Menschenfreund mit spitzer Feder

WITTLICH. (red) Am 26. März dieses Jahres wäre der im Juli 2004 unerwartet verstorbene Wittlicher Schriftsteller Roland Steines 70 Jahre alt geworden. Aus diesem Grund laden die Stadtbücherei Wittlich und die Wittlicher Autorenrunde zu einer Lesung aus dem Werk Roland Steines’ am Sonntag, 2. April, um 17 Uhr, in die Stadtbücherei Wittlich ein.

Roland Steines wurde in Trier geboren und wuchs im Stadtteil Pfalzel auf, einem Ort, den er ebenso wie seine Wahlheimat Wittlich literarisch verewigte. Sind es für Pfalzel die historischen Erzählungen des Buches "Die Leute von Pfalzel", so ist es für Wittlich vor allem die Satire "Marmorstein und Eisen bricht", in der er Wittlicher Kulturpolitik herrlich karikiert. Er war Lehrer und Grundschulrektor. "Der erste", wie eine Dame, die vor über 40 Jahren seine Schülerin war, sagte, "der die Kinder liebte und als Menschen achtete und nicht nur Druck ausübte und schimpfte." Er war mit einer Kollegin verheiratet und Vater zweier Töchter und mehrfacher Großvater. Geschrieben hat er immer, es war eine tiefe innere Notwendigkeit für ihn. Doch nach seiner Pensionierung verfügte er endlich über ausreichend Zeit zum Schreiben. Er steckte voller Ideen und arbeitete an sich, an seiner Schreibkunst hart und unnachgiebig. Und es gab ihm auch viel, das Schreiben. Das Schreiben habe das Klavierspiel verdrängt

Noch kurz vor seinem Tod erzählte er, dass es seine alte Leidenschaft, die Musik, das Klavierspiel, völlig verdrängt habe. Es gibt kaum eine literarische Gattung, an der sich Roland Steines nicht versuchte. Seine Gedichte sind komplex und anspruchsvoll. Sie benötigen Zeit. Großartig sind seine Erzählungen. Häufig historisch, hier in der Gegend spielend, sozialkritisch und oft die Rolle der Frau beleuchtend, erinnern sie an Clara Viebig oder Gerhard Hauptmann, ohne sich jedoch sprachlich einer vergangenen Zeit anzubiedern. Aber er liebte auch mehr und mehr die Satire, ein Sujet, dass er zwar seit Beginn seiner Schriftstellerei betrieb, in den letzten Jahren jedoch stärker. In seinem Buch "Die Entführung aus dem Trierer Rathaus" (1984) freut sich der Leser bereits über so manche Absurdität. "Dichter sein dagegen sehr" (Kreisjahrbuch Bernkastel-Wittlich 1999) ist dann schon zum Brüllen komisch, wird aber von "Marmor, Stein und Eisen bricht" (Einsichten 2003) noch übertroffen. Eine herrliche, rund 120 Seiten starke Satire auf die Trierer Kommunalpolitik kennen leider nur wenige Vertraute, denen er das Manuskript kurz vor seinem Tode gab. Versagt blieb ihm auch die Veröffentlichung eines großen Romans. Teile kennen die Mitglieder der Wittlicher Autorenrunde, deren Gründungsmitglied er war. Der Roman handelt vom Bau des Eisenbahntunnels bei Cochem, einer enormen Ingenieurleistung der damaligen Zeit, was auch durch seine bildliche Darstellung als Exponat im Technischen Museum in Berlin dokumentiert wird. Er spielt in den entsprechenden Ministerien im Berlin der Kaiserzeit, aber auch an der Mosel, wo eine resolute Frau den Winzerbetrieb ihres verstorbenen Mannes vor den gierigen Konkurrenten rettet. Ob Steines mit dieser Figur auf Loretta von Starkenburg anspielte, wird wohl sein ewiges Geheimnis bleiben. Zur Lesung "Erinnerung an Roland Steines" am 2. April, 17 Uhr, in der Stadtbücherei Wittlich, sind alle Literaturinteressierten herzlich eingeladen. Die Mitglieder der Wittlicher Autorenrunde Josefine Wittenbecher, Elisabeth Freitag, Christel Werner und Elke Scheid werden Erzählungen von Roland Steines, die ihnen besonders wichtig sind, vortragen. Andrea Steines, Tochter des verstorbenen Autors, wird einen Text zu ihrem Vater und ein Liebesgedicht vortragen. Musikalisch begleitet wird die Veranstaltung von Anne Kaftan (Saxophon, Klarinette) und Detlev Beier (Bass).