Misten auf dem Wedenhof in Wolf

TRABEN-TRARBACH. In unserer Reihe "Stadtgeschichte(n)" beleuchtet Christof Krieger die Geschichte des Wedenhofs im Stadtteil Wolf.

Aus dem Stadtgebiet von Traben-Trarbach sind fast ein Dutzend Wein- und Klosterhöfe bekannt, deren Geschichte zumeist als recht gut erforscht gelten kann. Eine Ausnahme stellt allerdings der Wedenhof im Stadtteil Wolf dar. Dabei kann allein schon der Name des Hofes durchaus als Schlüssel zur Lösung dieses "Problems" dienen: Als "widemhof" bezeichnete man zumeist ein Wirtschaftsgut, das im Mittelalter zum Unterhalt einer Kirche, beziehungsweise des dort ansässigen Priesters diente. Aber warum sollte das Kloster - bis 1491 gab es keine andere Kirche in Wolf -, das auf dem "Göckelsberg" hoch über dem Moseltal verschiedene Wohn- und Wirtschaftsgebäude besaß, unten im Dorf einen weiteren Hof unterhalten haben? Die Antwort liegt dabei auf der Hand: Man muss sich einmal bildlich vorstellen, wie die Trauben der klostereigenen und zumeist verpachteten Weinberge alljährlich im Herbst in schweren Bütten auf wackeligen Leiterwagen den steilen Berghang hinauf gezogen wurden, um dort gekeltert zu werden. Ein erheblicher Teil des so gewonnenen Weines, der von den Klosterbewohnern nicht selbst konsumiert wurde, musste dann später in noch schwereren Fässern denselben steilen Weg wieder hinab befördert werden. Da mochte es durchaus eine Erleichterung gewesen sein, mitten im Dorf, in nicht allzu großer Entfernung von der Mosel, ein eigenes Kelterhaus mitsamt Keller zu besitzen. Wann genau der Wedenhof in Wolf errichtet wurde, liegt ebenso im Dunkel der Geschichte wie die Klostergründung. Erst im Jahre 1435 findet er im Rahmen einer "Baugeding-Ordnung" seine erste Erwähnung. Unter "Baugeding" versteht man die jährliche Zusammenkunft der Pächter eines Hofes, bei der neue Weinberge vergeben oder diejenigen bestraft wurden, die ihre Pflichten - etwa das regelmäßige Misten - vernachlässigt hatten. Da zudem auch ab 1478 die Protokollbücher dieser Zusammenkünfte erhalten sind, bieten diese die seltene Gelegenheit - zumindest für die dort erwähnten Wolfer Familien - eine lückenlose Familienforschung bis zurück ins 15. Jahrhundert zu betreiben! Christof Krieger, Leiter des Mittelmosel-Museums Traben-Trarbach Wenn auch Sie eine historische Anekdote kennen, den für viele unverständlichen Namen eines Hauses, einer Straße oder eines Flurstücks erklären können oder zu einem historischen Ereignis eine persönliche Geschichte zu erzählen haben, dann schreiben Sie unter dem Stichwort "Stadtgeschichten" mit ihrem Namen, Adresse und Telefonnummer für etwaige Rückfragen an die E-Mail-Adresse mosel@volksfreund.deWichtig für eine rasche Veröffentlichung ist, dass Ihre Geschichte knapp formuliert ist und etwa 60 Druckzeilen (à 30 Anschläge) umfasst. Falls Ihnen ein historisches Foto vorliegt, ist uns dieses (hinreichende Qualität vorausgesetzt) natürlich auch willkommen. Die Lokalredaktion freut sich auf Ihre persönliche(n) Geschichte(n).

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