Mietpreise in Wittlich ziehen an

Zentrum, Stadtteile, Umland - Wohnungen in und um Wittlich lassen sich gut vermarkten. Das allerdings wird die Preise wohl in die Höhe treiben. Eigentumswohnungen sind bereits um zehn bis 15 Prozent teurer geworden.

Wittlich. Die Anbindung an Trier, Koblenz und den Raum Köln/Bonn ist gut, Schulen, Arbeitsplätze und Geschäfte sind nah: Pluspunkte, dank derer Wittlich für Einheimische wie Zugezogene ein interessanter Wohnort ist. Die Nachfrage nach Immobilien ist hoch - vor allem in der Innenstadt.
Das bedeutet auch: "Die Preise im Mietmarkt tendieren seit zirca zwei Jahren nach oben", erklärt Immobilienmakler Wilfried Lehnen (Ertz & Lehnen Gmbh). Dies sei zum einen der Nachfrage, zum anderen den höheren Mieten in Neubauten geschuldet.
Hochwertige Wohnungen gefragt


"Die Leute wollen qualitativ hochwertig wohnen", berichtet Makler Marvin Jeske. Stünden Häuser oder Wohnungen in Wittlich leer, seien sie in der Regel alt und entsprächen nicht den Anforderungen der Kunden. "Das Problem sind Häuser, an denen jahrelang nichts gemacht wurde, für die Besitzer aber einen hohen Preis fordern. Das Potenzial ist da, aber es muss entwickelt werden." Die Folge: Es gebe für die Innenstadt quasi keinen Mietmarkt, da kaum adäquate Wohnungen zu haben seien.
So sei beispielsweise in der Neustraße die Nachfrage größer als das Angebot. Ein Quadratmeter koste mittlerweile etwa sieben Euro Miete. Auch der Rollkopf und der Quetschenberg seien beliebte Wohnorte.
Nach Ansicht von Norbert Schmitz, Leiter der Immobilienabteilung der Sparkasse Mittelmosel - Eifel Mosel Hunsrück, steigt vor allem die Nachfrage nach dem Wohnen rechtsseits der Lieser, auf der sogenannten Schääl Saidt. Ein Grund: die Zunahme der Anzahl von Geschäften.
Auch das Neubaugebiet am Kalkturm, hinter dem Friedhof, sei für viele eine interessante neue Wohnlage, da es zentral und doch ruhig sei. Jeskes Geheimtipp für die Zukunft lautet wiederum: "St. Paul wird die Crème de la Crème des Wohnens in Wittlich werden."
Nach der Erfahrung von Lehnen gibt es kaum Mietpreisunterschiede bei Wohnungen, ob sie nun im Zentrum oder im Umland bis etwa zehn Kilometer von Wittlich entfernt liegen. "Deshalb konzentriert sich die Nachfrage zuerst auf die Stadt." Die Kaltmieten liegen im Schnitt zwischen 4,50 und 5,50 Euro pro Quadratmeter, sagt Lehnen. Ausnahmen sind Neubauten.
Die unmittelbar an Wittlich angrenzenden Orte im Umkreis von fünf bis zehn Kilometern seien ebenso nachgefragt wie die Stadtteile, berichtet Wilfried Lehnen. "Lüxem hat aufgrund seiner Nähe zum Einkaufsmarkt Bungert leichte Vorteile gegenüber den übrigen Stadtteilen. Wengerohr ist bei Pendlern durch die Bahnhofsnähe gefragt, aber auch durch die Arbeitsplatzangebote in Wengerohr." Was den Verkauf betreffe, so gehen "im privaten Häuser- und Eigentumswohnungsmarkt die Preise leicht nach oben", sagt Lehnen. Bei Eigentumswohnungen gebe es Steigerungen von zehn bis 15 Prozent. Schmitz berichtet von einem großen Interesse an gebrauchten Eigentumswohnungen vor allem in kleinen Wohnanlagen in Wittlich und Stadtteilen.
Bei Häusern ist die Nachfrage laut Lehnen im Segment bis etwa 200 000 Euro gut, es gebe eher zu wenig Angebot. Teure Häuser seien weniger gefragt, da sie in Konkurrenz zu Neubauten stehen. Jeske berichtet, Häuser seien vor allem in Lüxem und Dorf gefragt.
Einig sind sich die meisten Experten darin, dass Wohnen in Wittlich wahrscheinlich teurer wird. Jeske prognostiziert: "Sieben Euro und mehr pro Quadratmeter sind durchaus drin." Noch stärker als in Wittlich ist die Nachfrage nach Wohnungen im zweiten Mittelzentrum der Region, Bitburg. Seit etwa drei Jahren steige sie enorm, berichtet Sarah Junius vom Immobilienservice Südeifel. Mieter bezahlen dort demnach bis zu acht Euro pro Quadratmeter für eine gut ausgestattete Wohnung, also etwa zwei Euro mehr als in Wittlich. Udo Schilz, Immobilienberater bei der Volksbank Bitburg, hält dies aber für die Ausnahme. Sechs bis sieben Euro seien die Regel. Für die Zukunft sei mit steigenden Preisen zu rechnen, da die Mieten den gestiegenen Kaufpreisen für Immobilien nachzögen. "Bei einem Einzugsgebiet von circa 100 000 Einwohnern explodieren die Preise förmlich. Allein wir registrieren bis zu 80 Anfragen auf eine freie Wohnung. Es geht so weit, dass sich Familien von ihren Haustieren trennen, um die Chancen gegenüber Mitbewerbern zu erhöhen", sagt Junius. Vor allem bei Singles und älteren Menschen sei die Innenstadt Bitburgs gefragt. Grund seien die Nähe zu Luxemburg und Trier, das gute Angebot und das sich verbessernde Stadtbild. uq