Mehr Selbstbewusstsein durch Aufgaben

Mehr Selbstbewusstsein durch Aufgaben

Auf dem Cusanus-Hofgut des DRK-Sozialwerks Bernkastel-Wittlich wird Menschen mit Behinderung durch sinnvolle Arbeit ein Leben in der Gemeinschaft ermöglicht. In der Gärtnerei, auf dem Reitplatz mit Pferdepension und in verschiedenen Werkstätten wird für den regionalen Markt produziert.

Bernkastel-Kues. Von Jürgen Schmidt kann der Hobbygärtner gute Tipps bekommen. Die Basilikumpflanzen werden ebenso wenig von oben gegossen, wie natürlich die riesigen Tomatenstauden, die im Gewächshaus auf dem Kueser Plateau stehen. Sensoren melden, wenn die Pflanzen Wasser benötigen. Das wird dann automatisch über ein Schlauchsystem verteilt. Schmidt hat einen von 200 Plätzen auf dem Hofgut des DRK-Sozialwerks Bernkastel-Wittlich für Menschen mit Behinderung. "Es gibt immer was zu tun", sagt der junge Mann, der in der Gärtnerei arbeitet und ergänzt: "Meine Arbeit macht mir viel Spaß."
Gartenbau am bekanntesten


Unabhängig von der Art und Schwere der Behinderung sollen behinderte Menschen am Arbeitsleben teilhaben können, erklärt Erika Hayer. "Das bedeutet für viele eine Stärkung des Selbstwertgefühls", erklärt die Sozialarbeiterin, die auch für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig ist. Viele würden erstmals in ihrem Leben auf diese Weise erfahren: "Ich kann was! Ich bin etwas wert."
"Dies ist auch die grundsätzliche Überlegung und Ausrichtung für das Cusanushofgut gewesen, Menschen einen Arbeitsplatz auf einem Bauerhof zu bieten und neue Wege zu beschreiten", sagte der Geschäftsführer des DRK-Sozialwerks Bernkastel Wittlich, Christian Johann, bei der Feierstunde zum 25-jährigen Bestehen der Einrichtung. Da, wo bis dahin Wiesen und Äcker waren entstanden Gärtnerei, Werkstätten, ein Wohnheim und der Reitplatz.
"Der Gartenbau ist wohl unserer bekanntester Bereich", sagt Hayer. Mit Bungert und Edeka seien große Handelsunternehmen, aber auch die Gastronomie der Region Abnehmer der Produkte, die außerdem über einen Hofladen vertrieben werden. Zwischen acht und neun Hektar Freilandfläche werden bewirtschaftet und auf 6000 Quadratmeter unter Glas werden Tomaten, Basilikum und viele andere Pflanzen angebaut.
Im Reitstall übernehmen Menschen mit Behinderung die Grundversorgung der Tiere, während der Pferdesportverein Bernkastel-Kues den Reitbetrieb organisiert.
Auf dem Cusanus-Hofgut können 200 Menschen mit Behinderung oder psychischen Erkrankungen beschäftigt werden.
Sie kommen aus dem gesamten Landkreis Bernkastel-Wittlich, erklärt Hayer: von Bettenfeld im Norden bis Morbach im Süden. Im Arbeitsbereich komme etwa ein Betreuer auf zwölf Beschäftigte mit Behinderung. Im Bildungsbereich seit der Schlüssel eins zu sechs, erklärt Hayer. Gesucht würden für die Betreuertätigkeit Handwerks- oder Industriemeister, die eine sozialpädagogische Zusatzausbildung durchlaufen würden. Heilerziehungs-, aber auch Alten- und Krankenpfleger seien ebenfalls beschäftigt.
Wie in der gesamten Gesellschaft mache sich auch bei Menschen mit Behinderung der demografische Wandel bemerkbar: Sie werden immer älter und die Betreuungsanforderungen ändern sich damit ebenfalls.

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