Kostenpflichtiger Inhalt: Vom Hochmoselübergang profitieren : Mehr Gewerbe für Wittlich-Land

Der Hochmoselübergang lässt grüßen: Die Verbandsgemeinde möchte nun ihr ganzes Potenzial heben und herausfinden, wo noch Platz für Industrie und Gewerbe wäre.

Niemand würde bezweifeln, dass die Region derzeit einen immensen wirtschaftlichen Aufschwung erfährt: Denn ein Gewerbegebiet nach dem anderen sprießt aktuell in und um Wittlich aus dem Boden (der TV berichtete). Ein direkter Zusammenhang mit dem Mega-Infrastrukturprojekt Hochmoselübergang, der in diesem Jahr eröffnet werden soll und wohl als Triebfeder der Entwicklung dient, ist nicht von der Hand zu weisen. Aufgrund ihrer Verkehrsanbindung und Lage, die sich mit der Eröffnung des Hochmoselübergangs noch verbessern werden, ist die Region Wittlich als Standort heiß begehrt. Industrie- und Gewerbegrundstücke gehen weg wie geschnitten Brot.

Ein Ende der Fahnenstange scheint dabei derzeit noch nicht in Sicht. Allein die Flächenknappheit scheint der wirtschaftlichen Entwicklung Grenzen zu setzen. Doch davon haben die meisten Interessenten noch gar keinen Schimmer: Obgleich die Stadt Wittlich und die Verbandsgemeinde Wittlich-Land kaum mehr Flächen anzubieten haben, geben sich Großunternehmen und Betriebe jeder Art und Größenordnung bei den Verwaltungen die Klinke in die Hand. Sie alle fragen nach Gewerbegrundstücken, um sich in und um Wittlich anzusiedeln. Wer bei der Stadtverwaltung Wittlich vertröstet wird, weil derzeit alles ausverkauft ist, der findet schon bald den Weg zur Verwaltung der Verbandsgemeinde Wittlich-Land, um dort sein Glück zu versuchen. Dabei hat die Verbandsgemeinde bei Weitem keine so großen Gewerbegebiete vorzuweisen wie die Stadt Wittlich – auch wenn die VG mit der Ortsgemeinde Hetzerath am Industriepark Region Trier (I.R.T.) beteiligt ist. Im Vergleich zur Stadt Wittlich, Föhren und dem geplanten interkommunalen Gewerbegebiet bei Maring-Noviand hat die VG mit Landscheid, Laufeld und Wallscheid keine allzu großen Industrie- und Gewerbegebiete zu bieten.

Doch das könnte sich bald ändern: Die Verbandsgemeinde Wittlich-Land möchte sich nun auch eine dickere Scheibe vom Kuchen abschneiden und ihr gesamtes Potenzial als Gewerbe- und Industriestandort heben. Darüber hat der Verbandsgemeinderat auf seiner jüngsten Sitzung in Nierscheid diskutiert und auch einen Beschluss gefasst.

Die Sache ins Rollen gebracht hat ein Antrag der Ortsgemeinde Wallscheid. Die 350-Einwohner-Gemeinde würde nämlich nahe der Autobahn A 1 gerne ein mehr als 60 Hektar großes Gewerbegebiet ausweisen.

Doch diesen Gefallen wollte der VG-Rat der Ortsgemeinde nicht erfüllen. Der Rat billigte zunächst mal eine Erweiterung des Bestands in Wallscheid um 3,2 Hektar. Eine Änderung des Flächennutzungsplans soll auf den Weg gebracht werden.

Die Erschließung weiterer Flächen in Wallscheid soll im Zuge einer von der Verbandsgemeinde veranlassten Studie zu potenziellen Gewerbegebieten in der VG diskutiert werden und liegt damit zunächst mal auf Eis. „Es ist ja nicht ausgeschlossen“, sagt Bürgermeister Dennis Junk, „dass wir die übrigen Flächen von 57 Hektar in Wallscheid noch angehen. Sie sind ja nicht weg.“ Er ergänzt: „60 Hektar sind natürlich auch eine gigantische Zahl. Aber taktisch wäre es schwierig, sie nun auszuweisen, wenn wir noch nicht wissen, wo in der Verbandsgemeinde sonst noch mehr Gewerbe möglich ist.“
Viele Flächen, meint der Bürgermeister, würden aus Gründen des Naturschutzes und anderer Belange ausscheiden. „Auf den ersten Blick ist vieles nicht möglich. Aber wenn die Ortsgemeinden wüssten, wo etwas übrig bleibt, dann würden sie es angehen.“ Es müsse nun vorerst untersucht werden, auf welcher Gemarkung wo und was möglich sei, sagt Junk. Die Verbandsgemeinde brauche ähnlich wie zur Windkraftplanung ein Pamphlet, in dem man nachschauen könne, wo gewerbliche Entwicklung möglich sei. Der VG-Rat müsse eine Planung zu möglichen Gewerbeflächen auf den Weg bringen. Junk: „Sonst kommen uns andere zuvor.“

Die Butter vom Brot nehmen lassen, will man sich in der VG Wittlich-Land also schon mal nicht. Junk sagt: „Und alle, die bei der Stadt Wittlich fragen und beim I.R.T., die klopfen auch bei uns an.“

Es sei nur wichtig, sagt der Bürgermeister, dass die VG bei der Entwicklung weiterer Gewerbeflächen preislich unter dem Level der Stadt Wittlich und dem des I.R.T. bleibe. „Sonst wird es schwierig. Wir müssen uns gut am Markt positionieren. Wenn wir nicht günstiger sind, werden sich Unternehmen fragen, warum sie nach Wallscheid gehen sollen.“ Den Beschluss, eine Studie zu potenziellen Gewerbeflächen anzugehen, fasste der VG-Rat einstimmig.

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