Mehr Geld, mehr Besitz, mehr Rausch
Wittlich · Mehr als 100 Fachleute und weitere Interessierte haben an der Fachtagung "Drogenhilfe im ländlichen Raum" in der Synagoge in Wittlich teilgenommen.
Wittlich. Die Veranstaltung wurde von der Suchtberatung des Caritasverbandes zusammen mit der Landeszentrale für Gesundheitsförderung Mainz organisiert.
Jörg Petry, Projektleiter in der Allgemeinen Hospitalgesellschaft für pathologisches Glücksspielen, referierte zum Thema "Glücksspielsucht". Nach seinen Worten sei insbesondere erwähnenswert, dass mit der Umsetzung des Staatsvertrags für das Glücksspielwesen die Gewinne der staatlichen Glücksspielanbieter stark zurückgegangen seien, während die gewerblichen Anbieter zunehmende Einnahmen verzeichneten und immer neue Spielhallen eröffneten. Problematisch sei, dass die Mehrheit der pathologischen Spieler an Geldspielautomaten in gewerblichen Spielhallen spiele und die Zahl der Abhängigen mit der Zahl an Spielautomaten steige.
Claudia Chodzinski, Diplom-Sozialarbeiterin und spezialisiert auf Traumabehandlung, deckte in ihrem Vortrag "Trauma und Sucht — wenn das Trauma nach Linderung sucht" auf, dass Fehltage am Arbeitsplatz zu 57 Prozent aufgrund der Diagnose "Psychische und Verhaltensstörungen" erfolgen. Dahinter verberge sich häufig eine Suchterkrankung oder Traumatisierung, die verkannt werde. Immer noch viel zu wenig erfrage Fachpersonal, ob es im Leben des Ratsuchenden traumatisierende Ereignisse gegeben habe. Posttraumatische Folgen würden dadurch nicht adäquat behandelt.
Dr. Martin Reker, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, stellte in seinem Vortrag "Sucht als konstitutives Merkmal der Zeit, in der wir leben" die These auf, dass immer mehr Menschen "metaphysisch obdachlos" seien. Der Mensch neige dazu, alles sofort haben zu wollen: mehr Geld, mehr Besitz, mehr Rausch. Auch die einst ländlich-romantische Idylle sei schnelllebiger geworden und von Leistungs- und Besitzdenken geprägt. Reker sieht jedoch Vorteile im ländlichen Bereich und regt an, diese noch mehr im Rahmen der Suchtprävention zu nutzen.