Mein Bauch und Wilmas Beine

Jetzt hat's mich erwischt. Ich, der große Karnevalsmuffel, bin eingeladen. Heute Abend zur großen Kappensitzung nach Kröv. Wilma übrigens auch. Vor zehn Jahren war ich auf der letzten Kappensitzung.

Ich kann mich eigentlich nur noch an den Tanz der Funkengarde erinnern. Wilma schwärmt dagegen heute noch vom Männerballett. Die Geschmäcker sind halt verschieden. Manchmal träumt man ja sogar selbst davon, oben auf der Bühne zu stehen und mitzumachen. Wilma als Funkenmariechen und ich als Vortänzer beim Männerballett. Doch wir bringen wohl beide nicht die idealen Körpermaße mit. Mein Bauch ist zu dünn und Wilmas Beine sind zu kurz. Ich glaube, Wilma würde am liebsten das ganze Jahr über Karneval feiern. Versteh' ich nicht. Sie hat doch schon ihren Prinzen. In letzter Zeit werd' ich aber das Gefühl nicht los, dass sie es ernst meint: Wilbert und Wilma müssen auf die Narrenbühne. Seit Wochen rasiert sie sich penibel jeden Abend ihre Beine und ölt sie dann ein. Größer werden die Beine zwar dadurch nicht, aber glitschiger. Und mir kocht sie ständig eine Riesenportion meiner Leibspeise: Schweinebraten mit Rotkohl und Klößen. Mein Bauch ist schon etwas angeschwollen. In einem Jahr reicht's fürs Männerballett, und Wilmas Beine werden auch immer hübscher. Bei unserem Auftritt muss man ja nicht unbedingt in der ersten Reihe sitzen. Bis dann, Euer