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Millionen-Euro-Investition: Großprojekt verändert die Wittlicher Oberstadt

Millionen-Euro-Investition: Großprojekt verändert die Wittlicher Oberstadt

Neben der Ex-Kaserne, die sich am Stadtrand zum Vitelliuspark verwandelt hat, gibt es ein zweites Gebiet, auf dem sich Wittlich binnen recht kurzer Zeit massiv verändert: der Oberstadtbereich an der Kurfürstenstraße. Dort entsteht für acht Millionen Euro ein weiteres Großprojekt. Investor ist die Faco Immobilien GmbH, die dort bereits den Fürstenhof errichtet hat.

Südtangente, Busbahnhof, Stadthaus, Einkaufszentrum Schlossgalerie, Fürstenhof, Eventum, neue Parkplätze: Wittlichs Stadtbild hat sich im Bereich der Kurfürstenstraße massiv verändert. Fast wäre dort sogar ein Rathausneubau emporgewachsen. Der ist vom Tisch, doch ein paar Meter weiter gibt es demnächst was Neues. Und zwar nach der Säubrennerkirmes. Dann wird das rostrotbraune Haus, bekannt als "Baustoffe Thiel" abgerissen.
"Wir sind schon ein Jahr am entmieten", sagt Stefan Kutscheid, Geschäftsführer Faco Immobilien, Bitburg.

Der Projektentwickler sitzt in Wittlich auf der Caféterrasse mit Blick auf die Immobilie, die zuletzt unter anderem Adresse einer Fahrschule war. Der massive Klotz mit der auffälligen, mit buntem Graffiti gestalteten Toreinfahrt und der ausladenden Treppe daneben, begrenzt die Ecke zwischen Parkplatz und Kurfürstenstraße. Viele ältere Wittlicher erinnern sich auch besonders an diese Adresse, weil dort die Praxis des Allgemeinmediziners Martin Schuh war. Das ist lange her.

Fest steht: Das wird in Zukunft eine Adresse für Arbeitssuchende sein: Zentraler Mieter des Neubaus ist nach Faco-Angaben für mehr als die Hälfte der Flächen ist in den Obergeschossen die Agentur für Arbeit (Arge) mit Jobcenter, bislang in der Friedrichstraße untergebracht. Die Bundesagentur für Arbeit hatte in einer Ausschreibung im Frühjahr 2015 in Wittlich eine Mietfläche von rund 450 Quadratmetern für die Arge und etwa 1200 Quadratmeter für das Jobcenter Bernkastel-Wittlich gesucht und ist dann bei Faco fündig geworden.

Insgesamt soll das geplante Büro- und Geschäftsgebäude auf vier Etagen 2800 Quadratmeter Nutzfläche haben plus 30 Tiefgaragenplätze, davon sechs als Garagen und 17 Außenstellplätze. Das Gesamtgelände ist 1700 Quadratmeter groß, wobei der Investor 1000 Quadratmeter von der Stadt zukaufen muss. Als Grafik steht das Projekt bereits: Es zeigt zur Kurfürstenstraße hin eine auffällig graublaue Fassade inklusive Satteldach, alles mit Schiefer gestaltet. Daran schließt sich an der Front, die zum Parkplatz liegt ein nach außen gläsern wirkender Aufzugstrakt an. Er lässt das Gesamtprojekt optisch wie zwei Teile erscheinen, wovon der zweite Teil sich unter einem Flachdach dann in Richtung Sehlemet streckt. Der Baukörper endet an der städtischen, unbefestigten Fläche von rund 2600 Quadratmetern seitlich vom Fürstenhof (derzeit als Parkplatz genutzt).

Im Erdgeschoss des Neubaus wäre ums Eck hinter Glasfronten bis zum Boden ähnlich wie beim Fürstenhof dann Platz für Gewerbe oder Gastronomie, darüber ist Raum für klassische Büro- oder Praxennutzung. Neue Zufahrtsregelungen auf dem neu gestalteten Kurfürstenplatz seien nicht vorgesehen, so Stefan Kutscheid.

Für das Projekt ist ein eigenes Unternehmen der Faco Immobilien GmbH entstanden, die Grundstücksentwicklung Kurfürstenstraße 11 bis 13 GbR. Sie hat laut Unterlagen folgenden Anspruch: "Die Stadt hat mit großen Investitionen den Stadtraum für Menschen einladend gestaltet, und wir als Immobilienentwickler würdigen dies durch ein Gebäude, was diese positive Stadtraumgestaltung durch seine Architektur aufnimmt und verstärkt."

Man habe versucht, mit der Planungsgruppe HG aus Bitburg die umliegende Architektur aufzugreifen, "um die Identität der Stadt zu wahren". Alte Identität weicht dafür: Zunächst verschwindet das auffällige Gebäude mit der rostrotbraunen Steinfassade und die neben der Toreinfahrt ausladende Treppe zur Kurfürstenstraße, um dem dritten großen Neubau nach Einkaufszentrum und Fürstenhof Platz zu machen. Mit der Fertigstellung wird für Frühjahr 2018 gerechnet.

Der Stadtrat hat das Vorhaben begleitet. In seinen Unterlagen stand: "Ziel der Planung ist der Erhalt und die Förderung der Eigenart der Kurfürstenstraße als Wohn- und Geschäftsstraße sowie die Schaffung einer geordneten städtebaulichen Entwicklung".

Und die Faco will in Wittlich noch mehr entwickeln: Laut Stefan Kutscheid ist weiterhin das Projekt "Palais am Türmchen" aktuell. Nach ursprünglichen Planungen ein 15-Millionen-Euro-Projekt mit 42 Wohneinheiten in fünf Gebäuden mit 800 Quadratmetern für Gewerbefläche nahe Burgtürmchen und Friedhof zwischen Radweg und Kalkturmstraße. Es wurde bereits auf der Wittlicher Wirtschaftswoche im Jahr 2012 von der Faco öffentlich beworben (der TV berichtete).