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Medizin: Mehr Kooperation in der Medizin 

Medizin : Mehr Kooperation in der Medizin 

Die Sozialdemokraten im Kreis wollen sich künftig stärker mit Gesundheitsthemen befassen und Lösungswege zur besseren Versorgung der ländlichen Bevölkerung aufzeigen.

Wie kann man die medizinische Versorgung kostengünstig und bürgernah auf dem Land gestalten? Damit will sich die Arbeitsgemeinschaft der Sozialdemokraten im Gesundheitswesen (ASG) künftig stärker befassen. „Wir wollen die Diskussion darüber intensivieren“, sagt Andreas Höcker vom Kreisvorstand der SPD Bernkastel-Wittlich.

Bei der Auftaktveranstaltung propagiert der Wendelsheimer Mediziner Dr. Günter Gerhardt, ehemals Vorstandsvorsitzender der kassenärztlichen Vereinigung Rheinland-Pfalz und Moderator von Gesundheitssendungen im Fernsehen, die sogenannte sektorenübergreifende Versorgung der Menschen. Was ist darunter zu verstehen? Die ärztliche Versorgung teilt sich auf in Sektoren wie Krankenhäuser für stationäre und Arztpraxen für ambulante Versorgung. Hinzu kommen weitere Anbieter wie beispielsweise Ergotherapeuten, Physiotherapeuten und weitere Dienstleister. „Die Durchlässigkeit der Sektoren müssen wir verbessern“, sagt Gerhardt.

Tausende Menschen kämen in die Notfallambulanzen der Krankenhäuser auch während die Arztpraxen geöffnet sind. 800 000 Menschen hätten in einem Jahr die Notfallambulanzen der Krankenhäuser in Berlin aufgesucht, schildert er an einer Untersuchung. Lediglich 240 000 seien stationär aufgenommen worden. Die übrigen 560 000 hätten eigentlich ihren Hausarzt, Facharzt oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst aufsuchen sollen, sagt Gerhardt.

Laut dem nationalen Aktionsplan Gesundheitskompetenz „verfügen mehr als die Hälfte der Menschen über eine eingeschränkte Gesundheitskompetenz“, erklärt der Arzt. Diese Kompetenz müsse mit Hilfe aller Akteure im Gesundheitswesen nutzerfreundlicher gefördert werden. Wie könnte das aussehen? Gerhardt erläutert das an dem Beispiel Notfallzentrum Frankfurt-Höchst. Dort kommen Patienten an einen gemeinsamen Tresen von Krankenhaus und niedergelassenen Ärzten. Geschulte Kräfte leiten diese je nach Bedarf ins Krankenhaus, die ärztliche Bereitschaftspraxis oder an Mediziner in Partnerpraxen weiter. Auf lange Sicht könnten zudem in ländlichen Regionen Arztpraxen mit Betten für eine kurze Verweildauer ausgestattet werden, und nicht überlebensfähige Krankenhäuser könnten von niedergelassenen Ärzten weiterbetrieben werden. Möglichst schnell sollten Transporte zur ambulanten Diagnostik und Therapie zur Praxis wieder möglich werden, was teure stationäre Aufnahmen erspart.

Gerhardt erläutert dies an einem Beispiel aus seiner Praxis. Eine 86-jährige Frau leidet an einer schweren Hautkrankheit, die zweimal wöchentlich begutachtet und neu verbunden werden muss. Nur kommt die Frau mit öffentlichen Nahverkehrsmitteln nicht zum Arzt. Den ehemaligen sogenannten Taxischein, bei dem die Krankenkasse den Transport zum Arzt zahlt, gibt es nicht mehr. „Sie können die Frau stationär einweisen“, so der Rat der Krankenkasse, was Gerhardt aber nicht will, auch weil es deutlich mehr koste als viele Transporte. Zudem fördere die sektorenübergreifende Versorgung auch die kollegiale Zusammenarbeit zwischen Klinikärzten und ihren niedergelassenen Kollegen. „Es kann den Patienten nur nutzen, wenn niedergelassene Ärzte, die vor ihrer Praxistätigkeit jahrelang im Krankenhaus gearbeitet haben, sich zusammen mit Kollegen im Krankenhaus um ihre Erkrankung kümmern“, so Gerhardt.
„Wir wollen uns weiter mit Gesundheitsthemen auseinandersetzen, was anstoßen und zur Diskussion bringen“, sagt Höcker. Das nächste Treffen der ASG ist für das Frühjahr 2019 vorgesehen. Dann soll das Thema Pflege behandelt werden.