ärztinnen, die sich die Stelle teilen, eine Praxis. Auch in Morbach konnte ebenfalls ein Nachfolger für eine vakante Arztpraxis gefunden werden.

Die Schaffung von Medizinischen Versorgungszentren bleibt aber die langfristige Strategie der Kreisverwaltung. Manuel Follmann, Sprecher der Kreisverwaltung, erklärt die Vorteile: „Die Vorteile dieser kooperativen Versorgungsmodelle sind unter anderem eine Entlastung der Kostenersparnis durch gemeinsam genutzte Räumlichkeiten, Gerät und Personal, eine Ausweitung des Leistungsspektrums und auch die Möglichkeit flexibler Arbeitsteilung.“ Das führe zur Entlastung der Ärzte von Verwaltungsaufgaben, die ein Praxismanager übernehmen könnte.

Dazu habe es bereits seit August 2018 Gespräche mit Ärzten der Gemeinde Morbach gegeben, erklärt Follmann. „Ziel des Versorgungsmodells soll es ein, dass ältere Ärzte unter administrativer Entlastung möglichst lange in der Versorgung gehalten und junge Ärzte in attraktive Anstellungsmodelle integriert werden sollen. Die ambulante ärztliche Versorgung soll so möglichst gestärkt und weitestgehend erhalten bleiben,“ sagt Follmann.

Ein weiteres Projekt betreffe die Gründung eines Weiterbildungsverbundes für den Landkreis Bernkastel-Wittlich. Follmann: „Die Besonderheit in der Weiterbildung zum Facharzt für Allgemeinmedizin liegt darin, dass zwingend Weiterbildungsabschnitte sowohl im stationären Bereich als auch im ambulanten Bereich abgeleistet werden müssen.“ Das bedeute, dass sich Ärzte, die eine Weiterbildung im Gebiet der Allgemeinmedizin absolvieren möchten, die erforderlichen Weiterbildungsabschnitte in Kliniken und Praxen selbst organisieren müssen.

Dazu ist ein Weiterbildungsverbund gegründet worden, in dem sich niedergelassene Ärzte und Ärztenetze sowie Kliniken auf regionaler Ebene zusammenschließen und die Weiterbildung als Komplettpaket anbieten. Follmann: „Nach der gut frequentierten Auftaktveranstaltung im November 2018 gab es 2019 eine weitere Veranstaltung, in deren Rahmen sich potenzielle Verbundpartner getroffen haben, um eine gemeinsame Kooperationsvereinbarung zu formulieren. Diese Kooperationsvereinbarung ist mittlerweile von zwei Kliniken (Verbundkrankenhaus Bernkastel/Wittlich und Median Reha-Zentrum Bernkastel-Kues) als stationäre Partner und vier Ärzten aus drei Arztpraxen als ambulante Partner unterzeichnet worden.“

Dieser Verbund könne nun bei der Kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz eingetragen werden. Gleichzeitig soll er beworben werden, zum Besipiel durch Flyer und eine Webseite, um künftige Weiterbildungsassistenten in die Region zu locken. Man erhoffe sich hierdurch eine Art „Klebeeffekt“. Follmann: „Wenn die angehenden Allgemeinmediziner die Region kennen und schätzen gelernt haben, können sie durch diese Bindung vielleicht in Erwägung ziehen, nach der Ausbildung in der Region zu bleiben und sich zum Beispiel in Gemeinschaftspraxen oder MVZ anstellen lassen.“

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