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Mehr als ein Generationenwechsel im Haus der Jugend

Mehr als ein Generationenwechsel im Haus der Jugend

Im Zuge der Neukonzeption der Jugendarbeit, für die unter anderem eine neue städtische Stelle geschaffen wurde, folgt aktuell eine unbeabsichtigte Änderung: Weil zwei Awo-Mitarbeiter ihre Stellen im Haus der Jugend gekündigt haben, endet auch die Trägerschaft für die Einrichtung durch die Arbeiterwohlfahrt.

Wittlich. Wer ein Problem mit Behörden hat, für den ist Dieter Burgard da. Er ist Bürgerbeauftragter des Landes in Mainz. Weitaus länger ist der Saarländer und SPDler Wahlwittlicher. In der Heimat war er vor Jahrzehnten für die jungen Säubrenner da. Als Vorsitzender des damaligen Stadtjugendrings hat er sich für die Einrichtung eines Jugendhauses für die Kreisstadt eingesetzt. "Das war für manche noch ein rotes Tuch. Als wir einen Träger gesucht haben, haben alle vom Bistum bis zum DRK abgewunken. Ich weiß noch, wie ich dann mit Bürgermeister Hagedorn nach Koblenz zur Awo gefahren bin", erinnert er sich. Die vor mehr als 30 Jahren ausgehandelte Trägerschaft der Awo für das Wittlicher Haus der Jugend ist nun Stadtgeschichte. Wie es heißt, im Einvernehmen mit der Awo. Denn der Stadtrat hat die Beendigung des Vertrages beschlossen und der Übernahme der Trägerschaft durch die Stadt Wittlich zum 1. Juli zugestimmt. Dazu sollen Verwaltung und Beirat Jugendarbeit Wittlich die Schaffung eines Trägervereins prüfen. Auslöser der Wende: Der Awo-Mitarbeiter Hans Floter hat nach 26 Jahren gekündigt und geht Ende Juni, Sigrid Beek hat ebenfalls gekündigt und schon zum Jahresbeginn die Einrichtung verlassen (der TV berichtete). Die Awo, bei der die Personalhoheit bislang lag, habe keinen Ersatz und könne für die noch laufende Vertragszeit von eineinhalb Jahren auch keinen einstellen, sagte der Bürgermeister. Stadt schreibt jetzt Stellen aus

Um "handlungsfähig zu bleiben, weil wir hier im Juli einen personellen Notstand haben, ist es am elegantesten, wenn wir jetzt die Stellen ausschreiben. Wenn wir einstellen, müssen wir auch Verlässlichkeit schaffen", so Joachim Rodenkirch und: "Der Vorschlag ist ja nicht vom Himmel gefallen, sondern im Fachausschuss erarbeitet worden." Bei der Abstimmung haben sich Ali Damar, Linke, und die Grünen enthalten. Für Letztere hatte Stephan Lequen vor der Abstimmung zunächst den Antrag gestellt, alles so zu belassen, wie es noch bis zum 31. Dezember 2017 laufen würde, wenn man den bislang geltenden Kooperationsvertrag mit der Awo nicht vorzeitig kündige. Seiner Fraktion sei nicht klar: "Warum sollen wir den Vertrag vorzeitig auflösen? Nur weil zwei Mitarbeiter gekündigt haben, wollen wir was Eigenes stricken? Welche Vor- und welche Nachteile hätte das? In der Beschlussvorlage steckt wenig drin, was aussagt, wie es mit dem Haus der Jugend weitergehen soll." Doch dann zog er den Antrag zurück. Unter anderem hatte ihm Ralf Dörrenbächer, SPD, erklärt: "Alle Fragen haben wir stundenlang im Sozialausschuss besprochen. Jetzt muss ich schon überlegen, warum davon gar nichts bei Euch angekommen ist." Lequen gestand ein "Defizit an Info" ein und dass man eine "Holschuld" gehabt hätte.Und ohne weitere Debatte wurde der Vertragsauflösung zugestimmt. Dieter Burgard sagt auf TV-Nachfrage: "Ich bedaure das. Ich bin dankbar, dass die Stadt bislang viel Geld dafür in die Hand genommen hat. Ich hoffe, dass jetzt nicht irgendwann der Rotstift ausgepackt wird."Meinung

Personalie mit LangzeitfolgenVor mehr als 30 Jahren gab es in Wittlich eine große Demonstration: Jugendliche und Erwachsene forderten ein Haus der Jugend. Das war damals etwas, wovon die Stadtpolitik erst überzeugt werden musste. Doch dann stand die Entscheidung. Dass die Stadt, die finanziell die Hauptlast schultert, die Trägerschaft abgegeben hat, beziehungsweise abgeben konnte, war gut. Im Übrigen haben damals viele von Kirche bis DRK abgewunken, die Verantwortung zu übernehmen. Die Arbeiterwohlfahrt war allein bereit dazu. Sie steht auch für eine Art sozialen Leitgedankens. Jetzt endet diese Ära. Vorausgegangen ist eine Personalie mit Folgen: Die bewährten Awo-Mitarbeiter haben gekündigt. Der Haus-Leiter nach 26 Jahren! Dabei darf vermutet werden, dass das mit den Ereignissen in der Vergangenheit zu tun hat, die von der Stadtpolitik zur Neukonzeption der Jugendarbeit politisch gewollt sind. Das ist schade. Nun ist ein guter Neustart zu wünschen. s.suennen@volksfreund.de