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Meinung zum Weinfest der Mittelmosel

Meinung : Eine Reform muss her!!!

Das Weinfest der Mittelmosel hat Tradition. Eine sehr lange Tradition. Wie sehr Menschen dieses Brauchtum am Herzen liegt, hat sich deutlich bei der Demonstration am Sonntag gezeigt, die deswegen ins Leben gerufen wurde, weil der traditionelle Umzug ausgefallen ist.

Doch nach fünf Tagen Fest, muss die Frage gestattet sein: Muss Tradition unbedingt aus der Mottenkiste stammen? Zwei Jahre lang fiel das Weinfest der Mittelmosel wegen der Corona-Pandemie aus. Zwei Jahre lang hätten die Organisatoren Zeit gehabt, das Konzept zu modernisieren. Das Konzept wohlgemerkt. Was nicht zu verwechseln ist mit den modernen Einsprengseln hier und da.

So hängt die große LED-Tafel am Eingang zur Weinstraße fast wie ein Fremdkörper in der Luft. Eine gute Idee eigentlich. Doch gleich neben dem gestrigen Willkommensschild aus den 50er oder 60er Jahren mit der altmodischer Schrift Mittelmosel Weinstraße, wirkt das unkoordiniert.

Auf der Weinstraße selbst scheint die Welt vor 60 Jahren stehen geblieben zu sein – zumindest, was die Weinstände angeht. Ein Sammelsurium an antiquierten Ausschänken! Der unbedarfte Gast könnte leicht die Parallele ziehen: wie der Stand so der Wein. Fatal. Denn dem ist nicht so!!!

Die Moselregion arbeitet seit Jahren an einem modernen Image. Viele Winzer machen mit preisgekrönten Vinotheken Furore, verbinden Tradition mit Moderne und beweisen dabei viel Geschmack. Ist diese Entwicklung den Organisatoren des Festes entgangen oder wollen sie, dass alles bleibt wie es ist, weil man es schon immer so gemacht hat?  

Eine Haltung, der bereits der Umzug zum Opfer gefallen ist. Weil der wegen des neuen  Polizei- und Ordnungsbehördengesetz des Landes (Veranstaltungsgesetz) nicht so ablaufen konnte wie gewöhnlich, sagten ihn die Verantwortlichen ab. Doch muss man die Parade wirklich immer mit schweren Fahrzeugen über die Bühne gehen lassen? Es gäbe auch da unzählige Alternativen.  

Zwei Jahre erzwungene Pandemie-Pause war Zeit genug, sich Gedanken darüber zu machen wie das Traditions-Fest der Mittelmosel verjüngt werden kann. Dass alte Zöpfe irgendwann abgeschnitten werden müssen, darüber kann kein Zweifel bestehen. Wer Traditionen bewahren will, muss den Mut haben, sie auf den Prüfstand zu stellen und sie –  ähnlich wie beim TÜV – zu überholen. Ansonsten sterben sie aus.

v.kerl@volksfreund.de