"Mir lossen de Kirch um Dorf"

Egal, aus welcher Richtung man nach Niederscheidweiler kommt: Das Erste, was man vom Ort sieht, ist der markante Kirchturm. Die heutige Pfarrkirche ist in die Jahre gekommen und muss jetzt dringend saniert werden. 80 000 Euro muss die Kirchengemeinde aufbringen.

Niederscheidweiler. Dort, wo im dritten und vierten Jahrhundert nach Christus eine römische Villa Zentrum vieler heimischer Siedlungen war, steht in dem 250-Einwohner-Ort Niederscheidweiler die Pfarrkirche.
Sie ist seit mehr als 300 Jahren das ortsbildprägende Gebäude sowie religiöser, kultureller und architektonischer Mittelpunkt der Gemeinde.
65 000 Euro für Dachsanierung


Der Vorsitzende im Verwaltungsrat, Stefan Koch, sagt: "Seit fünf Jahren ist deutlich absehbar, dass der Außenanstrich erneuert werden muss. Die Außenflächen wurden immer unansehnlicher. Nach Ortsterminen mit der für die Kirche zuständigen Rendantur (Kirchenrechner) Wittlich, Besprechungen mit Steinmetzen, der Bistumsarchitektin, Dach- und Glockensachverständigen und dem zuständigen Architekten wurden dann die weiteren Schäden deutlich, die Sanierungsmaßnahmen mit einem Kostenvolumen von über 200 000 Euro erfordern." Mittlerweile hat die Kirchengemeinde detaillierte Finanzierungspläne auf den Weg gebracht.
Der größte Teil ist mit 65 000 Euro die Dachsanierung. Es geht außerdem um neue Schallfenster, die Reparatur von Bleiverglasungen, Sicherheitstechnik für die Glocken, Maler- und Natursteinarbeiten, einen neuen Sockelputz für den Kirchturm, einen neuen Anstrich und Arbeiten am Portal. "Es ist vorbildlich gelebte Dorfgemeinschaft und Tradition in Niederscheidweiler, dass alle mit anpacken", meint Koch, der seit 2009 Ortsbürgermeister ist. Monika Klas, die Vorsitzende des Pfarrgemeinderates, freut sich darüber, dass die Kirchengemeinde als Eigentümer vom Bistum und auch von der Ortsgemeinde unterstützt wird. "Die Hälfte, also 100 000 Euro, gibt das Bistum; von den für die Dorfgemeinschaft übrig bleibenden Kosten übernimmt die Ortsgemeinde 20 000. Also müssen wir vonseiten der Kirchengemeinde 80 000 Euro finanzieren."
Pater Ludwig Eifler, Pfarrverwalter der zurzeit vakanten Pfarreiengemeinschaft Manderscheid, sagt: "Das Erbe der Vorfahren verpflichtet die heute lebende Generation. Das gilt für die Pfarrei, besonders auch für die Erhaltung ihrer Pfarrkirche, dem Wohnhaus vom lieben Gott."
Inge Sliwka, viele Jahre Bürgermeisterin des Ortes und in den Kirchengremien mit an vorderster Front tätig und jetzt "nur noch normale Kirchengängerin", wie sie sagt, ist sich sicher, dass "genauso, wie die Scheidweilerer vor 300 Jahren für ihre Kirche gekämpft haben, wird es uns auch heute gelingen, ihr Erbe zu erhalten". ks
Extra

Als ältestes Bauwerk von Niederscheidweiler ist eine römische Villa aus dem dritten beziehungsweise vierten Jahrhundert nach Christus bekannt. An der Stelle steht seit mehr als 300 Jahren die Pfarrkirche St. Hubertus. Die Scheidweilerer mussten ihre Kirche und damit auch ihre Kirchengemeinde als Pfarrei schwer erkämpfen. Sie fühlten sich als Filiale der Pfarrkirche in Gillenfeld nur ungenügend betreut. Viele Bittgesuche beim Bischof waren erforderlich, um die Genehmigung für ihre Kirche und die neue Pfarrei zu erhalten. Sie mussten sie ohne jede finanzielle Hilfe des Bischofs bezahlen. In der "Einrichtungsurkunde" von 1684 wurde das Gotteshaus dem Heiligen Hubertus geweiht. 1799 brannte das Unterdorf samt der Kirche ab. Von den französischen Besatzern erhielt man die Zustimmung zum Bau einer neuen Kirche, die 1807 fertig war. 1964 und 1965 wurde die Kirche erweitert. Dabei wurden die Reste der römischen Villa freigelegt. ks

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