Millionenprojekt: In Landscheid knallt's

Millionenprojekt: In Landscheid knallt's

Weil das Gelände mit Blei verseucht ist, muss die Landscheider Schießanlage (Landkreis Bernkastel-Wittlich) erneuert werden. Ein Investor will die Sanierungskosten übernehmen und dort ein großes Schießsportzentrum bauen. Der Gemeinderat hat dem grundsätzlich zugestimmt. Bürger vor allem aus Burg aber haben Angst, dass damit die Lärmbelastung zunehmen wird.

Landscheid. Ein großes Projekt steht Landscheid ins Haus: Die Gesellschaft Target World ("target" bedeutet so viel wie Angriffsziel) will die Schießsportanlage auf neue Füße stellen. Geplant sind ein moderner Wurfscheiben-Schießstand, ein Kugelschießzentrum und eine Büchsenmacher-Werkstatt mit einem Geschäft, in dem sich Jäger, Schützen und andere Anhänger von Freiluftsport mit Ausrüstung eindecken können. Auch die Gastronomie soll umgestaltet und mit Tagungsräumen versehen werden. Zudem beinhaltet der Plan ein Hotel und eine Jagdschule, sowohl für Anfänger als auch für die Weiterbildung. Bernd Bahr aus Hontheim, Geschäftsführer der Target World, rechnet mit Investitionen von mindestens drei Millionen Euro.
Hintergrund des Vorhabens: Das Gelände - auch ein angrenzendes Waldstück der Gemeinde - ist wegen der Schießübungen mit Schrotkugeln, also Blei verseucht und muss saniert werden. Wie teuer das ist, weiß bislang niemand. Die Schätzungen belaufen sich auf 400 000 bis 700 000 Euro. Kosten, die für die Waldfläche - zumindest anteilig - die Gemeinde aufbringen müsste. Dem könnte sie entgehen, indem sie dem Vorhaben der Target World grünes Licht gibt.
Doch einige Bürger schießen quer. Gerd Meyer aus Burg zum Beispiel. Er befürchtet, dass es wegen der neuen Anlage noch häufiger laut wird, sorgt sich um das Wohl seiner Familie und den Wert der Immobilien. "Wer möchte denn in einem Wohngebiet mit Dauerbefeuerung leben?" Zudem habe Landscheid mit der Autobahn und der Airbase Spangdahlem schon "permanente Lärmquellen". Daher gründe sich nun eine Bürgerinitiative.
Mit Zwischenrufen, Kopfschütteln und ungläubigen Blicken gaben viele der 25 Landscheider Bürger, die zur Gemeinderatssitzung gekommen waren, in der die Planung vorgestellt wurde, ihrer kritischen Haltung Ausdruck. Diese bezog sich allerdings auch darauf, dass sie sich während der Sitzung nicht zu dem Thema äußern können. So will es die Gemeindeordnung.
Peter Clemens vom Landesjagdverband, der die Anlage nutzen will, möchte den Bürgern die Angst nehmen. Die neue Anlage werde um ein Vielfaches besser isoliert als die jetzige und beispielsweise mit einer schallgedämmten Schießbahn und Rasterdecken ausgerüstet. Die Grenzwerte nach dem Immissionsschutzgesetz würden unterschritten, das hätten Probeschießversuche gezeigt. Zudem werde künftig nicht mehr in Richtung Burg, sondern in Richtung Wald geschossen, und die Entfernung zu dem Landscheider Ortsteil vergrößere sich wegen der Verlagerung des Schießstands von 1360 auf 1500 Meter.
Die derzeit vier Hektar große Fläche soll um 11,5 Hektar erweitert werden: in Richtung Norden und der Waldfläche im Osten. Ob die Tennishalle erhalten bleibt, ist nach Auskunft Bahrs noch nicht entschieden. Investor ist die Unternehmerfamilie Ostendorf aus dem Münsterland.
Der Gemeinderat hat seine grundsätzliche Zustimmung zu dem Projekt gegeben, so dass die Untersuchungen zu den Auswirkungen auf Natur, Tierwelt und so weiter beginnen können. Es müsse aber nachgewiesen werden, dass der Lärm gemindert wird. Liegen die geprüften Unterlagen vor, soll es eine Informationsveranstaltung für die Einwohner geben. "Erst nach der Prüfung liegen objektive, detaillierte und belastbare Fakten vor, die den Einwohnern präsentiert werden können. Fällt das Prüfergebnis negativ aus, erübrigt sich eine Informationsveranstaltung", erklärt Anton Hauprich, Leiter der Bauabteilung bei der Verbandsgemeinde. "Wir müssen eben ganz genau die Vor- und Nachteile abwägen und schauen, wie wir den Schall in den Griff bekommen", sagt der Burger Ortsvorsteher Michael Comes.Meinung

Ohne die Bürger geht es nicht
In der Ratssitzung, in der die Planung der Schießsportanlage in Landscheid vorgestellt wurde, fühlte sich so mancher Bürger auf den Schlips getreten, weil er keine Fragen dazu stellen durfte. Zwar dürfen in einer Gemeinderatssitzung jenseits der Einwohnerfragestunde nur Ratsmitglieder, Bürgermeister, Vertreter der Verwaltung und geladene Experten sprechen, beispielsweise Planer. Trotzdem kann eine Gemeinde durchaus Fragen der Bürger zu einem Punkt auf der Tagesordnung zulassen - beispielsweise, indem auf die Sitzung eine Einwohnerversammlung folgt. Landscheid hätte gut daran getan, auf diese Weise die Bedenken der Einwohner zu hören. Stattdessen haben sich Fronten aufgebaut, noch bevor die Planung auf dem Tisch lag. Eine offene Kommunikationspolitik von Anfang an ist wichtig. Im Kleinen wie im Großen, in jedem Ort und bei jedem Projekt. u.quickert@volksfreund.deExtra

Nur vier Schießsportanlagen der Art, wie sie in Landscheid geplant ist, will der Landesjagdverband (LJV) künftig in Rheinland-Pfalz betreiben beziehungsweise nutzen. Nur noch dort soll das Wurfscheibenschießen erlaubt sein, bei dem mit Schrot geschossen wird. Fast alle Stände, an denen dies bislang möglich war, müssen wegen der Verunreinigung des Bodens saniert werden. Die meisten Schießanlagen werden nach der Reinigung wohl nicht mehr für diese Art des Schießens genutzt. Die anderen drei Anlagen werden voraussichtlich in Mayen, in Rhein-Hessen und in Pirmasens zu finden sein, sagt Clemens vom LJV. Dieser nutzt derzeit zwei weitere Anlagen in der Region: in Bernkastel-Kues und in Trier. In der hiesigen Anlage sollen die Schrotkörner auf einer etwa fußballfeldgroßen Fläche niedergehen, die maschinell gereinigt wird. Laut Bahr sei dies dann die umweltverträglichste Anlage in Rheinland-Pfalz und darüber hinaus. Bislang betreibt der Wurftaubenclub Landscheid die Anlage, er hat etwa 100 Mitglieder. uq