Mehr Wärme für die Eifelklinik

Der eine hat zu viel Wärme, der andere hat zu wenig. Das war die Situation in Manderscheid. Die Biogas-Anlage von Landwirt Martin Röhl erzeugt einen Überschuss an Energie. Die in der Nähe liegende Kurklinik kann sie gut gebrauchen. Bald verbindet eine Fernwärmeleitung die beiden Standorte. Kosten: 600 000 Euro.

Manderscheid. Nur noch wenige Meter und der Anschluss ist vollzogen: Derzeit laufen die letzten Bauarbeiten an einer 1,5 Kilometer langen Fernwärmeleitung, die den Bauernhof von Martin Röhl mit der Eifelklinik in der Mosenbergstraße in Manderscheid verbindet. Durch die Leitung wird heißes Wasser vom Bauernhof zum Heizsystem des Krankenhauses geleitet.
"Die Situation war günstig für ein solches Projekt", erzählt Frank Schillig von der KWA Eviva GmbH aus Köln, die die Planung dazu gemacht hat. Bei der Erzeugung von Biogas falle immer Abwärme ab, die genutzt werden könne.
In Deutschland gibt es 2500 Biogasanlagen, 60 davon stehen in der Eifel. Seine Firma hat ein Wärmekataster angelegt, das aufzeigt, an welchen Stellen zum Beispiel Fernwärme sinnvoll genutzt werden könne. So würden etwa in Prüm eine Schule und das Schwimmbad mit Fernwärme einer Biogasanlage versorgt. Bei der geografischen Situation in Manderscheid bot sich ebenso die Fernwärmenutzung an.
Thomas Kaut, Verwaltungsdirektor der Kurklinik in Manderscheid, die über 200 Plätze verfügt sagt: "Vor drei Jahren haben wir mit dem Projekt begonnen. Wir haben Alternativen zu fossilen Brennstoffen gesucht." Mit der zusätzlichen Wärme könnten die Energiekosten bis zu 40 Prozent gesenkt werden. Kaut rechnet damit, dass so zwischen 80 000 und 120 000 Liter Heizöl pro Jahr gespart werden können. Die Biogasanlage liefert die Wärme an den Betreiber der Leitung, die KWA Bioenergie Manderscheid. Dafür erhöht das RWE den sogenannten Kraft-Wärme-Kopplung-Bonus, den wiederum der Betreiber der Biogasanlage, Landwirt Martin Röhl, erhält. Dieser Bonus ist im Gesetz für Erneuerbare Energien verankert und soll Betreiber von Biogasanlagen belohnen, die ihre Abwärme für öffentliche Nutzung zur Verfügung stellen. Die Regelung wurde zwar 2012 abgeschafft, trifft aber in diesem Fall noch zu, da das Projekt 2010 begonnen wurde. Die KBA Bioenergie Manderscheid liefert die Wärme zur Klinik und wird dafür von der Klinik bezahlt.
Bau seit Februar


"Der Bau der Leitung begann im Februar. Dafür musste eine Schneise durch ein Waldstück geschlagen werden," erläutert Projektentwicklerin Julia Weddig von KWA Eviva. Mitte Mai konnten die Erdarbeiten starten und im August soll die Wärmeleitung in Betrieb genommen werden. Die Leitung liege 1,3 Meter unter dem Boden. Beim Bau half der Stadtrat Manderscheid mit, um die Grundstücksverhältnisse für die zu verlegende Leitung zu klären. "Anschließend sieht man die Leitung aber nicht mehr, und das Gelände kann wieder zuwachsen", versichert Julia Weddig.
Das warme Wasser, das von der Biogasanlage komme, werde dann in das vorhandene Heizsystem der Klinik eingespeist, erläutert Reinhold Weis, technischer Leiter.
Die Vorlauf-Temperatur geht mit circa 90 Grad Celsius in Richtung Klinik. Die vorhandene Ölheizung bleibe vor Ort, werde dann aber wesentlich weniger benötigt.
Verwaltungsdirektor Thomas Kaut erinnert daran, dass der Energiebedarf der Klinik steigen könne, denn im 50. Jahr ihres Bestehens seien zudem räumliche Erweiterungen geplant. Bislang ist das die erste Anlage im Landkreis in dieser Form, sagt Frank Schillig von KWA Eviva.