1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Mehr als 200 000 Besucher in Bernkastel-Kues - Tragischer Unfall wirft einzigen Schatten

Mehr als 200 000 Besucher in Bernkastel-Kues - Tragischer Unfall wirft einzigen Schatten

Das 66. Weinfest der Mittelmosel ist Geschichte. Es war in wirtschaftlicher Hinsicht ein Fest der Superlative. Vielen Menschen dürfte aber der Unfalltod einer jungen Frau nicht aus dem Sinn gehen.

Bernkastel-Kues. Dienstagmorgen kurz nach 9 Uhr am Bernkasteler Gestade. Auf der 250 Meter langen Straße, die fünf Tage und Nächte die Weinstraße der Mittelmosel war, herrscht schon wieder Betrieb. Hier und auf dem angrenzenden Karlsbader Platz werden die fast 50 Wein- und Essenstände abgebaut.
Den Abbau übernehmen Leute, die auch in den Ständen Dienst gemacht und Wein verkauft haben. Der TV fragt nach: Wie lief es auf dem Hauptanziehungspunkt des Weinfestes? Es gibt nur positive Antworten. "Es war hervorragend, noch nie so gut", sagt Winzer Alfred Gessinger, Mitglied in der Vereinigung Bernkasteler Ring. Er ist seit 20 Jahren dabei und hat den Stand am Wochenende gemeinsam mit einem Ring-Kollegen aus Trittenheim betrieben.
"Es war sehr gut", bestätigen Josef Bernard aus Graach und Andreas Bottler aus Mülheim. Besonders der Weinfestdonnerstag entwickle sich zu einer festen Größe, betonen alle drei Winzer.
Weinfestorganisatorin Barbara Jakobs (Mosel-Gäste-Zentrum) war natürlich im Laufe des Festes nicht nur auf der Weinstraße sondern auch auf dem Rummelplatz und dem Kunsthandwerkermarkt unterwegs. "Alle sind zufrieden, es gab sehr viel Lob", sagt sie.
In dieser Woche wird es noch die obligatorische Manöverkritik geben. Fest steht schon, so Barbara Jakobs, dass der Moselblümchen-Treff (Frauen in Tracht) im kommenden Jahr, wie im vergangenen Jahr wieder mit einem kleinen Umzug eingeläutet werden soll. Vergangenen Donnerstag sei der Auftritt etwas untergegangen, bedauert Jakobs.
Verbessert werden soll auch die Beschallung beim Empfang der Mosella auf dem Marktplatz.
Viel Lob habe es für das abwechslungsreiche Musikprogramm gegeben. Nur die Fans von Leiendecker Bloas mussten in die Röhre schauen. Der Auftritt am Montagabend musste kurzfristig wegen einer Erkrankung von Helmut Leiendecker abgesagt werden. Stattdessen standen Luigi & Friends auf der Bühne. "Es herrschte trotzdem eine Superstimmung", sagte Jakobs.
Da die Stadt speziell am Samstag und Sonntag brechend voll war, am Samstagabend erreichten sogar nicht alle Anreisenden ihr Ziel, dürfte die Besucherzahl wider über der magischen Grenze von 200 000 gelegen haben.
Was für ein organisatorischer Aufwand notwendig ist, wird an einer Zahl deutlich. Die Zahl der einheitlichen Weingläser, die die Stadt an die Stände ausgeben, habe bei 25 000 gelegen, berichtet Barbara Jakobs.
"Es wäre das stimmungsvollste, harmonischste, umsatzstärkste und besucherstärkste Weinfest, gäbe es nicht diese Sache", sagt Stadtbürgermeister Wolfgang Port. Mit dieser Sache meint er den Unfall am frühen Sonntagmorgen, bei dem eine 32 Jahre alte Frau starb (siehe Extra). Barbara Jakobs: "Das wirft schon einen Schatten und hat uns sehr geschockt."Extra

Ergreifende Szenen spielten sich am Montagabend in der Nähe des Ortes ab, wo die 32 Jahre alte Frau und ihr zwei Jahre älterer Begleiter am frühen Sonntagmorgen vom Wagen eines betrunkenen Autofahrers erfasst worden waren . Sanitäter des Deutschen Roten Kreuzes, beim Weinfest in großer Zahl im Einsatz, stellten Kerzen auf den Boden und beteten das Vaterunser. Dort hatten auch die Bürgermeister Wolfgang Port und Ulf Hangert während des Festzuges eine Gedenkminute abgehalten. Die Musikkapellen hielten an der Stelle in ihrem Spiel inne. Nichtsahnende Besucher konnten mit dieser Szenerie nichts anfangen. Wolfgang Port bekräftigte am Dienstag noch einmal, dass eine Durchsage nur für Emotionen gesorgt hätte. Der mutmaßliche Unfallfahrer, der aus Traben-Trarbach und nicht wie teilweise berichtet aus Lieser kommt, hatte vier weitere Personen gefährdet. Er sitzt in Untersuchungshaft. Am Dienstag wurde kolportiert, auch der Begleiter der Frau sei gestorben. Das stimmt nicht. Nach Auskunft von Klaus Herrmann (Polizeiinspektion Bernkastel-Kues) ist er bereits wieder zuhause. Nach Auskunft des Beamten hat es beim Weinfest wie immer Alkoholkontrollen gegeben. Unter anderem seien am Montag Beamte an verschiedenen Orten im Einsatz gewesen. Ein Fahrer habe seinen Führerschein verloren. Kontrollen gebe es, wenn zusätzliche Kräfte der Bereitschaftspolizei verfügbar seien. cb