Millionen Möglichkeiten

Jährlich findet in Deutschland ein Marathon-Skatturnier für Blinde und Sehbehinderte statt. Zum 17. Wettbewerb in Zeltingen sind 28 Skatspieler und zehn Begleitpersonen nach Zeltingen-Rachtig gekommen.

Zeltingen-Rachtig. Beim Turnier spielt Jeder gegen Jeden, an jedem Tisch sitzt ein sehender Schreiber, der zugleich Spieler ist. Blitzschnell hat der sehbehinderte Hugo Ueberberg, Bundesskatwart im deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband (DBSV), sein Blatt sortiert. "18, 20, 2 ..." rufen sich die Spieler zu und klären so, wer das Spiel spielt. Damit der blinde Spieler weiß, welche Karte aufgespielt wird, werden sie angesagt.
Auch die Region erkundet


Gespielt wird nach den Regeln des deutschen Skatverbandes. Schnell hat Hugo Ueberberg sein Blatt im Kopf. "Das ist eine extreme Konzentration", sagt Mitspielerin und Schreiberin Sieglinde Moser aus Nürnberg.
Die Teilnehmer beim 17. Turnier dieser Art kommen aus ganz Deutschland. Sie sitzen in Vierer-Spielgruppen vormittags und abends bis zu vier Stunden zusammen und spielen Skat in zwölf Runden mit 48 Spielen. Veranstalter des im Rachtiger Hotel Deutschherrenhof stattfindenden Turniers ist der DBSV. "Ich spiele Skat, weil es zwar feste Regeln gibt, aber je nachdem wie die Trümpfe und die Farben verteilt sind, gibt es Millionen Möglichkeiten", sagt Sieglinde Moser.
In der spielfreien Zeit besichtigen die Turnierteilnehmer die Region, Trier und Bernkasel-Kues und lernen den Moselwein bei einer Weinprobe kennen. "Es ist wunderschön an der Mosel spazierenzugehen", lobt Hugo Ueberberg und schwärmt wie seine Mitspieler von der guten Versorgung.
Nach jedem Spieltag sammelt Jutta Ueberberg (Turnierleitung) die Listen ein und ermittelt abschließend das Endergebnis. Gewonnen hat Hans-Peter Schielke aus Bad Liebenzell vor Claus Klüglich aus Gaggenau und Peter Hüpeden aus Braunschweig.Extra

Wie spielen blinde und sehbehinderte Menschen überhaupt Skat? Entwickelt wurde ein System, um die Skatkarten fühlbar zu machen. Die Spielkarten sind mit aus kleinen Punkten zusammengesetzten Symbolen markiert, die auf einer durchsichtigen Folie eingeprägt sind. Dabei erkennt der Spieler am oberen Rand die Spielfarbe und an einem unteren den Wert der Karte. Lesen können Blinde mit der Brailleschrift, auch Punktschrift oder Blindenschrift genannt. Sie ist eine Erfindung des Franzosen Louis Braille. Ihm reichten im Jahre 1825 sechs Punkte, um die tastbare Blindenschrift zu entwickeln. Für Sehende ist die Wahrnehmung selbstverständlich, schließlich nimmt der Sehende mehr als 80 Prozent seiner Wahrnehmungen über die Augen auf. Der deutschen Blinden- und Sehbehindertenverband engagiert sich für die Steigerung der Lebenssituation der Augenpatienten sowie der blinden und sehbehinderten Menschen in Deutschland.mü Weitere Informationen: www.DBSV.org

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