Mehr Rampen für weniger Barrieren in Morbach

Morbach · Mobilität, geeigneter Wohnraum und Arbeitsplätze sind wichtige Aufgaben bei der Integration von Menschen mit Behinderung. Der Landesbehindertenbeauftragte Matthias Rösch hat sich bei einem Besuch des Fachdienstes Ambulante Assistenz ein Bild über die Situation in Morbach gemacht.

Foto: Christoph Strouvelle (cst) ("TV-Upload Strouvelle"

Morbach. Was wird in Morbach für Menschen mit Behinderung getan, und was kann man verbessern? Diese Fragen standen im Mittelpunkt bei einem Besuch des rheinland-pfälzischen Landesbehindertenbeauftragten Matthias Rösch in Morbach bei der Ambulanten Assistenz, Fachdienst für selbstbestimmtes Leben. Diese Einrichtung ist 2014 gegründet worden, um in der Einheitsgemeinde und der VG Thalfang erwachsene Menschen mit körperlicher, geistiger und psychischer Behinderung sowie Suchterkrankungen zu helfen.
Der Bedarf ist da, sagt Christoph Petry, Leiter der ambulanten Assistenz. Mit sieben Klienten habe man im ersten Jahr gerechnet, jetzt betreut das vierköpfige Team 13 Menschen. Drei weitere Anfragen lägen vor, sagt er. Anfang kommenden Jahres wird das Team um eine weitere Kraft ergänzt. Eine Person wird wöchentlich vier bis sieben Stunden unterstützt.
"Die Leute waren vorher ohne Betreuung und teilweise verwahrlost", sagt Uwe Andretta vom Trägerverein Sozial Therapeutische Projekte (STP). Mit Hilfe der Ambulanten Assistenz sollen die Menschen ihr Leben wieder in den Griff bekommen, sagt Petry. Am Anfang steht eine Bestandsaufnahme in Form eines Teilhabeplans: Wo will die betreffende Person wohnen und wie will sie ihre Freizeit verbringen? Wo sind ihre Schwächen und Stärken? Anschließend werden über einen Aktionsplan Ziele vermittelt. Petry nennt ein Beispiel: "Ein Klient hat Spaß an landwirtschaftlicher Arbeit, für den suchen wir einen Bauernhof, auf dem er sich einbringen kann". Auch die kommunalen Bauhöfe böten Möglichkeiten. "Das kommt auf den Einzelfall an", sagt der Morbacher Bürgermeister Andreas Hackethal. Integration von Menschen mit Behinderung sei eine öffentliche Aufgabe, aber auch die Privatwirtschaft sollte angesprochen werden. Der Landesbeauftragte Rösch schlägt Praktika vor.
Ein weiterer Diskussionspunkt ist die Wohnungssituation für Menschen mit Behinderung. Benötigt würden kleinere Wohnungen im Ortsbezirk Morbach, sagt Andretta, denn "Menschen mit Unterstützungsbedarf leben lieber im Zentralort". Hackethal hofft, dass das Städtebauförderprogramm, das eine finanzielle Unterstützung von Investoren im Sanierungsgebiet ermöglicht, den Bau von barrierefreien Wohnungen forciert.
Rösch schlägt für weitere Maßnahmen einen Aktionsplan vor, der gemeinsam mit dem Senioren- und Behindertenbeirat erarbeitet werden könne. Hackethal, der sich selbst in einen Rollstuhl gesetzt und so die Situation in Morbach getestet hat, bezeichnet die Hanglage des Ortes als eine Herausforderung. "Unsere Gesellschaft hat sich an Rampen zu gewöhnen", sagt er. Der Bedarf an Hilfsleistungen für Menschen mit Behinderung wird steigen, sagt Petry und ergänzt: "Wir sind offen für weitere Unterstützung."