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Meistermann-Problem der CDU?

Zur Debatte um die im Georg-Meistermann-Museum in Wittlich geplante Scherl-Ausstellung meint dieser Leser:

Wieso hat die rheinland-pfälzische CDU ein Problem mit Georg Meistermann? Erinnert sei hier, dass eine der ersten Amtshandlungen von Bundeskanzler Kohl die Zensur des Willy-Brandt-Porträts von diesem Künstler war. Nun boxt die Wittlicher CDU eine Ausstellung des NSDAP-Künstlers Hanns Scherl im Georg-Meistermann-Museum durch und entlässt gleichzeitig ihren Kulturreferenten und Museumsdirektor, der sich um das Erbe von Georg Meistermann redlich verdient gemacht hat.

Mir scheint hier ein gezielter Angriff auf das Andenken des von den Nazis verfolgten Künstler Georg Meistermann vorzuliegen, indem man das ihm gewidmete Museum für Ausstellung "erwählt". Die CDU in der Säubrennerstadt Wittlich hatte vor Jahren schon Verständnisprobleme, dass man im Kulturzentrum Alte Synogoge keine Schweinewurst anbieten oder verzehren kann. Vor diesem Hintergrund überrascht dann nicht die Einschätzung der Partei und der Erben des Herrn Scherl, dass seine NSDAP-Tätigkeiten doch gar nicht so gemeint waren.

Ich bin geneigt, einer der letzten öffentlichen Äußerungen des Bildhauers Alfred Hrdlicka vor seinem Tod über die fortbestehende Faschismustraditionen in Österreich und Deutschland, die er in Zusammenhang mit dem Wittlicher Vorkommnissen tätigte, zuzustimmen. In der CDU der Stadt Wittlich haben diese Traditionen scheinbar ein Refugium gefunden.

Norbert Küpper, Köln

Kultur