Mengenlehre und rote Fingernägel

BERNKASTEL-KUES. Reger Betrieb herrschte beim Ehemaligentreffen in der Freiherr-vom-Stein-Realschule – und man erinnerte sich an frühere Schulzeiten.

Rund um die Freiherr-vom-Stein-Realschule herrschte bis spät in den Abend reger Betrieb. Die Schulgemeinshaft feierte ihr Schulfest in Verbindung mit einem Ehemaligentreffen. Schulleiter Bruno Niederprüm freute sich über die große Anzahl einstiger Realschüler, die ihrer Schule einen Besuch abstatteten. "Hier, schau her, das war unsere Klasse", war in den Räumen zu hören. "Weißt du noch...", so begannen Gespräche zwischen ehemaligen Klassenkameraden, die sich oftmals viele Jahre nicht mehr gesehen hatten. Aber wie es früher zuging, welche Streiche man damals ausheckte, wieviel Spaß aber auch das Lernen machte - davon konnte so mancher noch ein reges Lied singen. Erinnerungen wurden wach - auch wenn die Schulzeit schon Jahre zurückliegt. 2500 Schüler haben in den vergangenen 36 Jahren an der Realschule, die später den Namen Freiherr-vom-Stein-Realschule erhielt, die Schulbank gedrückt. Zum Ehemaligenfest warfen viele noch einmal einen Blick hinter die "Schulkulissen" ihrer alten Penne. Darunter auch einstige Schülerinnen und Schüler der beiden Gründerklassen, mit denen im Schuljahr 1969/70 die Laufbahn der Realschule begann. "Wir waren ganz zu Anfang noch kurze Zeit im benachbarten Gymnasium untergebracht", erinnert sich Helga Friedrich. "Da mussten wir als Eingang den Fahrradkeller benutzen, um in die dahinter liegenden Klassenräume zu gelangen". "First One 1969" steht auf den kleinen Namensschildern, die die ehemaligen Anfänger tragen. Sie erinnern sich: etwa an die erste Klassenfahrt nach Konstanz. "Die Zugfahrt war für uns fast schon eine Weltreise - wir kamen ja alle vom Dorf und fuhren zum ersten Mal in eine Stadt", erzählt Helga Friedrich, die heute in ihrem Reisebüro "echte" Weltreisen an die Kunden vermittelt. Über Schülerstreiche berichtet Gudrun van Brandwijk, Klassensprecherin der einstigen 10b, die anlässlich des Treffens ihr 25-jähriges Abgangsjubiläum feierte. Hinterm Heizkörper versteckte Fische, die nach Wochen anfingen zu stinken, das geborgte Nachthemd der Lehrerin, damals verpönte Miniröcke und Hotpants und rote Fingernägel, die für Aufruhr sorgten - vieles trug zur Erheiterung beim Ehemaligentreffen bei. "Und trotz aller Streiche hatten wir großen Respekt vor den Lehrern, ohne dass wir uns als Schüler unter Druck gefühlt haben", lobten die Frauen und Männer, aus denen alle "was geworden ist", die gute Schulatmosphäre. Ob als Stewardess, Unternehmer oder in der Musikbranche tätig, "wir haben viel gelernt", erinnern sich nicht nur Heike Spahn und Ulrich Knaudt. Besonders toll fanden sie die Tatsache, dass mit der Einführung der "Mengenlehre" Schüler und Lehrer gemeinsam die "Schulbank drücken mussten". Zwei ehemalige Schulbands - "School's Out Band" und "Last Temptation" - sorgten neben anderen Musikgruppen für beste Stimmung bis in die Abendstunden. Und die beiden ehemaligen Schülerinnen, Hilde Kappes, die heute in Berlin als "Vokalakrobatin" tätig ist, und ihre Nichte Isabella Coen begeisterten mit Gesangseinlagen. "Knockin' on Heavens Door" lautete einer der Titel von Robbie Williams - in diesem Sinne wurde auch das "Anklopfen an die Realschul-Tür" für alle Ehemaligen zum besonderen Erlebnis.

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