Mehr Bildung, mehr Engagement, mehr Schulden

Wittlich · Verwaltungsreform und Kommunalwahl prägten das Jahr 2014 im Landkreis. Im TV-Interview zieht Landrat Gregor Eibes Bilanz. Er wünscht sich für die Zukunft eine höhere Wahlbeteiligung. Straßensanierungen und Bildung seien wichtige Aufgaben, die die Verwaltung im nächsten Jahr angehen muss.

Wittlich. Flächendeckend sollen im Landkreis im nächsten Jahr elektronische Schultafeln angeschafft werden. Aber auch die Schulden steigen. Landrat Gregor Eibes blickt im Interview mit TV-Redakteur Hans-Peter Linz zurück und erzählt, was im nächsten Jahr ansteht.Was waren aus Ihrer Sicht die bedeutenden Ereignisse im vergangenen Jahr?Gregor Eibes: Im gesellschaftlich-kulturellen Bereich waren das der Besuch des Bundespräsidenten, die Verleihung des Kulturpreises an die Schauspielerin Barbara Philipp, die Auszeichnung des neuen Kinofilms "Die andere Heimat" von Edgar Reitz mit dem Deutschen Filmpreis und die Aktion "Stille Stars", mit der wir herausragende Ehrenamtler würdigen. Im politischen Bereich war die kommunale Verwaltungsreform bedeutend. Als Landkreis, in dem gleich vier Verbandsgemeinden verändert wurden, waren wir stark betroffen. Wie schätzen Sie die Beteiligung der Bevölkerung an der Kommunalwahl ein. 2009 waren es noch 60,8 Prozent - 2014 58,7 Prozent?Eibes: Es ist wichtig, dass sich viele für die politische Arbeit in unsren Kommunen engagieren und ich bin froh, dass sich genug Menschen für die Wahl zum Gemeinderat gestellt haben. Die Wahlbeteiligung selbst hätte jedoch gerne höher ausfallen dürfen.In einigen Gemeinden hatten sich damals keine Kandidaten gefunden, so dass der Rat den Bürgermeister selbst wählen musste. Mit welchen Argumenten würden Sie Menschen ermuntern, sich für ein solches Amt zur Wahl zu stellen?Eibes: Die Ortsgemeinden sind der Kern der Kommunalen Selbstverwaltung und der Bürgerbeteiligung. Deshalb ist das Bürgermeisteramt für mich nach wie vor eines der herausragendsten Ehrenämter. Die ehrenamtlichen Bürgermeisterinnen und Bürgermeister bewegen vieles innerhalb der kommunalen Familie. Sie verwalten nicht nur, sondern sie gestalten die Zukunft ihrer und unserer Heimatgemeinden. Das Ehrenamt stellt eine wichtige Säule im Zusammenleben der Menschen dar. Gibt es herausragende Beispiele im Landkreis?Eibes: Das Ehrenamt im Landkreis ist vielfältig. Ob im sozialen, kulturellen oder sportlichen Bereich, ob in Vereinen, Gruppierungen oder als einzelne Person - die ehrenamtlich engagierten Menschen im Landkreis leisten Unschätzbares. Es fällt daher immer schwer, einzelne Projekte hervorzuheben. Erst kürzlich haben wird den Bürgerpreis "Stille Stars" ausgelobt, um ehrenamtlich engagierte Menschen ins Blickfeld der Öffentlichkeit zu rücken. Welche Projekte werden den Landkreis auch im nächsten Jahr noch beschäftigen, wo liegen die Schwerpunkte?Eibes: Bildung und Straßenbau werden nach wie vor wichtige Investitionsschwerpunkte sein. Im Straßenbau werden wir rund drei Millionen Euro in die schlechtesten Kreisstraßen investieren. Hier müssen wir einfach Prioritäten setzen, denn die Wunschliste ist zu lang, um sie in Gänze abzuarbeiten. Für Schulbaumaßnahmen haben wir 8,36 Millionen Euro an Investitionen veranschlagt. Dahinter steht ein Schulbauprogramm, das uns fordern wird. Denn mit der Errichtung der Mensa der Kurfürst-Balduin-Realschule plus Wittlich und des Cusanus-Gymnasiums Wittlich sowie der Herstellung der Raumprogramme an der IGS Salmtal und am Gymnasium Traben-Trarbach müssen einige Großbaustellen abgewickelt werden.Zudem wollen wir die Medienkompetenz an den Schulen stärken und flächendeckend interaktive Tafeln anschaffen. Welche Projekte konnten erfolgreich abgeschlossen werden?Eibes: Da wäre der Moselsteig zu nennen. Mit diesem Fernwanderweg wird der Tourismus im Landkreis einen großen Schub erhalten. Denn Wandern ist neben Radfahren und Kulinarik eines der wichtigen Segmente im Tourismus der Region. Erwähnenswert ist auch das Spanier-Projekt, mit dem wir zur Fachkräftesicherung beitragen konnten. Hier kamen im Rahmen eines EU-Programms 30 Auszubildende aus Spanien an die Mosel, um in Hotel- und Gaststättenbetrieben über eine duale Ausbildung eine Zukunftsperspektive zu erhalten. Abgeschlossen werden konnte auch die Gründungsphase der Anstalt öffentlichen Rechts "Energie Bernkastel-Wittlich". Ein wichtiger Schritt, um jetzt in die konkrete Planung von neuen Windenergiestandorten einzusteigen.Was sind besondere Herausforderungen? Eibes: Der Landkreis Bernkastel-Wittlich steht wie alle Kommunen vor riesigen Herausforderungen in den Bereichen der Jugend- und Sozialhilfe, der Sicherung der Kinderbetreuung, der Inklusion, der zunehmenden Flüchtlingshilfe und den Folgen der demografischen Entwicklung.Diese den gesellschaftlichen Veränderungen geschuldeten gewaltigen Herausforderungen kann der Landkreis Bernkastel-Wittich im Interesse der betroffenen Menschen nur meistern, wenn alle politischen Ebenen gemeinsam an einem Strang ziehen, ihren finanziellen Beitrag dazu leisten und dabei die kommunale Familie nicht alleine lassen. Was wollen Sie persönlich im nächsten Jahr als besonderen Schwerpunkt angehen?Eibes: Ein großes Anliegen wird mir die Stärkung der Haushalts- und Finanzlage des Landkreises sein. Ich werde mich weiter vehement dafür einsetzen, dass die Landkreise das Geld erhalten, das sie für die Erfüllung ihrer Aufgaben benötigen. Insofern bin ich gespannt, wie die Klage gegen das Landesfinanzausgleichsgesetz ausgehen wird. Weiter will ich im nächsten Jahr verstärkt Firmen besuchen. Dabei will ich mich unter anderem über die aktuelle Situation der Fachkräfteversorgung informieren, um Möglichkeiten zu erarbeiten, wie die Politik die Wirtschaft bei diesen großen Herausforderungen der Zukunft unterstützen kann.hpl