Meine Heimat, deine Heimat

Die Wanderausstellung "Deutsche aus Russland. Geschichte und Gegenwart" ist eine Erinnerung an die Einwanderung von Deutschen in Russland und ihre Rückkehr in die neue alte Heimat. Auch Bombogen wurde für viele eine Heimat. Dort startet im April eine Ausstellung zu dem Thema.

Wittlich. Sie lockt mit den unerschöpflichen Schätzen ihres weiten Reichs, mit Religionsfreiheit und 30 Hektar Land pro Familie. Die Geschichte der Russlanddeutschen beginnt am 22. Juli 1763. Russlands Zarin Katharina die Große, geborene Prinzessin von Anhalt-Zerbst, also Deutsche, hofft auf wirtschaftliche Entwicklung und Bevölkerungswachstum ihres riesigen, aber rückständigen Riesenlands. Darum verfasst sie das sogenannte "Einladungsmanifest". Alle Ausländer, vor allem aber Deutsche, waren eingeladen, sich in Russland niederzulassen. Dieser Einladung folgten in den ersten fünf Jahren nach dem Manifest mehr als 30 000 Menschen, die sich vor allem in der Umgebung von Sankt Petersburg und der Wolga niederließen. Dort entstanden wirtschaftlich starke Orte.
Die Wende kam im 20. Jahrhundert. Während des Ersten Weltkriegs wurden die Russlanddeutschen aufgrund ihrer Herkunft verdächtigt, mit dem Feind zu kollaborieren. Es folgten Hungersnot, antideutsche Pogrome und Enteignung der Bauern. 1941 wurde durch Stalin ihre Deportation nach Sibirien angeordnet.
Nach dem Zerfall der Sowjetunion 1990 verließen drei Millionen Russlanddeutsche die Nachfolgestaaten der UdSSR und kehrten in das Land ihrer Vorfahren, nach Deutschland, zurück. Dort wurden sie als Spätaussiedler aufgenommen. Doch der Start in der neuen alten "Heimat" war nicht einfach. Das weiß auch Hermann-Josef Krämer, Ortsvorsteher von Wittlich-Bombogen.
Ab 1997 begann ein umfangreicher Zuzug Russlanddeutscher nach Bombogen. Bedingt war dieser Zuzug laut Krämer auch durch den Bau des Baugebietes Hofflürchen 1. Im Januar 2000 wurde der Arbeitskreis "Runder Tisch Bombogen" mit Vertretern der Gemeinde, Vereine, Polizei, Schule, Kita und Kirche gegründet. "Ziel war es, gemeinsame Projekte zu erarbeiten, um die Eingliederung unserer Neubürger zu unterstützen", erklärt der Ortsvorsteher. Schwerpunkt der Arbeit des Runden Tischs war es, Angebote für die Kinder und Jugendliche des Gesamtorts zu entwickeln. Es entstand der Plan, den Tabaktrockenschuppen zu einem Jugendraum umzubauen. Dieser feiert in diesem Jahr zehnjähriges Bestehen, was im Zusammenhang mit der Wanderausstellung "Deutsche aus Russland" aufgezeigt werden soll.
Am 5. April startet jetzt eine Ausstellung im Jugendraum. Sie ist eine Reise durch Geschichte und Gegenwart der Russlanddeutschen und zeigt die Ausreise der Deutschen nach Russland, Kriegsfolgenschicksale und Vorurteile, denen die Rückkehrer in Deutschland begegneten. Auch die Integration in ihrer neuen Heimat wird beleuchtet.
Gefördert wird die Ausstellung durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge und das Innenministerium. Die Landsmannschaft der Deutschen aus Russland hat die Ausstellung zusammengestellt. Projektleiter Jakob Fischer, geboren 1955 in Kasachstan, wird die Vernissage am Dienstag, 5. April, im Jugendraum im ehemaligen Tabaktrockenschuppen eröffnen. sk
Die Ausstellung ist von Dienstag, 5. April, bis Sonntag, 24. April, jeweils montags bis freitags, 16 bis 19 Uhr geöffnet. Außerdem gibt es zwei Sondertermine: Sonntag, 10. und 17. April, von 17 bis 19 Uhr.