Minheims Reise geht nach Bernkastel-Kues

Nun ist die Linie klar. Im Rahmen der Kommunalreform wollen Neumagen-Dhron, Piesport und Minheim zur Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues, Trittenheim zieht es zur VG Schweich.

 Immer geradeaus geht es in Richtung Bernkastel-Kues. Nicht nur die Verkehrstafel zeigt es an – auch der Minheimer Gemeinderat hat den Weg für die Fusion freigemacht. TV-Foto: Winfried Simon

Immer geradeaus geht es in Richtung Bernkastel-Kues. Nicht nur die Verkehrstafel zeigt es an – auch der Minheimer Gemeinderat hat den Weg für die Fusion freigemacht. TV-Foto: Winfried Simon

Minheim. Der Ortsgemeinderat Minheim hat einstimmig dafür votiert, im Rahmen der Kommunalreform zusammen mit den Ortsgemeinden Neumagen-Dhron und Piesport zur Verbandsgemeinde Bernkastel-Kues zu wechseln. Das Gremium hat damit eine Abstimmung vom 14. April 2010 revidiert. Damals hatte der Rat auf Basis eines Bürgervotums für die VG Wittlich-Land gestimmt. Diese Entscheidung wurde vor einigen Tagen hinfällig, nachdem der VG-Rat Wittlich-Land aus Kostengründen eine Aufnahme Minheims abgelehnt hatte (der TV berichtete).

Die Minheimer hatten sich gewünscht, noch einmal abstimmen zu dürfen. Formal notwendig war das nicht. Der VG-Rat Neumagen-Dhron hatte bereits im Dezember 2010 beschlossen, Minheim in das Paket mit Neumagen-Dhron und Piesport zu schnüren, wenn aus Wittlich-Land eine Absage kommt. Die Ortsgemeinde Trittenheim strebt einen Wechsel in die VG Schweich an. Voraussichtlich am 10. Februar wird der VG-Rat Neumagen-Dhron beschließen, wohin die Reise geht. Danach müssen die Verbandsgemeinderäte der Wunschpartner sowie die Stadt- und Ortsgemeinderäte abstimmen. Kommt es zu einer breiten Zustimmung und erlässt das Land dann die notwendigen Gesetze, könnte die Fusion zum 1. Januar 2012 wirksam werden.

Welche Stimmung herrscht nach der Absage aus Wittlich-Land und einigen Aussagen von Ortsbürgermeister Werner Mertes bei der Sitzung? Diese Frage war schnell beantwortet. Böse Worte gegen Wittlich-Land und gegen die nicht so geliebte VG Bernkastel-Kues gab es nicht. Werner Mertes war lammfromm. Lob gab es für Bürgermeisterin Christiane Horsch. "Es war die richtige Entscheidung, frühzeitig über eine Fusion zu reden", sagte er. Irritationen hatte es im Vorfeld wegen der Kosten gegeben, die für eine Sanierung des Minheimer Kanals und einen Anschluss an die zentrale Kläranlage der VG Neumagen-Dhron notwendig sind. Er habe nicht gesagt, dass die Zahlen von den Politikern im VG-Rat Wittlich-Land absichtlich hochgerechnet worden seien, um einen Grund zu haben, Minheim nicht aufzunehmen. Stattdessen habe er ganz allgemein geäußert, "dass bewusst Zahlen hochgerechnet worden sind, um eine Eingliederung der Ortsgemeinde Minheim nach Wittlich-Land zu verhindern." Eine Schuldzuweisung in Richtung Wittlich-Land sei dies nicht gewesen. Ihm liege viel an einem guten Verhältnis zu den Nachbarn. Das habe er Bürgermeister Christoph Holkenbrink in einem Telefonat gesagt.

Bürgermeisterin Horsch stellte in großer Deutlichkeit heraus, wie wichtig eine Fusion für die VG Neumagen-Dhron ist. "Wenn wir nicht fusionieren, werden zwangsläufig die Kosten für die Abwasserbeseitigung drastisch steigen. Eine Fusion ist zwingender denn je, allein für die Gebührenzahler. In einer solch kleinen Struktur können wir nicht weitermachen", sagte sie.

Meinung

Der Weg war und ist steinig

Die Hängepartie um die neue Heimat der Minheimer hat lange gedauert. Zu lange, sagen viele Betroffene - und das sind nicht wenige. Wichtig ist, dass zumindest diese Diskussion ein Ende hat. Es war aber nicht zu erwarten, dass der im Jahr 2008 eingeschlagene Weg hin zu einer freiwilligen Fusion immer gerade verläuft. Er wäre vom Ablauf wesentlich leichter, auf die unvermeidliche Zwangsfusion zu warten. Der Weg über die Freiwilligkeit ist steinig. Und es sind noch längst nicht alle Steine aus dem Weg geräumt. Die Kostenfrage wurde nicht nur in Wittlich-Land gestellt. Sie kursiert auch in den Verbandsgemeinden Bernkastel-Kues (für die Orte Neumagen-Dhron, Piesport und Minheim) und Schweich (für Trittenheim). In Bernkastel-Kues wird fieberhaft gerechnet, um verlässliche Zahlen präsentieren zu können. Die angestrebte Fusion ist aber nicht nur ein Zahlenwerk. Die VG Bernkastel-Kues könnte mit 4000 neuen Bürgern in den Bereichen Tourismus und Weinbau weiter an Attraktivität zulegen. c.beckmann@volksfreund.de