Misstöne an der Kirchenorgel

Geht es nach dem Willen der Pfarrei Zeltingen, müssen die Gläubigen künftig auf die Dienste der Organistin und Chorleiterin Theresia Thiesen verzichten. Ihr wurde fristlos gekündigt. Zuvor war der Versuch gescheitert, ihre Arbeitszeit und die ihres ebenfalls als Kirchenmusiker tätigen Mannes zu kürzen. Am Mittwoch gibt es einen Gütetermin vor dem Arbeitsgericht.

Zeltingen-Rachtig. Zu einer katholischen Messe gehören ein Geistlicher, meist einige Messdiener, Gläubige und ein Organist. Einige Gemeinden an der Mosel müssen künftig möglicherweise ohne musikalische Umrahmung auskommen. Denn die Pfarrgemeinde Zeltingen hat Theresia Thiesen zum Jahresende gekündigt. Sie ist seit 18 Jahren als hauptamtliche Organistin und Chorleiterin beschäftigt. Ihre Einsatzorte sind Zeltingen-Rachtig, Erden, Lösnich sowie Wehlen und Graach. Gründe für diesen Rauswurf hat man ihr nicht mitgeteilt. Am Mittwoch treffen sich die Musikerin und Vertreter der Pfarrei zum Gütetermin vor Gericht.
Mit Hinweis auf das laufende Verfahren möchte sich der Bernkasteler Dechant Georg Moritz nicht zur Entlassung äußern. Er sieht jedoch keinen Zusammenhang mit einer weiteren gerichtlichen Auseinandersetzung zwischen den arbeitgebenden Pfarreien und Theresia Thiesen und ihrem Mann Josef. Der ist ebenfalls Organist und Chorleiter sowie Küster in Bernkastel und seit 1986 hauptamtlich an der Mosel tätig.
Vor dem Arbeitsgericht hatten die Thiesens erfolgreich gegen die Kürzung ihrer Arbeitsverträge geklagt. Anstatt 35 Stunden pro Woche sollte er nur noch 13 Stunden arbeiten. Ihr Vertrag sollte von 28 auf 18 Stunden gekürzt werden. "Als Grund wurde uns mitgeteilt, dass kein Geld mehr da ist", sagt Josef Thiesen. Dem dritten hauptamtlichen Musiker im Dekanat wurden laut Aussage der Thiesens keine Stunden gekürzt. Dieser werde als Dekanatskantor direkt vom Bistum bezahlt. Ein Organist verdient pro Monat bis zu 3000 Euro bei einer Vollanstellung.
Hintergrund für diesen Geldmangel sind mutmaßlich die Auswirkungen der Strukturreform im Bistum. Eine Folge ist die Bildung sogenannter Kichengemeindeverände (siehe Extra). Diese erhalten vom Bistum ein Budget zugewiesen und haben die Freiheit, aber auch die Verantwortung für die damit verbundenen Personal- und Sachkosten.
Die beiden in Zeltingen-Rachtig lebenden Musiker haben beide in Aachen studiert und verstehen die Welt nicht mehr. Wären die Pfarreien mit der Kürzung ihrer Stunden durchgekommen, hätten sie sich eine andere Beschäftigung suchen müssen, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Stellen für Kirchenmusiker sind in der Region Trier dünn gesät. Ein Wechsel als Musiklehrer an eine Schule sei ohne weiteres nicht möglich, sagt Theresia Thiesen.
Doch es sind nicht allein die finanziellen Einbußen, die die beiden Kirchenmusiker bewegen. Während der vergangenen Jahre haben sie nicht nur an sieben Tagen in der Woche bereitgestanden, um normale Messen, Taufen, Hochzeiten und Beerdigungen musikalisch zu begleiten. Beide arbeiten auch als Chorleiter mehrere Gesangsgruppen. "Was mit meine Chören geschieht, wenn die Kündigung rechtens war, kann ich nicht sagen", sagt die Musikerin.
Extra

Theresia Thiesen. Foto: TV-archiv.

Kirchengemeindeverband: Durch Erlass des Bischofs wurde der Kirchengemeindeverband Bernkastel-Kues gebildet. Er umfasst die Pfarreien Bernkastel-Kues St. Briktius, Bernkastel-Kues St. Michael, Bernkastel-Wehlen St. Agatha, Erden St. Anna, Graach St. Simon und Juda, Lieser St. Petrus, Lösnich St. Vitus, Ürzig St. Maternus, Zeltingen-Rachtig St. Marien und Zeltingen-Rachtig St. Stephanus. Die Verwaltungseinheit ist unter anderem zuständig für die Anstellung des nichtpastoralen Personals. har

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