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Merscheider Markt: Menschen, Tiere, Traditionen

Merscheider Markt: Menschen, Tiere, Traditionen

Federvieh bleibt der große Renner beim Merscheider Markt, der diesmal Besucher aus einem Umkreis von 100 Kilometern in seinen Bann zog. Viele Eltern zeigten ihren Kindern diesen "Zoo", in dem sogar Alpakas zu sehen waren.

Merscheid. Es war ein großes Gegacker und Gepiepe auf dem Marktgelände. Über mehr als 100 Marktstände und 20 Tierhändler freute sich Organisator Matthias Schabbach: "Wir haben heute gut 5000 Leute auf dem Markt. Die fahren auch schon mal mehr als 100 Kilometer hierher."

Eigentlich sollte der große Bauern-, Handwerker- und Krammarkt am Samstag erst um 10 Uhr beginnen. Doch viele Besucher wollten nicht so lange warten, und daher war der Handel mit Tieren, besonders mit Federvieh, schon zwei Stunden früher in vollem Gang. Besucher Alfons Spang (56) war mit Lars (3) gekommen, denn er weiß: "Viele Tiere sind hier so schnell weg, da muss man rechtzeitig da sein." Alban Gerhard aus Gonzerath kann beurteilen, wie gut sich der Markt entwickelt hat. "Ich bin seit den 50er Jahren hier. Die bunte Mischung ist immer vielfältiger geworden", freut sich der 80-Jährige.

Der wohl älteste und treueste Markthändler ist Hermann Müller aus Heinzerath. Bereits um 11 Uhr war der 87-Jährige schon all seine Hühner los und konnte nur noch Wachteln anbieten. "Seit 1954 bin ich hier auf dem Markt. Das war früher alles viel kleiner", erinnert sich der Tierzüchter. Was er aber vermisst, ist das Großvieh: "Früher kamen die Bauern und haben Kühe angeboten." Die größten Tiere waren diesmal Esel. Aber auch ganz kleine waren im Angebot. Schon für 2,50 Euro pro Stück gab es was Lebendiges für Zuhause: Paul Steinke aus Walhausen bot "Farbmäuse" an: "Die haben sich stark vermehrt. Die müssen jetzt irgendwie weg." Viel mehr "Mäuse" müssen investiert werden, wenn es ein Lama oder Alpaka sein soll. 400 bis 800 Euro kostet ein Lama von Züchterin Cornelia Gasper aus Elzerath. "Mit unserem Goli kann man beispielsweise Trekking-Touren machen. Er trägt bis zu 30 Kilogramm Gepäck", erklärt sie interessierten Marktbesuchern.

Noch teurer wird es bei Alpaka-Züchter Guido Stoffel aus Kleinich: "Remo und Naldo sind prämierte Hengste. Da kostet jeder 1500 Euro." Dafür bekommt der Besitzer von den Tieren aber Wolle, die garantiert nicht kratzt. Weiterer Anziehungspunkt waren die historischen Traktoren. Viele kleine Besucher freuten sich, wenn sie von Opa auf den Fahrersitz gehievt wurden.

Bei den 100 Marktständen ist auch traditionell der Kindergarten Merscheid vertreten. Leiterin Gerlinde Greber, ihr Team und der Förderverein boten Marmeladen an, die sie mit rund 20 Kindern aus heimischen Früchten zubereitet hatten. Hinzu kam der Erlös aus dem Kohlkopfverkauf. Eine ganze Wagenladung davon hatte Jagdpächter Wilhelm Himmes spendiert. "Im vergangenen Jahr kamen rund 1000 Euro für unseren Kindergarten zusammen", freut sich Greber. In diesem Jahr könne man den Erlös auch gut gebrauchen, denn erstmals werden unter Dreijährige in den Kindergarten aufgenommen.

Wenn so viel los ist, knurrt schon mal schnell der Magen. Und so füllte sich gegen Mittag das Festzelt schnell. Die Versorgung hungriger Marktbesucher lief über eine Zeltküche, eine Kuchentheke und eine Freiluftküche reibungslos. Dazu sorgten zahlreiche Musikvereine mit ihren Stücken für beste Laune.

Heute klingt der Merscheider Markt ab 17 Uhr mit einem "Feierabend-Bier" aus, und ab 20 Uhr gibt es mit der Tanz- und Partyband "Le Tarot" noch einmal Livemusik.