Mehr breit als hoch und trotzdem der Größte

WITTLICH-NEUERBURG. Der Guinness-Buch-Eintrag ist den Neuerburgern so gut wie sicher: Sie sind die ersten, die je einen Kürbisturm gebaut haben. Der wurde zwar "nur" 1,74 Meter hoch, wird aber dennoch weltberühmt werden. Der Turm wurde am Sonntag schon gebührend bewundert.

"Bitte nicht auf der Wiese tanzen. Wir haben Angst, er bricht zusammen", sagt Wolfgang Schmeiser. Auf der Wiese vor dem Festzelt liegen Kürbisse in allen erdenklichen Formen und Größen vom Apfel bis zum Wagenrad übereinander. Gegen 15 Uhr kreist ein letztes Mal eine Drehleiter mit Thomas Nickel über dem Berg aus Gemüse. Nickel setzt ein besonders langes Exemplar auf die Spitze: Das bringt Zentimeter! Ein Mann mit Stubbi in der Hand nimmt Augenmaß: "1,80 Meter ist er nicht. Aber die Spitze ist schön." Ein anderer flachst: "Wir messen die Breite, dann kommen wir weiter." Kurz vor der offiziellen Messung mit Bürgermeister Ralf Bußmer kullert dann der oberste Kürbis herab. Zu groß war wohl die Erschütterung, denn einige hundert Neugierige wollten sich das Spektakel nicht entgehen lassen und umrundeten den Neuerburger Spezial-Turm. Die ursprüngliche "Schnapsidee", ein Kürbisfestival und gleich einen Weltrekordversuch in einem zu bieten, war ein Erfolg.Kürbis des Tages kommt aus der Römerstraße

Das Zelt war brechend voll. Davor lag neben einer riesigen Waage ein echt dickes Ding: Der schwerste Kürbis des Tages. Er kam aus Wittlichs Römerstraße. Ilse und Heinz Lange haben ihn groß gezogen: 60,5 Kilo, 191,5 Zentimeter Umfang und 61 Zentimeter Durchmesser. Ihr Rezept: "Einfach Kompost, mehr nicht." Und Sieger Heinz Lange sagt: "Eigentlich dachte ich, die Neuerburger hätten dickere." Jetzt kommt das gute Stück wieder in den Familienbesitz: "Der ist für unserer Schwiegertochter. Die macht Suppe daraus und ihre fünfjährigen Zwillinge können was daraus schnitzen." Die stolze Oma hält einen Teddy im Arm, für ihre Sammlung. Erstanden hat sie ihn auf dem Kinderflohmarkt im Zelt. Dafür gab es 36 Meldungen, als Gebühr wurde ein Kuchen verlangt. Dessen Verkaufserlös sowie die Einnahmen aus der Lotterie sowie der Verkauf der "Rekord-Kürbisse" ist für die Kinder des Stadtteils bestimmt: Spielgeräte sollen angeschafft werden. Und überhaupt, die Kinder haben ihren besonderes Spaß beim Fest, ob als Verkäufer ihres Spielzeugs, Kürbiskünstler oder Besucher. "Oh, hat der eine lustige Nase", wundert sich ein Junge, der die geschnitzen Exemplare bewundert, die vor dem Zelt ausgestellt sind. Mit Messerchen und Spezialnadel verwandelt derweil am Basteltisch daneben Pierric einen Kürbis in eine lustige Fratze, es ist die letzte für diesen Tag. "Jetzt haben wir keine mehr. Die sind alle im Turm verbaut", sagt Gundi Schmeiser, die mit Ellen Ferner und Ingeborg Daniel die kleinen Handwerker betreut hat.Spezielle Hilfsmittel sind tabu

Für das Spektakel waren viele Helfer nötig: "Wir sind alle fix und fertig, aber total begeistertvon der großen Unterstützung, die wir von allen Seiten erhalten haben", erklärt Wolfgang Schmeiser. Er hat mit Rolf Bauer, Thomas Nickel und Uwe Benter gut vier Stunden am Turm gearbeitet: "Wir mussten öfters umbauen und das Fundament verkleinern." Hilfsmittel wie Spezial-Gemüse-Kleber, falls es so etwas gibt, waren tabu. Thomas Nickel, der gerade von seiner letzten Stapelaktion vom Lift geklettert ist, sagt: "Drei, vier Mal ist einiges runter gekullert. Da ist das Fundament wieder breiter geworden. Das Stapeln an sich ist überhaupt nicht schwer. Aber von oben verliert man leicht den Überblick." Und selbst die Skeptiker in der Menschenmasse, die zum Finale das Bauwerk umringt, meinen jetzt: "Na von der Höhe ist er nicht gerade groß, aber es sind wirklich viele Kürbisse." Für den Weltrekord ist es sowieso egal. Wolfgang Schmeiser sagt: "Wir vermuten, dass wir den Eintrag schaffen. Denn bisher hat das noch keiner gemacht." Außerdem will man in Wittlich-Neuerburg 2005 noch einen draufsetzten. Dass die erfolgreiche Premiere im kommenden Jahr eine Fortsetzung findet, steht schon fest.

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